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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 12. Juli 2013
Das Infotainmentsystem im Automobil entwickelt sich zunehmend zum internetfähigen Multimedia-Informationszentrum. Volkswagen zieht jetzt nach und forciert das Mirror-Link-System, dass die Apps des Handys quasi eins-zu-eins auf dem Bildschirm des Autos abbildet.

Ein gut ausgestatteter Golf hat rund 60 Steuergeräte. Das sind genauso viel, wie ein das Luxus-Mobil Phaeton vor zwölf Jahren. Das zeigt; Autos sind keine reinen Fortbewegungsmittel mehr, sondern zunehmend komplexe Computer, die mit Assistenzsystemen den Fahrer unterstützen und ihn mit Infotainment unterhalten. Wo früher ein Radio mit pixeliger Pfeil-Navigation reichte, muss der elektrische Lotse heute Verkehrsmeldungen in Echtzeit ausgeben und Satellitenbilder auf das Display zaubern.

VW hat analog zum Modularen Querbaukasten auch die einzelnen Ausbaustufen des Infotainmentsystems im Baukastensystem entwickelt und im nächsten Jahr folgt bereits die nächste Ausbaustufe. Vernetzung heißt das Zauberwort. Im Gegensatz zu BMW, die auf eine voll in die Fahrzeugelektronik integrierte Lösung beim Modularen Infotainment Baukasten (MIB) setzt, favorisiert VW das Mirror-Link-Prinzip. Also im Grund die Spiegelung des Handys und der ganzen App auf den Bildschirm des Fahrzeugs. Damit wird die Rechenkraft des Smartphones genutzt. "Das ist für die Fahrzeugbesitzer eine kostengünstige Lösung", erklärt Dr. Volkmar Tanneberger, Leiter der Elektrik-, Elektronikentwicklung bei den Wolfsburgern. Einfach das Handy anschließen und mit Apps loslegen ist nicht. Das Programm muss von der Mirror-Link-Konsortium freigegeben werden. Zum Beispiel werden Bewegbilder bei einer Geschwindigkeit von über sechs Stundenkilometern ausgeblendet.

Dass VW damit zunächst Geld aus der Hand gibt, ist den Verantwortlichen klar. Doch Europas größter Automobilbauer ist kein Wohlfahrtverein. Irgendwann soll auch Geld verdient werden. "Daten sind das Gold des 21. Jahrhundert", erklärt Tanneberger. Google hat das vorgemacht. Also denken auch die Wolfsburger über den Verkauf von gewonnenen Informationen nach. Wenn zum Beispiel Autos mit Multifunktions-Kameras einen Wechsel von Verkehrszeichen registrieren, könnte das in einer Datenbank gesammelt werden und anderen Herstellern oder Institutionen kostenpflichtig zur Verfügung gestellt werden.

Aber eines ist auch klar. Die gesammelten Daten bleiben fest in VW Hand und für die Software-Entwicklung gilt: Schuster bleib bei Deinen Leisten. Die Niedersachsen wollen sich bei der Entwicklung von Apps auf automobilnahe Ideen konzentrieren. Auch eine Navigations-Anwendung ist nicht ausgeschlossen. Momentan bezieht Volkswagen, wie viele andere Hersteller auch, die Realtime-Traffic-Daten von dem Drittanbieter Inrix. "Kann durchaus sein, dass wir so etwas mal selbst machen oder eine Navi-App programmieren", so Tanneberger. Mit der nächsten Generation des MIBs wird die Online-Anbindung des Fahrzeugs genutzt, um die Karten den Navigationssystems aktuell zu halten. Das passiert mit Teil-Updates, bei denen in den Karten nur einzelne Straßen und nicht ganze Länder auf den neuesten Stand gebracht werden.

Die funktionelle Entwicklung geht ebenfalls weiter. Die nächste Generation des Touchscreens, die mit der Weiterentwicklung des MIBs im nächsten Sommer auf den Markt kommt, soll auch Schriftzeichen erkennen. "Das ist essentiell für den chinesischen Markt", erklärt Tanneberger. Auch mehrere Telefone sollen mit dem Auto gekoppelt werden können. Das läuft dann ab, wie bei einem Wlan-Scan. Damit das auch richtig rüberkommt, wird die Größe des mittleren Displays von 5,8 auf 6,5 Zoll anwachsen und auch die Auflösung soll sich in die Nähe eines Retina-Displays bewegen.

Diese sogenannten "bunten Dienste" kriegt der Fahrer unmittelbar mit. Die "grauen Dienste" laufen aber eher im Hintergrund ab, sind aber elementar wichtig. Vor allem für E-Mobile, wie den E-Up. Schließlich kann der Fahrer sein Auto so mit dem Smartphone fernsteuern, es vorheizen, kühlen, ohne die Batterie anzuzapfen oder den Ladezustand überprüfen. Auch die Lokalisierung des Autos ist Möglich. Dies geht aber nur via Operator, damit die Sicherheit gewährleistet ist. Andere Beispiele sind "elektronische Fußfesseln", bei denen der Halter informiert wird, wenn das Auto in eine Gegend fährt, die zuvor verboten wurde, oder wenn eine definierte Geschwindigkeit überschritten wird. Hierzulande mögen diese Möglichkeiten vor dem Hintergrund der aufkommenden Überwachungsphobie erschreckend wirken, aber gerade in den USA sind diese Features sehr beliebt, um den Nachwuchs, der gerade erst den Führerschein gemacht hat, in Zaum zu halten.
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Quelle: Autoplenum, 2013-07-12

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