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Testbericht

20. März 2012
Barcelona (Spanien), 21. März 2012 -
Ganz ehrlich: Welches Auto haben Sie vor Augen, wenn der Name Seat fällt? Die meisten von uns werden sicherlich an den Ibiza denken. Seit fast 30 Jahren ist er "ein wichtiges Fundament" der Marke, wie es Seat-Chef James Muir ausdrückt. In nüchternen Zahlen: Fast jeder zweite verkaufte Seat ist ein Ibiza. Rund vier Jahre nach dem Debüt des aktuellen Modells wurde die Baureihe nun einem Lifting unterzogen.

Dezent verfeinert
Um bei den Worten von James Muir zu bleiben: Fundamental fällt die Modellpflege nicht aus. Das war aber auch kaum nötig, denn das sportliche, aber nicht aufdringliche Design vermag immer noch zu gefallen. So beschränken sich die wichtigsten Änderungen auf eine mittige Blechfalte in der Motorhaube und neue Scheinwerfer, die dem kompakten Spanier gut stehen. Gegen Aufpreis erhält man Bi-Xenon-Scheinwerfer plus LED-Tagfahrlicht und LED-Rückleuchten im Paket, um die Optik noch etwas nachzuschärfen.

Lieber ein paar Türen mehr
Im Innenraum treffen wir auf das lediglich in Details geänderte Cockpit, neu sind beispielsweise das Lenkrad und ein vergrößertes Handschuhfach. Sowohl optisch als auch von der Verarbeitung gibt es an der Kommandozentrale kaum etwas auszusetzen, in vielen Details ist die Zugehörigkeit zum VW-Konzern spürbar. Bedauerlich ist aber, dass die Audioanlage nicht direkt am Lenkrad, sondern über einen Bediensatelliten unter dem Blinkerhebel gesteuert wird. Apropos Audio: Ab Ende September 2012 wird es im Ibiza das von Mii bekannte portable Navi geben, inklusive der Fähigkeit zum Livestream von Radiosendern. Im SC genannten Ibiza Dreitürer geht es im gut zugänglichen Fond beengt zu, ab einer Körpergröße von 1,85 Meter rückt das Dach dem Scheitel unangenehm nahe. Das Platzangebot für die Beine ist auch nur ausreichend. Erschwerend kommt beim SC die mäßige Sicht nach hinten dazu, 250 Euro für Parkpiepser am Heck sind sinnvoll investiert. Wer häufiger Mitfahrer transportiert, sollte sich den Ibiza Fünftürer gönnen. Zwar ist auch dort die Beinfreiheit im Fond nicht üppig, aber der Kopf kratzt nicht ganz so dicht am Dach. Allerdings ist beim Einstieg Vorsicht geboten: Wer den Kopf nicht einzieht, bekommt die nach hinten abfallende Dachlinie zu spüren. Sehen lassen kann sich bei beiden Modellen das Kofferraumvolumen: 292 Liter Gepäck passen im Normalzustand ins Heck. Wer noch mehr Platz benötigt, kann zum gut 30 Zentimeter längeren Ibiza ST Kombi greifen. Er bietet stolze 430 Liter Grundvolumen.

Ideales Aggregat
Unangetastet bleibt die Motorenpalette im Ibiza. Sie reicht von 60 bis 150 PS, die noch schärferen Cupra-Modelle einmal außen vor gelassen. Einzige neue Variante ist der Ibiza ST FR 1.4 TSI mit 150 PS und serienmäßigen Sieben-Gang-DSG. Auf einer kurzen Runde hinterließ die starke Kombi-Mischung einen positiven Eindruck, doch ein Preis von 21.865 Euro dürfte deutlich über dem Budget der meisten Kleinwagen-Käufer liegen. Für unsere umfassende Test-Ausfahrt wählen wir daher den beliebten Ibiza 1.2 TSI mit 105 PS. Der Turbobenziner stellt sein maximales Drehmoment von 175 Newtonmeter schon ab 1.550 Umdrehungen bereit. Das klingt zunächst gut, trotzdem bleibt eine leichte Anfahrschwäche übrig. Beim Anfahren fühlt sich der Motor im ersten Augenblick etwas träge an, ehe er Schub liefert. Dabei bleibt das Aggregat laufruhig, nur beim Gasgeben dringt eine entfernte knurrig-brummige Note ans Fahrerohr. Dazu passt das leichtgängige Fünfgang-Schaltgetriebe. Erst oberhalb von 120 km/h und etwa 3.000 Touren macht sich der fehlende sechste Gang bemerkbar, Motor- und Windgeräusche steigen deutlich an. Umso unverständlicher ist, dass der Ibiza-Technikspender VW Polo als 1.2 TSI den sechsten Gang hat. Wer übrigens lieber der Technik die Arbeit überlässt, kann für 1.400 Euro extra den Ibiza 1.2 TSI auch mit einem Sieben-Gang-DSG bekommen. Gut abgestimmt ist die Federung, einzig grobe Querfugen werden ins Wageninnere weitergereicht.

Günstig, aber nicht preiswert
Werfen wir zum Schluss einen Blick auf die Preise, sie bleiben netterweise unverändert. Neu ist die Aufgliederung der Ausstattungslinien in Reference, Style und FR. Seat bietet den Ibiza 1.2 TSI nur als Style und FR an. Gut so, denn erst im Style ist alles Notwendige ab Werk enthalten. Dazu gehören elektrisch verstellbare Außenspiegel, eine geteilt umlegbare Rückbank, eine Klimaanlage und die elektronische Differentialsperre. Unverständlich bleibt nur, warum ein CD-Radio 500 Euro Aufpreis kostet. Los geht es bei 15.650 Euro für den dreitürigen SC, mit 16.350 Euro liegt der Fünftürer im Rennen, während für den Kombi ST mindestens 17.150 Euro fällig werden. Zum Vergleich: Ein dreitüriger VW Polo 1.2 TSI fängt bei 16.850 Euro an, nur 14.260 Euro verlangt Kia für den dreitürigen Rio Edition7 mit 1,4-Liter-Saugbenziner und 109 PS.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Benziner in Reihenform mit Turboaufladung
Hubraum:1.197
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:77 kW (105 PS) bei UPM
Drehmoment:175 Nm bei 1.550 - 4.100 UPM
Preis
Neupreis: 16.350 € (Stand: März 2012)
Fazit
Seat hat gut daran getan, den Ibiza nur behutsam zu liften. Neben der Optik stimmen auch die inneren Werte: Wer nicht zwingend einen Diesel braucht, ist mit dem 1.2 TSI gut versorgt. Schade ist nur das Fehlen eines sechsten Gangs. Dafür überzeugt der Preis. Singles und Paare können mit dem dreitürigen SC glücklich werden, für alle anderen empfiehlt sich der Fünftürer. Familienväter sollten einen Blick auf den Ibiza ST riskieren. Preis-Tipp: Wer die Facelift-Optik nicht unbedingt braucht, kann mit einem "alten" Modell einige Euros zusätzlich sparen.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2012-03-20

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