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Testbericht

Stefan Grundhoff, 3. September 2009
Die GTI-Liga hat in den letzten Jahren mächtig draufgesattelt. GTI, ST, RS, Cupra und RC bieten weit mehr als 200 PS. Jüngster Neuzugang im Sportgeschäft: der Mazda 3 MPS.

Auch wenn Mazda seinen sportlichsten Dreier nachgeschärft hat - er hält sich auf den ersten Blick mehr zurück als manch anderer. Der geschiedene Chefdesigner Laurens van den Acker beließ es bei einem kraftvollen Schlund in der Motorhaube und einem imposanten Heckspoiler. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte der MPS fast ein gewöhnlicher Mazda 3 von der Stange sein - keine dicken Backen, keine fetten Breitreifen, grelle LED-Elemente oder wilde Spoiler. Mazda bemüht sich auch bei seinem sportlichen Aushängeschild einmal mehr um Zurückhaltung. Und das in Zeiten, in denen andere Klassenkameraden deutlich lauter trommeln.

Im Vergleich zu seinem 31.000 mal verkauften Vorgänger ist der MPS nunmehr im komplett neuen Gewand des zu Jahresbeginn auf den Markt gekommenen Dreiers unterwegs. Motor und Antrieb zeigen sich dabei nahezu unverändert. Der 2,3 Liter große Vierzylinder mit Turboaufladung und Direkteinspritzung wurde komplett übernommen und nur leicht modifiziert. 191 kW / 260 PS, 380 Nm maximales Drehmoment und 250 km/h Spitze – alles wie immer. Das gilt auch beim Verbrauch. Denn auch wenn die einzelnen Gänge zwischen zwei und sieben Prozent länger ausgelegt sind, dürfte der MPS im Tagesgeschäft kaum sparsamer als bisher zu bewegen sein. Mazda verspricht hier ambitionierte 9,6 Liter Super auf 100 Kilometern. Wichtiger als der Verbrauch dürfte den Kunden jedoch der Tatendrang sein. So gelingt es dem Japaner, seine Leistung bissiger als bisher auf die Straße zu bannen. Teils mechanisch, teils elektronisch wird an der Vorderachse in Sekundenbruchteilen gewerkelt, damit der Mazda erfolgreich darüber hinweg täuscht, dass er über die Vorderachse angetrieben wird. Eine Vorderachssperre garantiert maximalen Kraftfluss und Sensoren an Lenkung sowie Schlupfregelung sorgen dafür, dass die Räder auch beim Spurt 0 auf 100 km/h in 6,1 Sekunden nicht mehr als nötig ihren Halt verlieren.

Klappt durchaus ordentlich, doch gerade bei flotter Kurvenfahrt träumt der ambitionierte Pilot von einer MPS-Version, die – rein illusorisch - über die Hinterachse oder - deutlich realistischer - über alle vier Räder angetrieben wird. Dann wären auch die spürbaren Antriebseinflüsse aus dem griffigen Steuer verschwunden. Doch Kosten, Nutzen, Märkte und Käuferverhalten lassen nach Mazda-Angaben auch beim Mazda 3 MPS der zweiten Generation einen wünschenswerten Allradantrieb außen vor. Das gilt auch für andere Feinheiten, bei denen die Konkurrenz zuletzt deutlich nachgelegt hat. Elektronische Dämpfer, sportliche Fahrprogramme oder ein modernes Doppelkupplungstriebe bleiben bei dem 260 PS starken Fronttriebler bis auf weiteres außen vor. Die für das kommende Jahr geplanten 400 MPS-Kunden in Deutschland dürfte es kaum stören. Immerhin wurden mehr als 150 Fahrzeuge noch vor dem Marktstart blind verkauft.

Diese Kunden werden bei ihren ersten Testkilometern nicht enttäuscht sein. Der auf 4,50 Meter gewachsene Mazda 3 MPS fährt sich im Vergleich zu seinem Vorgänger ähnlich, jedoch deutlich ausgewogener. Wie es sich für eine Neuauflage gehört, ist die in allen Belangen etwas besser geworden. Besonders Fahrwerk und Lenkung haben gewonnen. So ist man straff, aber niemals hart unterwegs. Gerade auf längeren Strecken sorgt das für einen deutlichen Komfortgewinn. Da dieser bei der sportlichen Kompaktklassenkundschaft weniger im Fokus steht, sollten eher die gute Lenkung, die kraftvollen Bremsen und das neutrale Fahrverhalten gute Noten bekommen. Etwas knackiger abgestuft dürften sich jedoch die sechs Gänge der manuellen Handschaltung präsentieren.

Bei den Fahrleistungen ist man im Vergleich zur potenten Konkurrenz jederzeit bei der Musik. Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat die neue MPS-Generation um 25 Kilogramm abgespeckt und bleibt so knapp unter 1,4 Tonnen. Subjektiv könnte der Mazda 3 MPS jedoch durchaus noch etwas krawalliger daherkommen. Er ist schließlich eine Sportversion. Wenn es um den nicht ganz unwichtigen Motorsound geht, fällt beim neuen Dreier eher die gute Geräuschdämmung im Innenraum auf. Überhaupt liefert der Mazda 3 im Innenraum eine sehr gelungene Vorstellung ab. Gute Sportsitze, wertige Verkleidungen und Bedienelemente machen es auf Anhieb wohnlich. Zur reichhaltigen Serienausstattung zählen Klimaautomatik, 18-Zoll-Alufelgen, Teilledersitze, zahlreiche Airbags, Spurwechselassistent, ESP und Soundsystem.

Wenn etwas stört, ist es nicht das mit 720 Euro fair gepreiste Navigationssystem, sondern dessen allzu kleiner Bildschirm. Hier gibt es deutlich bessere, weil größere Displays - und auch die Bildschirmqualität lässt zu Wünschen übrig. Abgesehen vom Navi lässt sich der 27.400 Euro teure Mazda 3 MPS nur durch ein Komplettpaket aufmöbeln. Für 2.400 Euro Aufpreis gibt es Bose-Sound, Xenonlicht und Keyless Go. Die vier Metallicfarben rot, weiß, silber und schwarz sind hingegen serienmäßig. Unzeitgemäß sind jedoch die Wartungsintervalle von 15.000 Kilometern.
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Quelle: Autoplenum, 2009-09-03

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