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Testbericht

Stefan Zaumseil, 24. Januar 2008
Der kantige Knochen gehört eigentlich schon lange ins Museum. Doch was wäre die Offroadwelt ohne Land Rover Defender? Ob Arbeitstier oder Lifestylegerät - der Defender ist das am längsten produzierte Automobil.

Nahezu unverändert in Aussehen und Technik hat der Land-Rover die vergangenen 60 Jahre überstanden. Nach dem Umstieg auf Schraubenfedern Mitte der Achtziger und der Umbenennung in "Defender" 1990 ist die aktuelle Modellpflege die bei weitem umfangreichste. Um aufgeschreckte Fans vorweg zu beruhigen: Der Landrover Defender ist immer noch der alte. Lediglich der Defender-Schriftzug wanderte nach hinten und musste dem konzerneinheitlichen "Land Rover" Platz machen. Die Motorhaube hat einen leichten Buckel bekommen, für den neuen Motor. Die Montage eines Ersatzrades soll darauf aber weiterhin möglich sein. Ansonsten präsentiert sich auch der Landrover Defender 2007 der Fangemeinde in klassischer Würfelform und bietet dem Fahrtwind mit dem cw-Wert einer mittleren Schrankwand weiterhin tapfer die Stirn. Bullige Kotflügel, senkrechte Seitenflächen, senkrecht abfallendes Heck - das einzig Runde sind Scheinwerfer und Leuchten. Auch alle Nieten der Aluminium-Beplankung sind immer noch gut zu erkennen. Und die Türscharniere sind immer noch außen.

Die wichtigste Neuerung ist der Motor. Er stammt aus dem Ford-Konzernregal und treibt unter anderem den Transit an. Der neue 2.4-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 122 PS wird auch hart gesottene Fans des bisherigen Fünfzylinder nicht wirklich enttäuschen. Lieferte der Fünfzylinder-Diesel sein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern noch in einem kleinen Bereich um die 2.000 Touren, so ist die Leistungsentfaltung des Td4 deutlich harmonischer. Maximal 360 Newtonmeter Drehmoment stehen in einem Bereich zwischen 2.000 und 4.000 Touren zur Verfügung, ab einer Drehzahl von 1.500 U/min sind es immerhin auch schon über 300 Newtonmeter. Dabei geht der TD4 akustisch deutlich weniger aggressiv zu Werke. Selbst bei Vollgas – gerade einmal 132 Kilometer pro Stunde - ist immer noch ein angeregter Meinungsaustausch zur englischen Landschaft möglich. Das ist sicherlich auch dem neuen Sechsgang-Schaltgetriebe zu verdanken, dass nicht nur eine um 20 Prozent längere Übersetzung des höchsten Ganges, sondern auch eine bessere Abstimmung als sein Vorgänger bietet. Damit auch die puristischsten Defender-Fans nicht gar zu wehmütig den alten Zeiten nachtrauern, ist die Schaltbox wie gewohnt hakelig mit sehr eng beieinander liegenden Gängen ausgelegt. Damit soll sicher eine sportlich-aggressive Fahrweise von vornherein unterbunden werden - passt sie doch ganz und gar nicht zu britischer Gelassenheit. Die von Landrover angegebenen Verbrauchsdaten (ca. 10 Litern pro 100 Kilometer) sind sicher auch mit verhaltenem Fahrstil nicht zu erreichen und schon gar nicht im Geländebetrieb oder auf einer deutschen Autobahn.

Völlig neu ist der Innenraum mit einem richtigen Armaturenbrett. Zum ersten Mal waren Designer am Werk und haben alle Schalter und Anzeigen schön symmetrisch in der Mittelkonsole angeordnet - gekrönt von einer Analoguhr zwischen den mittleren Lüftungsauslässen.

Die liebenswerten Asymmetrien, die unregelmäßige Verstreuung der Regler, Schalter und Anzeigen - alles ist wegmodernisiert zugunsten des biederen Plastikeinerleis aus dem Freelander. Und es will so gar nicht mehr zum klassischen Äußeren des Defender passen. Da tröstet es nur wenig, dass es auf den vorderen Plätzen nach wie vor wunderbar beengt zugeht und das Lenkrad glücklicherweise immer noch in Traktor-Position steht. Während man noch kopfschüttelnd feststellt, dass nun wirklich alle Schalter dort platziert sind, wo sie sich auch beim Rest der automobilen Welt befinden, fällt der ungewohnte Sitzkomfort auf. Auch das Gestühl wurden deutlich überarbeitet. Mit strukturierten Sitzflächen und konturierten Lehnen bietet es nicht nur ordentlichen Komfort, sondern zum ersten Mal auch so etwas wie Seitenhalt. Auch die Sitzordnung wurde modernisiert und europäischen Sicherheitsrichtlinien angepasst - so finden zwar nur noch 5 statt 7 Personen in zwei Reihen (nun hintereinander) Platz. Aber immerhin verfügen die neuen Sitze über ISOFIX-Kindersitzbefestigungen.

Große Verwunderung stellt sich nach wenigen Kilometern Fahrbetrieb ein: Plötzlich ist es warm im Innern. Na ja - bis auf die hinteren Plätze. Aber ohne dem Fahrer die Knie zu rösten. Das ist nach fast 60 Jahren die beeindruckendste Neuerung und wird so manchen Käufer über das moderne Interieur hinweg trösten. Folgerichtig ist auch die über 1.600 Euro teure Klimaanlage eine angemessene Investition, sorgt sie doch mittlerweile für angenehme Temperaturen im Innenraum und beschlagfreie Seitenscheiben mittels zusätzlicher Luftauslässe.

Keinerlei Überraschung bietet das Fahrwerk - fast ohne bemerkenswerte Änderungen seit 1948 mit Starrachsen und Panhardstand. Unverändert überragend stellt sich dann auch der Defender im Gelände-Betrieb dar. Permanenter Allradantrieb mit sperrbarem Mittendifferential und zweistufigem Verteilergetriebe - das sind die Zutaten, die Herzen echter Offroader höher schlagen lassen. Der Defender bietet auch nach moderneren Maßstäben gute Werte für Bodenfreiheit, Wattiefe, Böschungswinkel, maximale Steigfähigkeit und maximale Seitenneigung und bringt mutige Gelände-Enthusiasten selbst in Gegenden, die die Natur eigentlich nicht zum Befahren gedacht hat - und in denen man sich auch zu Fuß schon recht schwer tun würde.

Ebenso unverändert auch die Fahreigenschaften im zivilen Bereich: Mit der typischen Seitenwindempfindlichkeit eines Kastenwagens. Beim Bremsen nickend und in der Kurve wankend ist der Defender nach wie vor ein Automobil für den eher gelassenen Fahrstil. Dabei informiert das Fahrwerk jederzeit über die Beschaffenheit des Fahrbahnbelages und möchte bei regennasser oder verschneiter Fahrbahn umsichtig bewegt werden - elektronische Fahrhilfen gehören selbstverständlich nicht in einen puristischen Offroader.

Unverändert verheerend die Sicherheitsausstattung. Airbags gibt es nicht einmal für Geld und gute Worte. Selbst ABS muss man sich in der Aufpreisliste für unvorstellbare 1760 Euro erkämpfen. In dem Preis enthalten ist immerhin noch eine durchaus sinnvolle Traktionskontrolle. Schade, denn für viele Käufer ist der Defender das einzige Fahrzeug - warum also sollen selbst hartgesottene Offroader während des täglichen Berufverkehrs auf längst etablierte Sicherheitsdetails verzichten? Der Einsteig in die Defender-Welt beginnt bei 24.800 Euro für den Landrover Defender 90 mit Soft Top. Ebenfalls nicht serienmäßig: Elektrische Fensterheber, Klimaanlage oder Radio. Die günstigste geschlossene Version ist der ebenfalls kurze Defender 90 Station Wagon für mindestens 26.200 Euro. Ein Landrover Defender 110 Hard Top kostet ab 27.600 Euro und der Defender 130 "Crew Cab" ab 31.600 Euro. Metallic-Lack ist nicht für alle Modelle verfügbar, kostet dann aber stolze 510 Euro. Das Defender-typische verstärkte Fahrwerk für die Auflastung auf 3,5 Tonnen Gesamtgewicht kommt aktuell 2.610 Euro.
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Quelle: Autoplenum, 2008-01-24

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