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Testbericht

Susanne Kilimann, 12. Januar 2011
Hyundai will sich künftig mit neuem, emotionalem Design profilieren. Als erster Vertreter der neuen Epoche stellt sich auf der Detroit Motorshow das Sportcoupe Veloster vor. Im Frühling kommt der Veloster nach Deutschland. Hoffnung auf große Volumina machen sich die Koreaner aber nicht.

Akio Toyoda, Chef des japanischen Automobilriesen Toyota, hat sich auf der NAIAS in typisch japanischer Bescheidenheit geübt und um das Vertrauen der Amerikaner geworben. Der Druck ist nach der schlimmsten Pannen- und Rückrufserie der Konzerngeschichte riesengroß. Das Image des lange Zeit unbefleckten Weltmarktführers bekam insbesondere in den USA empfindliche Kratzer. In Detroit setzen die Japaner diesmal vor allem die Technologie ins rechte Licht, die ihnen vor Jahren die Vorreiterrolle mit Saubermannprädikat eingebracht hat: hybrid. Vom Hybridmodell Prius, mit dem Toyota vor allem in den USA punkten konnte, soll es in Zukunft einen großen Bruder geben und auch einen citytauglichen Ableger haben die Japaner – vorerst als Concept Car - auch schon mal mit nach Detroit gebracht.

Ein paar Meter weiter, am Messestand von Hyundai, gibt man sich dagegen selbstbewusster denn je. Von Toyotas Schwäche konnte der koreanische Autobauer zuletzt stark profitieren und dem japanischen Giganten wichtige Marktanteile abjagen. Jetzt rechnet man sich für die Zukunft auf dem wiedererstarkenden amerikanischen Automarkt gute Chancen aus. Und nicht nur dort. Auch in Deutschland konnte Hyundai deutlich zulegen – nicht nur Dank der Abwrackprämie. Mit 2,5 Prozent schneiden sich die Koreaner hierzulande zwar einen vergleichsweise kleinen Teil vom Kuchen ab. Die Tatsache, dass das 2009 erzielte Niveau auch in 2010 gehalten werden konnte, gibt den Marketing-Strategen Grund zur Freude - und Hoffnung auf mehr.

Beim Kampf um neue Kunden will Hyundai sich künftig mit neuem, lustvollem Design profilieren. Ein erster Vertreter der neuen Linie ist das Sportcoupé Veloster, dessen Weltpremiere die Koreaner auf der Detroit Motor Show feierten. Der athletisch geformte 2+2-Sitzer ist aus einer in der asiatischen Heimat entwickelten Studie hervorgegangen, die Hyundai 2007 auf der IAA in Frankfurt vorgestellt hatte. Das Serienfahrzeug, das sich eine Plattform mit Hyundai i30 und dem Kia Ceed teilt, fährt nun mit 4,22 Meter Länge, 1,79 Metern Breite und einer Höhe von 1,40 Metern vor. Auffallend sind die hohe Gürtellinie und die weit außen stehenden Rädern, die dem Veloster eine angriffslustige Erscheinung geben. Mit dem üppigen Radstand von 2,65 Metern sollen fahrdynamischer Komfort und Stabilität profitieren. Ungewöhnlich ist das Türkonzept des Sportcoupés. Der kompakte Korea-Sportler hat auf der linken Seite lediglich eine über eine Tür, auf der Beifahrerseite aber zwei Türen, was Einstieg für Fondpassagiere bequemer machen soll. Bequemlichkeit ist ansonsten nicht unbedingt der treffendste der Begriff, um das Raumgefühl auf der Rückbank des Sportcoupes zu beschreiben. Menschen mit 1,75 Metern Körperlänge stoßen auf der Rückbank schon im parkenden Fahrzeug an die Decke - längere Ausfahrten dürften daher zumindest für ausgewachsene Durchschnittsamerikaner oder Europäer zum zweifelhaften Vergnügen werden.

Als Kraftquelle hat Hyundai einen 1,6-Liter-Benzin-Direkteinspritzer im Veloster verbaut. Das Aggregat entwickelt 103 kW / 140 PS sowie ein maximales Drehmoment von 167 Nm. Aus dem Stand auf 100 km/h schafft es Veloster in knapp zehn Sekunden. Den C02-Ausstoß beziffert Hyundai mit 138 Gramm pro Kilometer, kommt die Start-Stopp-Automatik dazu, soll sich der Wert auf 129 Gramm reduzieren. Serienmäßig ist ein manuelles Sechsganggetriebe an Bord. Schaltmuffeln bietet Hyundai den Neuzugang in der Produktpalette mit einem Doppelkupplungsgetriebe an. Ab 2012 wird ein turbogeladener Benziner mit 1,6-Liter Hubraum für mehr Power unter der Velosterhaube sorgen. Mit der Basismotorisierung geht Veloster sowohl in den USA als auch in Deutschland ab April 2011 an den Start. Den Verkaufspreis in den USA liegt bei 17.000 Dollar. In Deutschland wird sich das koreanische Sportcoupé am VW Scirocco orientieren und dürfte zu Preisen um 20.000 Euro angeboten werden. Jenseits des Atlantiks wollen die Koreaner im ersten Jahr 60.000 Einheiten an die Kundschaft bringen. In Deutschland wird man es wohl schwer haben mit dem kompakten Neuzugang – bei Hyundai in Deutschland hat man gerade einmal 1.000 Fahrzeuge anvisiert.

Neben dem aggressiv-sportlichen Produkt aus Hyundais koreanischem Forschungs- und Entwicklungszentrum, stellte der Autobauer in Detroit ein kompaktes Concept-Car. Das trägt unverkennbar Mini-SUV-Gene und empfiehlt sich als trendiges Transportmittel für ein junges Großstadtpublikum. HCD12 Curb ist der sperrige Name der Studie, die Hyundai der Gattung UAV (steht für Urban Activity Vehicle) zuordnet. Äußerlich gehört das von der Frontscheibe bis zum Heck durchgezogene Glasband zu den markanten Merkmalen. Das verdeckt die A-Säule und erinnert ein an das Visier eines Motorradhelms. Die ästhetische Raffinesse hat den praktischen Sinn, weil sie dem Fahrer eine bessere Rundumsicht ermöglicht. Um den technikgeneigten Look zu betonen, hat das kalifornische Designerteam die Studie auf 22-Zoll-Räder gestellt.

Moderne Kommunikationstechnologie dominiert die Gestaltung des Innenraums. Das Display, das alle fahrrelevanten Infos liefert, verschmilzt mit einem riesigen, schwungvoll geformten Touchscreen, auf den Fahrer und Beifahrer zugreifen können. Über „Blue Link“, die neue iPad-inspirierte Telematik-Plattform des Autobauers, halten via WLan Verkehrs- und Wetterinfos ebenso Einzug ins Auto wie Twitter und Google Maps. Käufer in Amerika werden „Blue Link“ ab kommendem Frühjahr für die Mittelklasse-Limousine Sonata bestellen können. Wann die Technik für Hyundaimodelle in Deutschland verfügbar sein wird, steht noch nicht fest.
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Quelle: Autoplenum, 2011-01-12

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