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Testbericht

Stefan Grundhoff, 23. September 2009
Kaum ein Hersteller kann es sich in der heutigen Zeit leisten, ohne einen Hybriden anzutreten. Kia verkauft auf seinem Heimatmarkt jetzt den ersten Flüssiggas-Hybriden.

Hybridtechnik ist in aller Munde. Doch eine Mischung aus Verbrennungsmotor mit Flüssiggasbetrieb und Elektromotor ist neu. In Korea kommt der 4,53 Meter lange Kia Forte Hybrid LPI in diesen Tagen in den Handel. In Deutschland ist der Bruder des Kia Cerato nicht auf dem Markt - da die Nachfrage nach kompakten Stufenheck-Limousinen in unseren Breiten nicht der Rede wert ist, soll das bis auf weiteres auch so bleiben. Doch die Technik des Forte könnte etwas für den europäischen Markt sein. Aus diesem Grund schickt Kia Ende des Jahres eine Testflotte von 36 Fahrzeugen nach Europa, um die Mischung aus Elektropower und Flüssiggas auf Herz und Nieren zu testen.

Die Entwickler der beiden Schwesterkonzerne Kia und Hyundai betreten absolutes Neuland, denn die Kombination aus Flüssiggas und Elektromodul versuchte im Serienbetrieb bisher keiner. Der Grund für die Entwicklung liegt auf der Hand: Im Heimatland Korea hat Flüssiggas eine große Bedeutung. Die Ingenieure setzten gar nicht erst auf die ins Wanken geratene Nickel-Metall-Hybridbatterie, sondern auf moderne Lithium-Polymer-Batterien mit 180 Volt und 5,3 Ah. „Der rund 24 Kilogramm schwere Akku befindet sich zwischen Rückbank und Kofferraum“, sagt David Labrosse, verantwortlich für Entwicklung und Technik bei Kia Motors Europe. „Der erste Erprobungsträger kann erst einmal nur mit Flüssiggas fahren. Wenn wir entsprechende Erfahrungen haben, stellen wir auf einen bivalenten Antrieb um“, so Labrosse weiter. Dann wird der Kia also Flüssiggas oder Benzin verbrennen können.

Von außen deutet - abgesehen von den auffälligen Hybrid-Beklebungen mit dem Hinweis auf den CO2-Ausstoß des Wagens von 94 Gramm pro Kilometer - nichts auf das alternative Antriebskonzept hin. Im Gegensatz zum normalen Kia Forte gibt es für den aerodynamischen Feinschliff Heckspoiler, Frontschürze und Leichtlaufreifen. Durch die Aerodynamikmaßnahmen sank der cw-Wert des Kia Forte Hybrid LPI auf 0,26. Dazu kommen fürs Auge LED-Rückleuchten und eine leicht geänderte Front. Die technischen Feinheiten sieht man unter der Motorhaube, hinter einer kleinen Abdeckung im Laderaum und am geänderten Tankeinfüllstutzen im linken hinteren Kotflügel. Der zweiteilige Flüssiggas-Tank mit einem Gesamtvolumen von 53 Litern befindet sich unter der Rücksitzbank.

Im Cockpit wird man von einer leicht geänderten Instrumenteneinheit empfangen. Links gibt eine Balkenanzeige dem Piloten darüber Aufschluss, ob der Akku gerade geladen wird oder der Elektromotor den Verbrenner unterstützt. Die Öko-Anzeige belohnt eine sparsame Fahrweise mit einem Zweig, aus dem einzelne Blätter sprießen. Rechts informieren Anzeigen für Akku und Tank darüber, wie es um die Reserven des Kia bestellt ist.

Normalerweise wird der Kia Forte von einem 1,6 Liter großen Vierzylinder mit 93 kW / 126 PS angetrieben. Das Flüssiggasmodell muss mit einer reduzierten Leistung von 116 PS und 148 Newtonmetern Drehmoment auskommen. Der kleine Elektromotor liefert 15 kW / 20 PS und 105 Nm zusätzlich, was die Beschleunigung spürbar verbessert und den Verbrauch reduziert. Für den Spurt von 0 auf 100 km/h benötigt der Koreaner 12 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 182 km/h.

Der Elektromotor befindet sich wie allgemein üblich als Scheibenantrieb zwischen dem Verbrenner und dem stufenlosen Automatikgetriebe. Der Fahrspaß hält sich bei einem solchen CVT-Getriebe in Grenzen, doch die Start-Stopp-Automatik funktioniert vorbildlich. Weich und ohne große Vibrationen geht das Triebwerk beim Ampelstopp aus, um beim Starten ähnlich zurückhaltend wieder anzuspringen. Auch bei ausgeschaltetem Motor im Stand liefert der Elektromotor über den Konverter Strom für Klimaanlage, Soundsystem oder Beleuchtung. Fährt der Forte Hybrid LPI bergab und wird gebremst, gewinnt er durch ein regeneratives Bremssystem Energie zurück und speichert sie in dem Lithium-Polymer-Akku. Ähnlich wie die beiden deutschen Hybridhoffnungen Mercedes S-Klasse und 7er BMW kann auch der Koreaner nicht allein mit elektrischer Energie fahren.

Doch Elektromodul, CVT-Getriebe mit speziellem Sparmodus, Start-Stopp-Automatik und Aerodynamikfeinheiten sorgen zusammen mit dem Flüssiggas dafür, dass Verbrauch und CO2-Ausstoß des Kia Forte Hybrid LPI deutlich sinken. „Bei diesem Hybrid liegt der CO2-Ausstoß nur bei 94 Gramm pro Kilometer“, berichtet David Labrosse und ergänzt: „Der Wagen verbraucht 5,3 Liter Flüssiggas pro 100 Kilometer. Nach internen Messungen erzielt der Forte so eine Reichweite von bis zu 850 Kilometern. Normalerweise liegt der CO2-Ausstoß dieses Modells bei 136 Gramm.“ Es bleibt abzuwarten, ob der Kunde in Korea den Flüssiggas-Hybriden in sein Herz schließt und die Verkaufszahlen zufriedenstellend sind. Im laufenden Jahr werden 2.000 Hybride produziert, für 2010 sind 5.000 Stück geplant. Der Preis für den Kia Forte Hybrid LPI startet bei knapp 22.000.000 koreanischen Won. Das sind ungefähr 12.500 Euro. Ein vergleichbarer Forte ohne Hybridmodul kostet umgerechnet rund 8.500 Euro.
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Quelle: Autoplenum, 2009-09-23

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