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Testbericht

24. September 2015
Stockholm (Schweden), 25. September 2015 - Ich möchte mit einer Zahl beginnen: Sie lautet 43.370. Dabei handelt es sich nicht etwa um die Clubman-Exemplare, die Mini bislang verkaufen konnte (das letzte Modell ging über 200.000-mal in Kundenhände), nein, hinter diese Zahl gehört ein Eurozeichen. 43.370 Euro. So viel kostet der Mini Cooper S Clubman mit Sonderausstattung, in dem ich gerade sitze. Er ist brandneu, hat mehr Türen, mehr Platz als der Vorgänger und kostet eine ganze Stange Geld. Ob er sich trotzdem lohnt und ob noch genug Mini im Mini steckt? Der Test verrät es. Ein neues Segment? Man könnte den neuen Clubman einfach als "gewachsen" oder sogar "erwachsen" bezeichnen - machen einige Mini-Mitarbeiter auch -, aber wäre das nicht zu einfach? Wäre es nicht viel schöner ein "neues Segment" zu evaluieren? Eines mit Premium-Anspruch? Vorhang auf für das Premium-Kompaktsegment. Noch nie davon gehört? Ich auch nicht, aber es soll da sein und es soll wachsen. Vier Prozent. Jedes Jahr. Innerhalb dieses "Segments" soll der neue Clubman an den Start gehen. Die neuen AusmaßeKümmern wir uns zuerst um das Offensichtliche: Er ist groß geworden, der Clubman. Verdammt groß sogar. Grund für den Zuwachs ist eine neue Fahrzeugbasis. Der Frontantriebsbaukasten kommt bereits beim BWM 2er Active Tourer zum Einsatz und beschert den konzerngenormten Radstand von 2,67 Meter. Das sind zwölf Zentimeter mehr als beim Clubman-Vorgänger. Insgesamt wächst die Karosserie um 30 Zentimeter auf eine Gesamtlänge von 4,25 Meter. In der Breite legte er ebenfalls zwölf Zentimeter auf insgesamt 1,80 Meter zu.
Mehr Türen, mehr Kofferraum, aber kein Kombi Die Goliath-Werdung darf man als Mini-Purist verteufeln. Aber sie hat auch wunderbare Begleiterscheinungen. Es sind zwei echte Fondtüren - keine halbe und gegenläufige Klapptür auf nur einer Seite. Sie führen zu einer Sitzreihe, die jetzt auch für richtige Erwachsene geeignet ist. Direkt dahinter befindet sich der für einen Mini geräumige Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 360 bis zu 1250 Liter bei umgeklappter Rückbank. Klingt nach viel Platz aber im Zweifelsfall muss man sich immer noch zwischen vielen Mitfahrern und wenig Gepäck oder viel Gepäck und wenig Mitfahrern entscheiden. Wie wir es eben aus der Kompaktklasse kennen. Ein waschechter Kombi ist der Clubman nicht. Horizontal statt vertikal Bei der Gestaltung unterscheidet sich der Clubman bis zur B-Säule nicht von seinen drei- und fünftürigen Verwandten. Auf Nachfrage, warum die Heckleuchten jetzt horizontal und nicht mehr wie üblich vertikal ausgeführt sind, wird auf "Modellabgrenzung" verwiesen. Ja, man will bis zum Ende des Jahrzehnts fünf neue Modelle auf den Markt bringen und diese sollen sich deutlicher voneinander unterscheiden als bisher. Nun ja, so heißt es also erst einmal Abschied von vertikalen Clubman-Rückleuchten nehmen. Die zweigeteilte Hecktür blieb dagegen erhalten. Sie öffnet auf Wunsch automatisch und der Mittelsteg schränkt weiter wunderbar die Sicht nach hinten ein. Der Innenraum ist ein unordentliches Kinderzimmer So erwachsen, neu und verändert das Hinterteil auch sein mag, das Cockpit ist es immer noch nicht. Es ist zugebaut und unaufgeräumt wie das Zimmer eines Achtjährigen. Mit ein bisschen Geduld lassen sich aber alle Spielsachen und Funktionen finden, die man so braucht. Man muss das Chaos nicht mögen, aber schöne Knöpfe, Schalter und Tasten zu verstecken, wäre auch irgendwie eine Schande. Außerdem sind in den digitalen Untermenütiefen des liebevoll gestalteten Infotainmentsystems schon genug Konnektivität und Assistenz verborgen. Die Verarbeitungsqualität passt. Die Materialwahl hingegen nur teilweise: Viel lackiertes Plastik, kratzempfindliche Oberflächen oder billige Chromoptik stören irgendwie beim eigentlichen Premium-Anspruch.
Zwiespalt, Zwiespalt, Zwiespalt Sie wollen mehr vom kindlichen Erwachsenen, vom Zwiespalt zwischen souverän gesetzt und aufdringlich verspielt? Gut, denn so geht es beim Fahrverhalten weiter: Der größere Radstand und die verbreiterte Spur sorgen jetzt für keine Angstzustände mehr bei schnellen Autobahnfahrten. Er ist ein langstreckentauglicher Mini geworden, der fast zu komfortabel die Wellen und Querrillen von schlechten Straßen ausbügelt. Trotzdem blieb das von Fans so beschworene "Go-Kart-Feeling" mehr oder minder erhalten - vor allem in der 192 PS starken Cooper-S-Variante. Mit dem Zweiliter-Benziner im Maschinenraum geht der handgeschaltete Sechsgang-Mini in 7,2 Sekunden auf Tempo 100 und wird bis zu 228 km/h schnell. Gut, das größere und schwerere Heck drückt schon deutlicher von hinten nach, wenn die Vorderachse eine Richtungsänderung erzwingt, aber Lenkung und Gasannahme bleiben wie gewohnt sehr direkt. Für noch mehr "Go-Kart-Feeling" im Cooper S Clubman, sind darüber hinaus die adaptiven Dämpfer samt den "Mini-Drive-Modes" (Green, Mid und Sport) und die zackige Achtgang-Automatik (1.950 Euro) zu empfehlen. Die adaptiven Dämpfer, weil man dem Clubman im Sport-Modus ein wenig die Komfort-Attitüde nehmen kann und die Achtgang-Automatik, weil sie eine Achtgang-Automatik ist und kein manuelles Sechsgang-Getriebe. Preise Der vorläufige Einstiegspreis des neuen Clubman liegt bei 23.900 Euro für die Cooper-Version mit Sechsgang-Schaltung und 136-PS-Benziner. Der handgeschaltete Cooper mit 150 Diesel-PS ist ab 26.900 Euro erhältlich. Die bislang verfügbaren Modelle werden im Laufe der Zeit noch von dem Mini One Clubman mit 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner und 102 PS, dem Mini One Clubman D mit 1,5-Liter-Dreizylinder-Diesel und 116 PS sowie der sportlicheren Cooper-SD-Version mit 190 Diesel-PS ergänzt.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:8
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Benzin-Reihenmotor
Hubraum:1.998
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:141 kW (192 PS) bei UPM
Drehmoment:300 Nm bei 1.250 UPM
Preis
Neupreis: 27.500 € (Stand: September 2015)
Fazit
Man kann sich lange und ausgiebig über sinnvolle und sinnlose Autos streiten. Aber am Ende bleibt alles doch nur eine Frage von Nutzern und Nutzen, Kosten, Zweck und selbstverständlich dem eigenen Geschmack. So ist ein Clubman mit zwei vollwertigen Sitzreihen und einem passablen Kofferraum zwar kein sinnvoller Kombi-Ersatz und erst recht nicht als einziges Familienauto geeignet, praktischer als sein Vorgänger ist er aber mit Sicherheit. Darüber hinaus ist er vielleicht nicht der agilste Mini im britisch-bajuwarischen Programmheft, der agilste Kombi ... ähm ... Clubman ... ist er wegen des akuten Konkurrenzmangels aber auf jeden Fall.+ gutes Platzangebot im Fond; akzeptabler Kofferraum; spritziger Motor; zackige bis sanfte Achtgang-Automatik- hoher Preis; zum Teil schlechte Materialwahl
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2015-09-24

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