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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 11. Dezember 2014
Die scheinbare Zurückhaltung ist vorbei. Hyundai schaltet wieder einen Gang höher und will Käufer anderer Marken in die Autos aus Korea locken. Cabrio-Fans müssen sich aber noch eine Weile gedulden.

Wenn man in den letzten beiden Jahren Hyundai-Manager nach der Strategie für die nahe Zukunft fragte, hörte man stets Worte wie "konsolidieren" oder "Augenmaß". Das ändert sich jetzt wieder. Zwar ist das Understatement-Vokabular noch nicht ganz aus dem Wortschatz verschwunden, aber die Ansagen sind jetzt wieder ambitionierter. "Wir wollen im nächsten Jahr unseren Marktanteil in Deutschland von 3,3 auf 3,5 Prozent steigern", gibt Deutschlandchef Markus Schrick als Marschroute aus. Da die Verkäufe hierzulande nicht explodieren werden, lässt sich dieses Ziel nur damit erreichen, dass man den anderen Marken Kunden wegschnappt.

Die erste Angriffswelle der Koreaner rollt im Frühjahr auf die Konkurrenz zu: Zum eben erst vorgestellte i20 gesellt sich ein Coupé, das Ende März, Anfang April beim Händler stehen wird.. Ebenfalls im März erscheint das Facelift des i30 und im April soll dann der i40 für hohe Taktzahlen in den Werken der Koreaner sorgen. Die Front des Mittelklasse-Wagens mit dem sechseckigen Kühlergrill erinnert an den Audi A4, was kein Wunder ist, denn Design-Chef Peter Schreyer wirkte in Ingolstadt, bevor er zu Hyundai wechselte. Seine Hyundai-Entwürfe ernteten berechtigten Applaus. Ob es dem Bayern allerdings recht ist, dass er von einem Presse-Sprecher mit den Worten "Peter Schreyer ist so etwas, wie der Steve Jobs von Hyundai" in die Nähe des Personenkult gerückt wird, muss an dieser Stelle offen bleiben. Der i40 soll nicht nur chic aussehen, sondern auch weiter für volle Kassen sorgen. Seit 2012 hat Hyundai in Europa mehr als 100.000 i40 verkauft, jetzt soll es im Flottengeschäft bergauf gehen.

Erste Erfolge sind sichtbar: Im letzten Jahr stiegen die Verkäufe im Dienstwagenbereich europaweit um zwölf Prozent. Nicht nur Dienstwagenfahrer werden sich über die technologische Aufrüstung des Hyundai i40 freuen, die aber längst überfällig ist. Der Mittelklasse-Wagen erhält das von Hyundai selbst entwickelte neue Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Damit bieten die Koreaner endlich, was bei der deutschen Konkurrenz gang und gäbe ist. Das gilt auch für die Assistenzsysteme: Der i40 wird unter anderem eine Verkehrsschilder-Erkennung, einen Fernlicht-Assistenten und variable Dämpfer bekommen. Auch beim i30 wird das neue Doppelkupplungsgetriebe Einzug halten. Für die beiden 1,6-Liter-Dieselmotoren und den 1,6-Liter-GDI-Benziner wird optional das neue Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zu haben sein. Außerdem bekommt der Golf-Konkurrent eine Turbo-Variante, bei der, der aus dem Veloster Turbo bekannte 1.6-Liter-Motor den Kompaktwagen mit 186 PS nach vorne katapultiert.

Mit geschwellter Brust haben sich die Koreaner auch auf das Abenteuer Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) eingelassen. Im Rennsport gehört die Underdog-Rolle ebenfalls der Vergangenheit an. Schon bei der Deutschand-Rallye holte das Hyundai-Team einen Doppelsieg, Nächstes Jahr geht die Attacke mit der Rennversion des neuen i20 Coupé weiter. Die Modellpalette der Straßenversion des Polo-Konkurrenten kriegt nicht nur den schicken Zweitürer, sondern auch im nächsten Jahr den neuen Dreizylinder-Turbo-Motor mit 100 und 120 PS spendiert. Die stärkere Variante soll Fahrfreude bringen, bei der schwächere liegt der Fokus auf dem Spritsparen. Das Engagement bei den Kleinwagen hat einen guten Grund: "Das B-Segment ist der Schlüssel zum Erfolg", sagt Jochen Sengpiehl Vize-Präsident Marketing Hyundai Europa.

In dieser Fahrzeugklasse gibt es noch einen weißen Fleck im Hyundai-Modell-Portfolio. Ein Kleinwagen-SUV sucht man in den Verkaufsprospekten der Koreaner vergebens. Das ist etwas verwunderlich, weil die Asiaten sich auf die Fahnen geschrieben haben, gewinnbringende Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. "Ich lasse nicht locker, bis wir in naher Zukunft ein B-Klassen-SUV haben", macht Markus Schrick aus seinem Herzen keine Mördergrube. Mit diesem Wunsch stößt der Deutschlandchef nicht nur bei den Ingenieuren des europäischen Hyundai-Entwicklungszentrums auf offene Ohren, auch die Konzernzentrale in Seoul steht dem Anliegen offenbar durchaus wohlwollend gegenüber. Bei den schnellen Entwicklungszeiten, könnte der kleine Korea-Kraxler in zwei bis drei Jahren schon auf den Straßen rollen. Allerdings sind die europäischen Werke des asiatischen Herstellers so gut ausgelastet, dass man für dieses Modell noch Kapazitäten schaffen muss. Dieser Umstand verzögert die Planung noch etwas. Das Design soll sich an der Studie Hyundai Intrado orientieren, dass dieses Jahr auf dem Autosalon in Genf stand.

Damit ist Markus Schricks Wunschliste aber noch lange nicht abgearbeitet. Der Deutschlandchef hält die Zeit reif für ein Hybridmodell und schaut ein wenig neidisch auf die Konzerntochter Kia, wo die nächste Hybrid-Generation schon in den Startlöchern steht. Dabei handelt es sich um Modell, das es nur in der Hybridvariante gibt. Die Technik ist also bereits vorhanden. In diesem Licht erschein Markus Schrick Aussage: "Ich gehe davon aus, dass wir 2016 einen Hybrid haben werden", nicht mehr gar so wagemutig. Dieser soll dann eher fahrdynamisch ausgelegt sein. Die Lücke bei den leichten Nutzfahrzeugen wird mit dem H350-Transporter, der in der zweiten Jahreshälfte 2015 auf den Markt kommt, geschlossen. Für einen weiteren Verkaufsschwung wird dann auch der neue ix35 sorgen. Etwas länger werden die Frischluft-Fans auf ein Cabrio warten müssen - "zu sehr Nische" heißt es dazu knapp.

Damit diese Produkte auch angemessen präsentiert werden, erhalten die Hyundai-Verkaufsstationen im Laufe der nächsten drei Jahre nach und nach ein neues Design. Bei aller Zurückhaltung ist für die Koreaner eines klar: Der Platz unter den ersten drei bei den erfolgreichsten Importeuren in Deutschland gilt mittlerweile als selbstverständlich. Auch wenn dieses Jahr Renault gute Karten hat, Hyundai auf den dritten Rang zu verweisen, soll im nächsten Jahr wieder die Zwei stehen. Importmeister Skoda scheint unerreichbar - vorerst.
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Quelle: Autoplenum, 2014-12-11

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