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Testbericht

Stefan Grundhoff, 16. April 2013
Endlich ist er da: der Jaguar F-Type. Der britische Spaßroadster soll der Sportwagenmarke zum endgültigen Neustart verhelfen. So fährt sich die offene Version:

Den neuen Jaguar F-Type sollte man sich einfach einmal zu zweit gönnen. Idealer könnte man seinen fahrbaren Untersatz für einen Frühlingsausflug kaum wählen - versprochen. Einsteigen, Anschnallen, Dach auf und die ersten Bergstraßen können kommen. Oder vielleicht lieber ein Ausflug an die Küste? Kein Problem: da passt der Jaguar F-Type genauso gut hin. Unterhaltungen zwischen Fahrer und Copilotin sind bis zum flotten Autobahngalopp immer möglich und auch sonst bietet sich der offene Zweisitzer an, seine freie Zeit auch einmal in dynamischer Zweisamkeit zu verbringen.

"Auf so ein Auto haben nicht nur die Jaguar-Fans, sondern auch wir schon viel zu lange gewartet", strahlt F-Type-Chefentwickler Peter Bingham, "ein toller Klang, was?" Wer den Sportmodus wählt oder den Klappenauspuff manuell dazu schaltet, dem klingen die Ohren - der Umgebung auch. Gut, dass wieder einmal ein Autohersteller den Mut hat, einen solch aufdringlichen Klang zu bieten. Wo besser als in einen Sportroadster sollte der hinpassen? Und abschalten kann man den Lärm jederzeit.

Der britische Zweisitzer ist eine scharfe Kiste. Cooles Design, ideale Gewichtverteilung und genug Platz für zwei, die sich mögen sollten. Denn auch wenn der F-Type satt und 2.04 Meter breit auf seinen Pneus steht: das Platzangebot im Innern ist überschaubar und auch beim Laderaum sollte man sich angesichts von 148 Litern ohne und 196 Litern mit Ersatzrad auf das nötigste beschränken. Daran ändert auch die praktische Vertiefung für einen Wasserkasten nichts.

Wer denkt, dass der neueste Zögling aus dem Hause Jaguar die längst überfällige Antwort auf BMW Z4, Mercedes SLK und besonders Porsche Boxster wäre, muss sich bei einem Blick in die Preisliste die Tränen beiseite wischen. Denn erst bei üppigen 73.400 Euro geht es beim F-Type los. Dass man dafür 340 Kompressor-PS, eine prächtige Fahrdynamik und eine gute Serienausstattung bekommt, dürfte die meisten kaum interessieren. Für Markenein- und Umsteiger ist der F-Type zu teuer. Wer sich für einen Porsche Boxster interessiert und ganz schamlos mit dem sechsten Buchstaben im Jaguar-Alphabet liebäugelt, wird den Verkaufsprospekt links liegen lassen. Die deutsche Konkurrenz beginnt, kleiner dimensioniert, aber ähnlich dynamisch bei 50.000 bis 60.000 Euro.

Doch ob ein Roadster wie der 4,47 Meter lange F-Type sich in die Herzen der Fans fährt, entscheiden nicht allein Image, Preis, Serienausstattung und schon gar nicht das Platzangebot. Es geht in dieser Liga mehr denn je um Styling und eine Fahrdynamik. Der Jaguar F-Type stellt einen niemals vor unlösbare Aufgaben. Leicht lässt er sich in den Grenzbereich drängen. Dabei tut sich der 340 PS starke Sechszylinder mit Kompressoraufladung nicht wegen der Minderleistung schwerer als die beiden größeren Modelle F-Type V6 S und V8 S mit 380 bzw. 495 PS. Was dem Basismodell fehlt, ist die rechte Dämpferabstimmung. Die ist nur bei den stärkeren Modellen variabel und deutlich lässiger abgestimmt. Gerade im Sportmodus haben sich die Entwickler bemüht, alles machbare an Dynamik aus dem F-Type herauszuholen.

Die prächtige Achtgang-Automatik schaltet gerade bei den Sechszylindern so bissig wie ein Doppelkupplungs-Getriebe und lässt es gerade auf Zug im Sportmodus gefahren bisweilen an Souveränität vermissen. "Ein paar Puristen hätten gerne eine Handschaltung", räumt Peter Bingham ein, "aber braucht man die wirklich? Das Automatikgetriebe mit den acht Stufen arbeitet perfekt und wer will, kann manuell schalten." Recht hat er. Die Lenkung des 1,6 Tonnen schweren Hecktrieblers ist präzise, jedoch zu leichtgängig und somit völlig anders als die meisten Konkurrenzmodelle abgestimmt.

Die Fahrleistungen des Einstiegsmodells sind allemal sportlich genug. Der Kompressor-beatmete Dreiliter-V6 hängt gut am Gas und leistet 250 kW / 340 PS und ein maximales Drehmoment von 450 Nm bei 3.500 bis 5.000 U/min. Der Unterschied zum größeren Sechszylinder mit 380 PS ist vergleichsweise klein; der Preisaufschlag mit 11.500 Euro gigantisch. Statt 260 schafft diese Variante immerhin 275 km/h Spitze, wobei der Spurt 0 auf Tempo 100 in 5,3 oder 4,9 Sekunden ebenso auf Augenhöhe liegt wie der Normdurst von 9,0 bzw. 9,1 Litern Super. Wer deutlich mehr Power will, muss sich für den 495 PS starken F-Type V8 für 99.900 Euro entscheiden oder gar auf die 550 PS starke RS-Version warten. Die lässt abgesehen vom schwachen Navigationssystem sicher keinerlei Wünsche mehr offen.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2013-04-16

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