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Testbericht

Stefan Grundhoff, 30. Oktober 2013
Mini Cooper, Fiat 500 oder ein Toyota Aygo - alles langweilige Kisten gegen den Kia Ray. Der kastige Koreaner mimt in seinem Heimatland eine echte Stimmungskanone. Der Gute-Laune-Kleinwagen ist mittlerweile sogar als Elektroauto zu bekommen.

Der Nissan Cube zeigte vor ein paar Jahren, wie schwer sich kantig-kastige Kubusmobile in Europa tun. In Japan und den USA ein Publikumsliebling, stand sich der trendig-loungige Cube in den Nissan-Verkaufsräumen seine kleine Reifen platt und wurde kurzerhand wieder aus dem Euro-Programm gestrichen. Wohl der Hauptgrund, weshalb der Kia Ray in unseren Breiten zumindest bisher kein Thema ist. Schade drum, denn der coole Trendsetter würde dem bisweilen immer noch zu farblosen Korea-Image in Deutschland mehr als gut zu Gesicht stehen. "Der normale Kia Ray kostet hier bei uns in Korea 15.000.000 koreanische Won; das Elektromodell Ray EV liegt dagegen bei 45.000.000 Won", erläutert Chi Hgeon Hwang, Kia-Projektleiter für die Elektrofahrzeuge, "selbst mit den ganzen Incentives, die man in Korea bekommt, bleibt ein Preisunterschied von sieben Millionen Won für den Kunden." Umgerechnet sind das 10.000 Euro des Verbrennermodells gegenüber 30.000 Euro des Elektromobils - das rechnet sich selbst dann nicht, wenn Steuervergünstigungen den Preisunterschied auf knapp 7.000 Euro reduzieren.

So kam der Kia Ray, der mit einem ein Liter großen Verbrennungsmotor fest zum Straßenbild koreanischer Großstädte gehört, bisher nur in kleinen Dosen an Mann und Frau. In den letzten eineinhalb Jahren wurden nur rund 700 Elektro-Rays an Behörden, öffentliche Einrichtungen und Kommunen gegeben. "Im Alltagsbetrieb wollten wir testen, wie sich der Kia Ray EV schlägt", so Jinho Park, Batterieexperte bei Kia / Hyundai. Er ist Vorreiter für den größeren Kia Soul EV, der ab Herbst kommenden Jahres elektrisch hinter BMW i3 und Nissan hinterhersurren soll. Geladen wird der Kia Ray EV, der von einem Elektromotor mit 50 kW / 68 PS angetrieben wird, zu Hause oder einer der aktuell rund 1.000 in Korea zugänglichen Elektroladesäulen. In sechs Stunden ist der kleine Ray EV an der heimischen 220-Volt-Steckdose wieder zu Kräften gekommen; die Handvoll von Schnellladestationen bringen den koreanischen Winzling in knapp einer halben Stunden wieder auf die Reifen.

Am Steuer des puristischen Ray geht es vom Start weg flott zur Sache und stramm gefedert zur Sache. Der Ray ist übersichtlich wie kaum ein anderes Auto und allemal komfortabel. 0 auf Tempo 100 wird in knapp 16 Sekunden jedoch zu einer kleinen Geduldsprobe. Deutlich mehr dürfte die Kunden die maximale Reichweite von 140 Kilometer und die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h interessieren. Das Akkupaket mit einer Kapazität von 16,4 kWh ist wie beim Kia Soul EV im Unterboden des Kleinwagens untergebracht. Es besteht aus leistungsfähigen Lithium-Polymer-Akkus. Der knuffige Kia Ray EV glänzt nicht nur mit seinem Elektroantrieb, sondern mit einem ungewöhnlichen Türkonzept. Neben den drei normalen Schwenktüren gibt es hinten rechts eine einzelne Schiebetür für besonders leichtes Aus- und Einsteigen in engen Parklücken. Die Raumausnutzung des Ray ist eine Klasse für sich. Vier Personen oder einiges an Gepäck finden im Innern des Microvans problemlos Platz. Ablagen gibt es in den Türen, der Mittelkonsole oder über den Köpfen der Frontpassagiere - dem vanartigen Aufbau sei Dank. Die Instrumente sind klassisch mit leichtem Fisher-Price-Charme und der große Navigationsbildschirm zeigt nicht nur Bordcomputer, Radiosender und die Routenführung, sondern auch zielsicher die nächsten Elektrotankstellen an.

Damit der Kia Ray EV bei langsamer Fahrt keine Passanten in Gefahr bringt, die das Elektromobil nicht hören, wenn er sich heran pirscht, gibt der Elektrokrabbler bis Tempo 20 einen wenig melodischen Klang von sich, der sich glücklicherweise abstellen lässt. Im Stadtverkehr von Seoul würde man am Steuer des Ray EV sonst schnell seine Fassung verlieren. Doch allemal ist der Kia Ray EV eine Bereicherung für die City - nicht nur bis im kommenden Jahr der Soul EV die Marke Kia ins Elektrozeitalter spülen soll.
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Quelle: Autoplenum, 2013-10-30

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