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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 17. März 2014

Nein, das große X haben sie ihm nicht ohne Grund ins Gesicht geschnitten. Wenn David Terai das Design des neuen Toyota Aygo beschreibt, dann spricht der Chief Engineer gern von der harten Schale, die vor lauter Kraft von innen aufbricht. Die einen erinnert das an ein Frühstücksei, das ein bisschen zu lange gekocht wurde. Doch die Japaner sehen das als Symbol dafür, dass der Aygo die Grenzen seiner Klasse sprengen möchte, wenn er im Juli zu kaum veränderten Preisen um 10.000 Euro in den Handel kommt. „Es hat schließlich niemand gesagt, dass man nicht auch auf einen Kleinstwagen stolz sein und damit seinen Spaß haben kann“, behauptet Terai und tritt mit dem Aygo den Beweis an.

Dabei setzt er vor allem auf den Faktor X – nicht nur beim Design. X steht auch für X-Change und meint das bunte Farbkonzept des Kleinstwagens, das die Kunden individuell konfigurieren können. Wenn sie wollen sogar noch Jahre nach dem Kauf. Denn zehn Anbauteile der Karosserie und ein knappes Dutzend Konsolen im Innenraum lassen sich problemlos austauschen und in vielen Farben kombinieren. „So, wie man heute sein Mobiltelefon mit immer neuen Hüllen individualisiert, hat man dann auch einen einzigartigen Aygo“, freut sich Terai. Und bei über einer Million denkbaren Kombinationen kann man diese Einzigartigkeit sogar ziemlich wörtlich nehmen.

Das X taucht beim Aygo aber noch öfter auf – zum Beispiel beim neuen Infotainment-System „x-Touch“, das den Megatrend zur Connectivity aufnimmt: Mit dem Mobiltelefon gekoppelt, bringt es eine Online-Navigation auf den Touchscreen, holt Internetradio ins Auto und pflegt die Kontakte bei Twitter oder Facebook. Und zumindest in dieser Klasse ist auch die angeschlossene Rückfahrkamera noch etwas Besonderes.

Faktor X für Aussehen, Ambiente und Ausstattung machen aus dem Aygo tatsächlich ein innovatives Auto, na ja zumindest für einen eher konservativen japanischen Hersteller. Und über das viele Hartplastik und die dünnen Sitzpolster kann man angesichts der bunten Konsolen und des unverändert niedrigen Preises auch leichter hinweg sehen. Aber gemessen zum Beispiel am Heckmotor-Konzept des neuen Twingo ist auch der neue Aygo unter dem Blech ein eher konventioneller Kleinstwagen, der sich von seinem Vorgänger obendrein kaum unterscheidet.

Die Länge wuchs nur um gute zwei Zentimeter, der Radstand ist unverändert und auch Breite oder Höhe wurden nur minimal retuschiert. Deshalb darf man vom Platzangebot auch keine Wunder erwarten: Ja, in der ersten Reihe kann man selbst mit fast 1,90 Metern noch ganz ordentlich sitzen und findet hinter dem nur in der Höhe verstellbaren Lenkrad eine passende Position. Doch der Fond ist für Passagiere jenseits des Kindergartenalters nur bedingt empfehlenswert und der Kofferraum eine Zumutung: Zwar hat Terai tatsächlich noch einmal 30 Liter gut gemacht. Aber auch die jetzt 168 Liter reichen kaum für einen ausgedehnten Einkaufsbummel geschweige denn für den Besuch im Getränkemarkt. Aber schwere Kisten möchte man über diese hohe Ladekante ohnehin nicht wuchten.

Genau wie die Plattform ist auch der Motor ein alter Bekannter: Hinter dem X-Gesicht schnattert der gleiche Dreizylinder wie früher. Der ist jetzt zwar etwas höher verdichtet und stößt ein paar Gramm weniger CO2 aus. Doch mit 51 kW/69 PS und 95 Nm wirkt er wie ein Finanzbeamter, der pflichtschuldig aber eher lustlos seinen Job erledigt. Kein Wunder: Wie soll bei einem Sprintwert von 14,2 Sekunden und einem Spitzentempo von 160 km/h schon Fahrfreude aufkommen?

Ganz einfach: In dem man sich die Landpartie schenkt und mit dem Aygo einfach im Dschungel der Großstadt bleibt. Dort sieht die Sache nämlich plötzlich ganz anders aus. Weil der Wagen keine 900 Kilo wiegt, ist er beim Ampelspurt noch ganz vorn dabei. Weil er nicht einmal 3,50 Meter misst, mogelt er sich im Feierabendverkehr an allen großen Autos vorbei. Und weil sein Wendekreis keine neun Meter beträgt und für die leichtgängige Lenkung der kleine Finger reicht, rangiert man den Aygo mühelos in die kürzeste Lücke. Und das sind schließlich die Tugenden, auf die es bei einem Cityflitzer ankommt.

Zwar wissen die Japaner, dass sie sich mit dem mutigen Aygo ziemlich weit aus dem Fenster lehnen und ihre anderen Modelle daneben vielleicht noch ein bisschen blasser wirken. Doch ohne diese Strategie rechnet sich Chief Engineer Terai für sein jüngstes Baby nur wenig Chancen aus: „Als wir 2005 den ersten Aygo gebracht haben, gab es nur neun andere Fahrzeuge in seinem Segment. Heute sind es etwa 20“, skizziert er den Markt. „Da muss man schon ein bisschen mutiger sein.“ Zumal der Aygo seine zwei größten Herausforderer direkt im Schlepptau hat. Denn genau wie in der ersten Generation ist der maßgeblich von Toyota entwickelte und in Tschechien gebaute Kleinstwagen ein Kooperationsprojekt mit dem PSA-Konzern – und läuft deshalb zeitgleich auch als Citroen C1 und Peugeot 108 vom Band.


Technische Daten – Toyota Aygo
Drei- oder fünftüriger Kleinstwagen, Länge: 3,46 Meter, Breite: 1,62 Meter, Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,34 Meter, Kofferraumvolumen: 168 Liter
 
1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, 5G-Schaltung, 51 kW/69 PS, max. Drehmoment 95 Nm bei 4.300 U/min, Vmax 160 km/h, null bis 100 km/h in 14,2  Sekunden, Normverbrauch 4,1 Liter/100 km, CO2-Ausstoß 95 g/km, Preis ab ca. 9.900 Euro.
 

Kurzcharakteristik - Toyota Aygo
 
Alternative zu: Renault Twingo, VW Up und Kia Picanto
 
Passt zum: studentischen Nachwuchs und den Singles der Großstadt
 
Wann kommt er: Mitte Juli 2014
 
Sieht gut aus: im dichten Feierabendverkehr und als Cabrio mit Rolldach vor jeder Eisdiele
 
Was kommt noch: -

Der lässt sich kein X für ein U vormachen: Mit dem neuen Aygo bricht Toyota aus dem Einerlei der Kleinstwagenwelt aus und setzt im Bruderstreit mit Peugeot 108 oder Citroen C1 vor allem auf Farbe und Flair.

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Fazit
Der lässt sich kein X für ein U vormachen: Mit dem neuen Aygo bricht Toyota aus dem Einerlei der Kleinstwagenwelt aus und setzt im Bruderstreit mit Peugeot 108 oder Citroen C1 vor allem auf Farbe und Flair.

Quelle: Autoplenum, 2014-03-17

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