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Testbericht

Stefan Grundhoff, 1. Februar 2009
Bei kultigen Kleinwagen denkt in Deutschland jeder nur an Mini oder Fiat 500. In den USA sieht das anders aus. Toyota hat mit dem Markenableger Scion eine coole Trendmarke geschaffen - vor allem bei jungen Kunden.

Wer sagt denn, dass es in den USA nur PickUps, Geländewagen und Oberklasselimousinen gibt? Dass es abgesehen von Mini und Smart zumindest nach US-Dimensionen auch anderswo kleiner geht, zeigt Toyota seit einigen Jahren mit Scion. Die Marke Scion ist das kleine Gegenstück zu Lexus, die für Japans Riesen so erfolgreich das Luxussegment abdeckt. Gerade bei Schulabgängern und College-Frischlingen ist Scion heiß begehrt. Trotz vergleichsweise überschaubaren Dimensionen zwischen 3,80 und 4,41 Metern werden Modelle wie Scion xA, xB und besonders der sportliche tC voll akzeptiert. Das gelingt in den USA bislang keinem anderen Hersteller. Einer der Gründe: Rund um die Kleinmarke hat sich im Laufe der Jahre und mit freundlicher Unterstützung von Toyota ein heißer Tuningmarkt entwickelt. Neu oder gebraucht gekauft - die meisten Scions werden von ihren Fahrern mit breiten Pellen, Schwellersatz und unglaublichen Karosserieapplikationen mächtig aufgemotzt.

In Städten wie Las Vegas, Miami oder Los Angeles gibt es längst zahlreiche Tuningläden, die sich allein auf Toyotas kleinen Markenableger konzentriert haben. Das Angebot an Zubehörteilen für In- und Exterieur ist unüberschaubar. Viele stellen sich ihr Wunschmodell auf der Website www.scion.com oder einer der unzähligen Club- und Fanseiten zusammen. Auf den nordamerikanischen Automessen sieht das kaum anders aus. Kein Premium, kein Chic und leine lasziven Models, die an dem Messestand strahlen. Die Scions stehen auf den Messen zumeist in einer überdimensionalen Regalwand. Das Angebot an Fahrzeugen und Motoren ist dabei sehr überschaubar. Die Zubehörteile sind es, die glänzen - und dem Asienimport einen unverwechselbaren Charakter geben. Besonders der kantige Scion xBS, der bis 2006 gebaut wurde, ist auf dem Gebrauchtmarkt sehr begehrt. Quadratisch - praktisch – gut und vor allen Dingen solide steht er vor vielen Häusern in Venice Beach, Irvine oder San Diego. Gerade in Kalifornien ist der Super-Kubus ein Renner und selbst für die bezahlbar, die noch zu Hause die Füße unterm Tisch haben.

So ungewöhnlich sich das kantige Aussendesign auch darstellt, so preiswert und praktisch sind die Volumenmodelle xA und xB im Innenraum. Viel Plastik, wenig Schalter - und der Komfort beschränkt sich meist nur für das nötigste. Auch deshalb wird "gepimpt" was der Zubehörkatalog hergibt. So präsentieren sich nicht wenige Modelle mit Rennsportpedale, Sparco-Renngurten und 18-Zoll-Radsatz von TRD. Damit der Besitzer beim Fantreffen am Wochenende in Daytona auch beim Beschleunigungsrenner eine Chance hat, sind härtere Federn, Sportluftfilter und ein Performance-Ölfilter unvermeidlich. Bei den endlosen Optionen und Zubehörteilen bekommt selbst ein treuer Leser des D&W-Kataloges feuchte Augen. Dass sich iPod und Co. an das Pioneer-Soundsystem anschließen lassen und im Kofferraum gerne eine Armee von Boxen Lärm macht, versteht sich von selbst.

Dabei sind die Modelle an sich alles andere als sportlich. Allein das noch junge Coupé tC verbreitet mit seinem Styling so etwas wie juvenile Tugenden. Der immerhin 161 PS starke 2+2-Sitzer (4,41 Meter lang) kann mit einem Turbotuning-Kit auf über 200 PS aufgebohrt werden. Scion bewirbt ihn mit dem markigen Slogan: "Fire it up!". Der Einstiegspreis liegt bei 17.000 US-Dollar.

Publikumsliebling ist jedoch der xB, der sich in der neuen Generation nicht mehr derart kubisch wie früher präsentiert. Wer der leicht gewachsenen neuen xB sieht, würde ihm sein 2,4 Liter großen Vierzylinder mit knapp 160 PS jedoch kaum zutrauen. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei rund zehn Litern Super. Trotz weniger als vier Metern Länge kann man auch im Fond akzeptabel sitzen und genießt die optionalen DVD-Bildschirme in den Kopfstützen. Das gibt es hierzulande nur in Vans und Luxuslimousinen. Etwas eleganter zeigt sich der kompakte xD, der mit einer Länge von 3,93 Metern einem etwas größeren Toyota Yaris gleicht. Doch auch sein 1,8 Liter großer Vierzylinder aus dem Toyota-Konzernregal leistet 128 PS und 200 Nm Drehmoment. Kein schlechtes Paket für einen 15.150 Dollar teuren Einsteiger. Die Preise der Scions sind fair, aber für US-Verhältnisse nicht billig. Auch das wieder eine Parallele zum Mini. Klein, ja. Aber mit wenig Leistungen mögen sich die Amerikaner eben selten anfreunden.
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Quelle: Autoplenum, 2009-02-01

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