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Testbericht

automobil-magazin.de, 24. Februar 2010
Mehr ist mehr, aber Mehr für weniger ist noch mehr – das Motto der so genannten Smart Buyer. Ein smarter Kauf ist der Skoda Superb allemal, aber wie vertragen sich großes Auto und kleiner Motor? Test: Skoda Superb 1.4 TSI.

Skoda-Werbung mit Aldi gab es ja schon. Eine pfiffige Reklame, der mal nicht der fade Beigeschmack von Lug und Trug beiwohnte, denn ihre Message enthielt viel Wahrheit: Die im Preis-Leistungs-Verhältnis am meisten überzeugenden „Volks-Wagen“ kommen nicht immer von Volkswagen.

Die meisten Teile stammen vom Mutterkonzern VW, das Qualitätsniveau ist ähnlich hoch, aber im Preis-Wert-Gefühl fahren die Produkte der VW-Konzerntochter Skoda seit einigen Jahren notorisch auf der Überholspur.

Der Superb begann als „pullman“isierter Passat, perfektionierte das Thema große Limousine zum fairen Preis jedoch erst mit dem Superb II. Der ist sozusagen die Demokratisierung des Raums: viel Auto, viel Platz, viel Kofferraum. Probleme könnte nur der im Testwagen arbeitende Antrieb machen, vermutet man. Denn der ist von den Anlagen doch noch zu sehr Prolet: ein Vierzylinder mit dünnen 1.390 Kubik Hubraum, 125 PS Leistung, im fast 4,85 m langen Auto … und nun?

Der Superb ist leicht (1.482 kg). Der Turbolader verbreitert das nutzbare Drehzahlband. Der 1.4 TSI hat schon bei 1.500 Touren sein maximales Drehmoment von 200 Nm beeinander, bei 3.000 U/min steigt er kräftiger ein, packt bis 6.400 zu, bis Leistung, im sonst so unglaublich leisen TSI von VW, schließlich zu Lärm und Drehzahlbegrenzer-Gerüttel wird. Bei wildem Zurückschalten haut der 1,4er auch mal durch bis 7.500. Das geht zwar vibrationsarm vonstatten, aber tonal auch so „vierzylindernd“, dass man diese Übungen in der großen Limousine besser sein lässt. Man dreht ihn nicht ans Limit. Nicht nur, weil es dann laut wird, auch weil es wenig bringt.

Gewaltige Drehzahllöcher, die die Charakteristik eines 1,4 Liter-Vierzylinders ohne Lader unweigerlich dominieren würden, spart sich der TSI. Man erwartet, dass er sich bei so wenig Hubraum herzhaft verschluckt, wie es die Kleinsten bei wenig Drehzahl manchmal an sich haben. Aber er tut es selbst bei 1.000 U/min nicht. Und man spekuliert, dass er wie blöd gedreht werden muss, um zu leisten. Aber er dreht bei über 170 km/h noch mit 4.000 U/min.

Im 6. Gang ist der Durchzug jedoch alles andere als brutal. Nun ist der 1,4er doch voll 1,4er. Die „270“ auf dem Tachoblatt gelten für den 3,6 Liter-V6. Faszinierend ist es aber schon, wie wenig Drehzahl es braucht, um schön am Gas zu hängen, und wie gut und taff der Motor seine nur 125 Pferde beieinander hält. Bei forcierter Tour lässt sich der Tank auch nach 300 km zur Hälfte leeren, im Testmittel schlürfte der downgesizte Motor jedoch lediglich 7,4 Liter alle 100 km aus dem Tank – wer jetzt immer noch nicht an „Downsizing“ glaubt, ist von gestern.

Der Superb gibt die große Limousine. Am Bug mit selbstbewusster Front mit breitem Chromgrill, in Richtung Heck mit dem erhabenen, um die C-Säule an den Continental Flying Spur (Bentley) erinnernden Dachverlauf. Auch wenn die Proportionen am neuen Superb Combi noch etwas besser aufzugehen scheinen.

Beim ersten Testsitzen bestimmen die straffen, sich auch darauf als bequem erweisenden Vordersitze und die praktischerweise höhenverstellbare Stütze für den rechten Ellbogen den ersten Eindruck. Das Auge blickt auf vertraute Wolfsburger-Landschaften: klare Zeigerklassik, pfiffige und präzise Rollregler (auf den Speichen des MF-Lenkrads), sofortige Schlüssigkeit im Feld und Umfeld des TFT-Monitors (acht Tasten, je vier seitlich plus Touchscreen) und Kunststoffoberflächen von gehobener Qualität. Auf Firlefanz wie abgrundbedientiefe Bediensysteme, den Start-Stopp-Knopf oder die elektrische Handbremse verzichtet der teutonisch geprägte Tscheche weise ganz.

Der Fond ist ein Himmelreich an Bein- und Kopffreiheit. Dass ein vergleichbarer neuer BMW 5er zwar sechs Zentimeter länger baut, davon aber kaum etwas in den Fond durchreicht, erlebt man hier – ohne finanziell auszubluten – im Gegenteil: Platz, Platz und Platz, in allen drei Dimensionen. Die Fondbesatzung befächeln Ausströmer in den B-Säulen, die über die eigene Fond-Klimaregelung reguliert werden. In der Mittelarmlehne befinden sich zwei Becherhalter und ein Ablagefach.

Der Kofferraum hat eine große Klappe und viel dahinter. Die „Twindoor“ hält gleich zwei Heckklappengriffe bereit: für eine konventionelle Kofferraumklappe und eine fließheckartig öffenende Riesenhaube. Um diesen Zugang zu wählen, wartet man bis die Heckleuchte oberhalb der Heckscheibe zweimal blinkt, drückt den linken Griff und hebt die Gepäckraumklappe an. Was sich dahinter auftut, macht manchen Zeitgeist-Kombi lächerlich: 565 l Volumen; ausbaubar bis 1.670 l.

Fahrwerk. Bremsanlage, Schaltung – all dies fühlt sich straff und gut an. Die Servolenkung rotiert nicht mehr und nicht weniger als ideal. Nicht zu leichtgängig, nicht zu direkt, präzise und angenehm. Das Sechsgang-Getriebe schaltet sich tadellos. An den Dynamikgrenzen schiebt der Skoda friedvoll und vom ESP überwacht leicht über die Fahrzeugenden. Sportliche Ambitionen lassen das hohe Dach und die Bauform auch nicht erwarten.
Und so ist es dann auch. Der Superb taucht eher etwas ab in den Kurven, als dass er sie schnittig durchpfeilt. Die Winterreifen (Conti Winter Contact 225/45 R17) agieren etwas trampelig über Fugen. Wegen dem hohen Dach ist der Superb etwas seitenwindempfindlicher. Das „OPS“ (Optisches Parksystem) ist kein Luxus, sondern wegen dem kaum einsehbaren Heck eine Notwendigkeit. Nachteile? Die Tasten der Klimaanlage sind nachts ob der blendenden Tastenbeleuchtung nur zu erahnen. Der Tankdeckel des Testwagens erforderte etwas Nachdruck, und die Kupplung erwies sich während des Anfahrens am Berg als etwas schnippig.

Groß und Klein vertragen sich. Der Superb und VWs 1.4 TSI bilden eine überraschend harmonische Kombination, wenn der große Skoda nicht über Maß gefordert wird. Verzicht übt man in der Superb Limousine eigentlich nur in zwei Dingen: im Prestige und im Preis. Die Behauptung, „die besten Volkswagen stammen von Skoda“, ist falsch. Der Satz, „Skoda baut die besten ´Volks-Wagen´“, aber irgendwie ziemlich richtig.


(le)

Testwertung
4.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2010-02-24

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