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Testbericht

Jürgen Wolff, 7. Februar 2010
Es geht auch sparsam: Seat rüstet den Ibiza als FR-Version mit einem Selbstzünder aus dem VW Golf auf. Der liefert nicht nur reichlich Power - er begnügt sich auch mit 4,6 Litern Diesel auf 100 km.

Da haben die Ingenieure von Seat ganz schön knuffen und puffen müssen, um den 2.0-Liter-Turbodiesel aus dem VW Golf GTD im deutlich kleineren Motorraum des Seat Ibiza unterzubringen. Geholfen hat dann nur noch, die Batterie in den Kofferraum zu verbannen. Der hat deshalb im Seat Ibiza 2.0 TDI FR statt 292 nur noch 250 Liter Ladevolumen - aber satte 105 kW/143 PS Leistung stecken unter der Motorhaube. Ein paar PS haben also auch nicht mehr vorne rein gepasst - der Original-Diesel im Golf kommt auf immerhin 170 PS. Und auch bei Drehmoment gibt es leichte Abstriche: Der Golf gibt 350 Nm ab, der Seat 320.

Was soll's fragt sich der FR-Fahrer, sobald er Gas gibt: Der Ibiza kommt auch ohne die 27 eingesparten Pferdchen bestens klar. Und die technischen Datenblätter bestätigen diesen subjektiven Eindruck mit Zahlen: Der 84 Kilo leichtere Ibiza FR ist in 8,2 Sekunden von 0 auf 100, der Golf braucht nur 0,1 Sekunden weniger - das merkt an der Ampel kein Mensch. Und wenn der kleine Spanier auf der Autobahn abgeht, dann ist erst bei 210 km/h Schluss mit Vortrieb.

Der Common-Rail, den die Seat-Ingenieure selbstbewusst als "leistungsstärksten Diesel seiner Klasse" preisen, passt bestens zu dem sportlichen kleinen Spanier. Er läuft kultiviert und - wenn er erst mal seine Betriebstemperatur hat - angenehm leise. Er knurrt aber beim Gasgeben vor Tatendrang auch schon mal durchaus munter. Ab 1750 U/min. liegt das größte Drehmoment an - aber auch darunter hat er keine große Mühe, in die Puschen zu kommen. Wer will, der kann also relativ schaltfaul fahren. Wer vor allem Spaß haben will, der schiebt fleißig den griffigen Ganghebel durch die 6-Gang-Kulisse - munter und knackig. Lustgewinn auf Spanisch.

143 PS auf die Vorderachse - damit die sportliche Gangart auch gut geht, haben die Seat-Ingenieure einiges am Fahrwerk nachjustiert. Sportlich straff ist es ohnehin, härter gefedert - und um 15 Millimeter tiefer gelegt als beim Serien-Ibiza. Die elektronische Differenzialsperre XDS soll in Kooperation mit dem ESP vor allem für eine bessere Kurvenfahrt mit geringerem Untersteuern sorgen. Das funktioniert in der Praxis gut und sorgt für sicheres Spurhalten auch bei flottem Tempo. Wer es dennoch übertreibt, erlebt einen relativ breiten Grenzbereich, in dem der Ibiza mit den Heckrädern leicht nach außen zu schrubbern beginnt. Mit der Traktion ist es ähnlich. Der Diesel-FR hat beim Beschleunigen im Normalfall keine Probleme: Weder zerrt die Lenkung motzig, noch haben die Vorderräder Mühe, Grund zu fassen. Bei nasser Straße zeigt sich aber kurz, dass 143 PS doch schon ganz ordentlich sind für ein Auto mit 1245 Kilo Lebendgewicht - dann greift die Elektronik und die Traktion stimmt wieder.

Sportlich ist auch der Rest des Ibiza FR. Das unten abgeflachte griffige Lenkrad mit dem FR-Logo gibt präzise und direkt vor, wo es lang geht. Die Sportsitze passen wie angegossen und sorgen auch in schnellen Kurven für guten Halt. Nur Fahrer mit langen Beinen werden etwas Mühe haben mit dem nicht gerade üppigen Einstellbereich der Sitze. Hinten geht es eng zu. Der Durchstieg ist im Dreitürer-Ibiza eh schon eine Form von Breitensport - aber im FR stört das weniger als in anderen Ibiza-Versionen: Mehr als zwei Passagiere wird man in ihm selten sehen.

Erfreulich unsportlich: Der Durst des Power-Diesel. Den Normverbrauch gibt Seat mit nur 4,6 Litern pro 100 Kilometern an - das ergibt einen offiziellen CO2-Ausstoß, der mit 119 g/km knapp unter der steuerlichen Draufzahl-Grenze liegt. In der Realität wird man so trocken kaum je unterwegs sein - wer fahren will wie auf dem Rollenprüfstand, der wird sich keinen Sportler kaufen. Nicht mal einen kleinen.

Mit 20.490 Euro Einstiegspreis ist der Seat Ibiza 2.0 TDI FR auch bei der Anschaffung noch relativ günstig - zumal er damit schon so ziemlich alles an Bord hat, was man so braucht und was den Alltag auch in einem Minisportler angenehm macht: MP3-Audiosystem, Tempomat, Nebelscheinwerfer, Klimaanlage und mehr. Wer optisch einen drauf setzen will, der kann für gut 900 Euro das Bocanegra-Paket ordern. Dann gibt es unter anderem schwarz abgesetzte Flächen an Front und Heck, 17"-Leichtmetallfelgen und ein Schiebedach.

Auch im Vergleich kommt der Diesel-FR gut weg. Den Benzin-FR mit 1.4-TSI-Motor und 150 PS ruft Seat mit 21.190 Euro auf. Für den Golf mit dem gleichen Motor will Volkswagen mindestens 27.475 Euro. Alternativen in der gleichen Fahrzeugklasse sind (noch) rar gesät - als Diesel sogar ganz Fehlanzeige: Den Ford Fiesta gibt es nicht mehr als ST, den VW Polo noch nicht als GTI. Bleiben der Renault Clio RS Cup, der satte 200 PS für 19.900 Euro liefert, der Opel Corsa OPC mit 192 PS und 23.300 Euro Einstandspreis, der Fiat Punto Abarth mit 155 PS und einem Preis ab 18.100 Euro. Und natürlich der 175 PS starke Mini Cooper S, der nackt und bloß schon 23.100 Euro kostet.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2010-02-07

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