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Testbericht

Stefan Zaumseil, 24. Januar 2008
Wem der Compass zu weich und der Grand Cherokee zu edel ist, der wird mit dem neuen Jeep Wrangler seine Freude haben. Endlich haben die Amis ihrer Allradikone einen Diesel und vier Türen verpasst.

Wem der Compass zu weichlich und der Grand Cherokee zu edel ist, der wird mit dem neuen Jeep Wrangler seine Freude haben. Endlich haben die Amis ihre Allradikone mit einem Diesel und vier Türen auf den Stand der Technik gebracht. Was mit dem Stammvater Willys BA anno 1940 begonnen hat, das findet im neuen Jeep Wrangler Unlimited seine bisher komfortabelste Krönung. Wer als Offroad-Fan jetzt qualvoll aufstöhnt, der sei beruhigt: Auch die aktuelle Wrangler-Generation ist nicht weichgespült für die Innenstadt - sondern wie gehabt ein wahrer Klettermaxe.

Das urtypisch quadratische Wrangler-Design mit wuchtigen Kotflügeln und dem einzigartigen Sieben-Lamellen-Kühlergrill zu ändern - das ist den Jeep-Leuten nicht einmal im Traum eingefallen. Immer noch reckt sich die Frontscheibe fast senkrecht gegen den Fahrtwind, hat die Motorhaube außen angebrachte Verschlüsse und ist das Ersatzrad außen an der Hecktür festgeschraubt - die einzige sichtbare Änderung sind die nun runden Blinker in den vorderen Kotflügeln.

Weiter mit dem, was alles nicht neu ist: Auch die Türscharniere schlagen nach wie vor außen an und unverändert kann man die Türen aushängen - in Deutschland ist dann aber eine Kette fällig. Die stört nicht weiter, klimpert ein bisschen und der TÜV-Prüfer ist ebenso glücklich wie der Fahrer. Dabei hat der Wrangler bekanntlich mehr zu bieten als nur ein cooles Aussehen. Jenseits von Sidepipes und Lampenbatterien für die Leopoldstraße ist der Wrangler immer noch ein echter Geländewagen. Nicht umsonst hat sich "Jeep" längst als Gattungsbegriff für Geländewagen eingebürgert - wie Flex für Winkelschleifer oder Tempo für Papiertaschentücher.

Mit verstärkten Dana-44-Achsen, 4:1 Geländereduktion, elektronischen Differentialsperren an Vorder- und Hinterachse und einem Gewicht von knapp 1,8 Tonnen lässt der Wrangler Rubicon noch immer die Herzen aller Offroader heftiger schlagen. Wer noch nie mit einem Wrangler in Zeitlupe einen felsigen Berghang hochgeklettert ist, der weiß nichts mit solcher Begeisterung anzufangen. Und: Der hat nicht gelebt. Jeep hat dem aktuellen Klettermaxe nicht nur eine breitere Spur, sondern auch einen verbesserten Allradantrieb spendiert - "RockTrack" im Rubicon mit zahlreichen technischen Finessen, in allen anderen Wranglern "CommandTrack" ohne Sperren und mit 2,72:1 Untersetzung.

Lange, lange vermisst - seit 65 Jahren - wurde ein Dieselmotor. Der stammt nun aus dem DaimlerChrysler Konzernregal, heißt 2.8 CRD und leistet bekanntermaßen 177 PS bei 3.800 U/min. Die bringen den Wrangler immerhin auf Tempo 180 - umjubelt von beeindruckenden Windgeräuschen. Beschleunigungswerte interessieren bei einem Offroader niemanden. Die gefühlten Werte sind allemal in Ordnung, auch ohne Getriebeuntersetzung verleihen die 410 Newtonmeter schon ab 2.000 Touren ordentlich Schub. Die Verbrauchsangaben von 9,9 Litern Diesel pro 100 Kilometer im Drittelmix sind dagegen wenig praxisnah - allein die kantige Aerodynamik und der Allradantrieb garantieren üppigere Werte.

Geradezu entzückend ist das neue Sechsganggetriebe - obwohl die Schaltung etwas hakelig ausgefallen ist. Gut abgestimmt mit nicht allzu langen Schaltwegen: Damit ist ein kleiner Abstecher onroad auf deutsche Landstraßen durchaus zu meistern. Denn der Wrangler ist nicht nur ein Begleiter für wirklich hartes Gelände. Auch auf befestigen Wegen ist er inzwischen ein angenehmes Gefährt. Nicht, dass plötzlich eine schnelle Kurvenfahrt locken würde - immerhin hat der Wrangler Starrachsen und Panhardstäbe. Aber die Seitenneigung hält sich in Grenzen, der Abrollkomfort ist akzeptabel und die Federung recht komfortabel. Wenn nur die indirekte Lenkung nicht den Fahrkomfort beeinträchtigen würde. Der neue Wrangler bietet nicht nur traditionelle Fahrwerksabstimmung, sondern auch modernen Komfort. Spätestens jetzt werden Puristen die Nasen rümpfen. Doch wer möchte sich denn allen Ernstes über eine Klimaanlage beschweren? Oder über elektrische Scheibenheber? Über zwei zusätzliche Türen für die hinteren Plätze werden vor allem Familienväter mit Offroad-Ambitionen hoch erfreut sein - endlich kann der Wrangler das Familienfahrzeug sein.

Mit fast drei Metern Radstand haben auch große Menschen in der zweiten Reihe genügend Beinfreiheit - wobei der mittlere Sitz nur eingeschränkt nutzbar ist. Über die 1.310 Liter Gepäckraumvolumen wird sich auch kaum jemand beschweren wollen - mit umgeklappten Rücksitzen sind es sogar 2.320 Liter, und das kann man dann schon Laderaum nennen.

Weg vom Image des Zweit- bzw. Spaßautos geht Jeep auch mit der Ausstattung der aktuellen Generation, die nicht nur mit einer MP3-tauglichen Audioanlage und hochwertigen Lautsprecher, sondern auch durch insgesamt bessere Optik und Haptik zu gefallen weiß. Und die Handhabung der Dachkonstruktion ist endlich auch familienfreundlich - das heißt, man braucht nicht mehr alle seine Stammtisch-Kumpels für den Ab- oder Aufbau des Hardtops. nach wie vor fummelig ist allerdings das serienmäßige Softtop. Die Sicherheitssausstattung des Wrangler wurde von Jeep ebenfalls auf aktuelles Niveau gebracht: ABS, Antriebsschlupfregelung, ESP, elektronisches Überrollschutzsystem, Unterfahrschutz für Kraftstoffbehälter und Verteilergetriebe und natürlich Airbags - jedoch leider nur vorn. 34.990 Euro kostet der Jeep Wrangler Unlimited 2.8 CRD "Sahara" mit Automatikgetriebe. Für 5.000 Euro weniger darf man den "Sport" manuell schalten, muss dann aber auch auf Selbstverständlichkeiten wie Nebelscheinwerfer, Fensterheber, Tempomat, Zentralverriegelung und Klimaanlage verzichten. Die gibt es nur im Paket mit Volltüren. Abgedunkelte Seitenscheiben, Lederlenkrad und Kompass gibt es nur im "Hard-Top-Paket Sport" mit allen anderen Extras für 3.870 Euro.
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Quelle: Autoplenum, 2008-01-24

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