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Testbericht

Marcel Sommer, 1. April 2016
Weltweit fünf Menschen sind für die Handfertigung des Nissan GT-R-Motors zuständig. Warum? Die sogenannten Takumi sind präziser als Maschinen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Godzilla, Ninja, Sumo und Takumi - Begriffe, die vielen Menschen beim Gedanken an Japan vor das geistige Auge huschen. Oder etwa nicht? Zugegeben, Takumi dürfte wahrscheinlich nicht zu den Standart-Japan-Assoziationen gehören. Aus der automobilen Geschichte des Landes der aufgehenden Sonne ist er jedoch nicht mehr wegzudenken. Ein Takumi ist ein Handwerksmeister, der seine Fertigkeiten über Jahre oder auch Jahrzehnte bis zur Perfektion verfeinert. Bei Nissan kommen aktuell genau fünf dieser sogenannten Takumi zum Einsatz: Izumi Shioya, Tetsushi Matsumoto, Tsunemi Ooyama, Hiroyuki Ichikawa und Takumi Kurosawa.

Doch fertigen sie nicht die Motoren für Micra, Note und Co., sondern für die Sperrspitze des Unternehmens, den GT-R. Diese Spezialisten sind ausschließlich für den Zusammenbau des 3,6 Liter großen V6-Twinturbomotors zuständig. In rund sechs Stunden entsteht so in einem auf 23 Grad temperierten Reinraum aus 374 Einzelteilen ein Motor, der in seiner noch aktuellen Version 550 und in der neuen Version 570 PS leistet. Seit 2007 gehören die Takumi fest zum Unternehmensbild dazu.

Das dabei geltende Motto "Ein Mann, ein Motor" dürfte den meisten deutschen Kunden mit automobilsportlichem Hintergrund bekannt vorkommen, da bei AMG in Affalterbach nach genau dieser Philosophie gearbeitet wird. Und auch der finale Arbeitsschritt ist gleich: Jeder Motor bekommt eine Plakette mit dem Namen seines Erbauers verpasst. "Das Anbringen unserer Namensplakette auf dem Motorblock ist für uns ein echter Ansporn uns zu konzentrieren", verrät Tsunemi Ooyama. Takumi Kurosawa sieht das ähnlich: "Ich fühle mich in diesem Moment einfach nur unglaublich stolz."

Aber warum leistet sich ein Unternehmen wie Nissan, das in den vergangenen 80 Jahren in Yokohama über 35 Millionen Motoren gebaut hat, solch einen Luxus? "Wir sind, anders als eine Maschine, in der Lage kleinste Spalte und vor allem Staubkörner oder andere Verunreinigungen mit der Hand zu erspüren. Denn eine Abweichung von nur zehn Mikrometern kann sich negativ auf die Leistung des Aggregats auswirken", erklärt Takumi Kurosawa, der nicht zuletzt durch seinen Vornamen wie gemacht für diesen Job scheint. Und weiter: "Nach dem Zusammenbau kommt jeder Motor auf den Prüfstand, wo wir ihn zuerst auf bis zu 3.000 Umdrehungen pro Minute hochfahren, dann mit Öl befüllen und anschließend mit der Hand auf Vibrationen überprüfen."

Genau dieser fast schon liebevoll wirkende Akt fällt den fünf Takumi nicht schwer, drückt er doch eigentlich genau das aus, was ihren Job ausmacht: Liebe zum Produkt und dessen Geschichte. Diese in der Unternehmenssprache als Monozukuri verbalisierte Philosophie des sich stetig verbessernden Fertigungsprozesses, durchlebt Takumi Kurosawa seit 1980. "Ich habe damals bei einem Profifußball-Verein gespielt und mich verletzt. Da kam der Clubmanager des Nissan-Werksteams auf mich zu und fragte, ob ich denn nicht für sie auflaufen möchte - dem Ruf bin ich dann gefolgt. Schon nach drei Tagen allerdings hatte ich keine Lust mehr auf das Training und die ständigen Laufeinheiten. Mit Blick auf die sehr unsichere Zukunft im Fußball-Geschäft habe ich mich dann dafür entschieden, in dem angrenzenden Yokohama-Werk anzufangen. Seitdem bin ich hier."

Nicht zuletzt diese enge Verbundenheit eines Takumi mit dem Kunden-Motor hat in der Vergangenheit schon so manch einen GT-R-Kunden nach Yokohama geführt, nur um sich bei seinem Takumi für das Aggregat zu bedanken. "Die machen hier einen unglaublichen Job", schwärmt der Brite Rod Maher mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Und auch die TV-Legende und bekennender Auto-Fan Jay Leno hat es sich nicht nehmen lassen, quer über den Pazifik ins 8.800 Kilometer entfernte Yokohama zu reisen, um seinem persönlichen Takumi danke zu sagen.
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Quelle: Autoplenum, 2016-04-01

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