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auto-news, 2013-03-12

Mini Clubvan im Test: Kleinsttransporter mit Lifestyle-Charakter

4.0 von 5

Testbericht

Paris (Frankreich), 12. März 2013 - Früher war alles so einfach. Der Mini, ein Kleinwagen im praktischen Design, eine Knutschkugel, ein Auto fürs Herz (nicht zwangsläufig für den Verstand). Bei der heutigen Mini-Generation muss man aufpassen, dass man nicht den Überblick verliert. Zum klassischen Mini gesellen sich neben Cabrio, Coupé und Roadster auch noch die Derivate Countryman, Paceman, Clubman und seit Ende des Jahres 2012 auch der Miniaturtransporter Clubvan. Er wandelt auf den Spuren des historischen Mini-Lieferwagens, damals nur "Van" genannt.

Clubman mit verklebten Fenstern
Der Clubvan ist, salopp formuliert, ein Clubman mit verklebten Fenstern. Um ihm den Charakter eines Transporters zu verleihen und die Fracht vor ungewünschten Blicken zu schützen, wurden die hinteren Seitenscheiben versiegelt und mit Polycarbonat verstärkt, ein festinstalliertes Gitter trennt die Fahrgastzelle vom Laderaum. Weitere Unterschiede zur Kombiversion Clubman: die fehlende zweite Sitzreihe, ein flacher Ladeboden und getönte Heckscheiben.

Ein echter Kleinsttransporter
Klein ist der Kleinsttransporter tatsächlich: Mit 3,96 Meter Länge bleibt er unter der Vier-Meter-Marke, die Ladefläche ist 1,15 Meter lang und misst mindestens 102 Zentimeter in der Breite. Dank Trenngitter kann dachhoch beladen werden, so kommt der Clubvan auf ein Gepäckraumvolumen von immerhin 860 Liter. Die maximale Zuladung liegt bei 500 Kilogramm und das ist auch der Haken an der Sache: Für eine Einstufung als gewerbliches Transportfahrzeug bedarf es einer Zuladung von mindestens 700 Kilo. Steuerbegünstigungen - wie zum Beispiel in Großbritannien - sind hierzulande also nicht möglich. Mit 18.150 Euro Basispreis ist die Anschaffung des Clubvan daher ein recht kostspieliges Vergnügen.

Trendbewusste Gewerbetreibende
Stellt sich die Frage, wer sich das leisten kann und will. Als potenzielle Käufer hat Mini trendbewusste Gewerbetreibende wie Fotografen, Modedesigner und Event-Caterer ausgemacht. Um die exklusive Fracht gegen Verrutschen zu sichern, sind sechs Fixierösen im Ladeboden eingelassen, 12-Volt-Stromanschlüsse stellen die Energieversorgung für elektrisch betriebene Zusatzausrüstungen fest.

Hüpfpartie
Auf einer ersten Testfahrt wird schnell klar: Die Sicherung der Ladung ist dringend zu empfehlen. Das bekanntermaßen straff abgestimmte Mini-Fahrwerk leitet jede noch so kleine Unebenheit ungefiltert in den Innenraum weiter. Auf schlechten Straßen entwickelt sich die Fahrt für Insassen und Waren gleichermaßen zur Hüpfpartie. Eine weichere Abstimmung wäre beim Gedanken an fragiles Frachtgut auf innerstädtischem Kopfsteinpflaster wünschenswert.

Eingeschränkte Sicht
Gewöhnungsbedürftig: Aufgrund der fehlenden hinteren Scheiben behindert ein riesiger toter Winkel die Sicht auf den Verkehr. Einen Totwinkel-Warner sucht man in der Ausstattungsliste allerdings vergeblich. Dafür sind Start-Stopp-System, Schaltpunktanzeige und Bremsenergierückgewinnung serienmäßig mit von der Partie.

Drei Modellvarianten
Angeboten wird der im britischen Oxford gefertigte Clubvan in drei Modellvarianten: als Mini One Clubvan mit 98 PS, als Cooper Clubvan mit 122 PS und als Cooper D Clubvan mit 112 PS. Unsere Testrunden drehen wir im Cooper D, dessen Vierzylinder-Diesel ein wenig an Spritzigkeit missen lässt. Überzeugend hingegen die Verbrauchswerte: 3,9 Liter für 100 Kilometer und 103 Gramm CO2 pro Kilometer stehen auf dem Datenblatt.

Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Common-Rail-Diesel mit Turboaufladung
Hubraum:1.598
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:82 kW (112 PS) bei 4.000 UPM
Drehmoment:270 Nm bei 1.750-2.250 UPM
Preis
Neupreis: 22.650 € (Stand: März 2013)
Fazit

Der Clubvan ist ein stylisches Stadtlieferwägelchen, das das Potenzial hat, die Blicke auf sich zu ziehen. Der Frachtraum ist für die Ausmaße des Minis beachtlich, Steckdosen und Verzurrösen sind sinnvolle Details für den optimalen Warentransport. Zu bemängeln sind vor allem das viel zu straffe Fahrwerk und die fehlende Möglichkeit, sich bezüglich des großen toten Winkels von einem technischen Helfer unterstützen zu lassen. Für ausgefallene Kleingewerbetreiber ist der Clubvan sicherlich eine Option, aufgrund der fehlenden Vorteile beim Fiskus wird er in Deutschland aber ein Schattendasein führen.

Testwertung
Quelle: auto-news, 2013-03-12