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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 9. Oktober 2013
Mit dem Q50 will sich Infiniti auch in Deutschland endlich von dem Nischen-Dasein lösen. Die Mittelklasse Limousine wurde eigens für den europäischen Markt entwickelt. Doch gerade in diesem Segment ist die Luft für nicht-teutonische Autos besonders dünn. Kann der Japaner BMW, Audi, Mercedes-Benz Co. Paroli bieten.

Besucht man die Infiniti-Q50-Seite im Internet, stößt man auf Atemberaubendes. Der Slogan lautet "Eine Revolution, an der Sie beteiligt waren."Warum hier das Präteritum gewählt wurde, bleibt wohl immer das Geheimnis der Marketing-Strategen. Nichtsdestotrotz ist die Aussage selbst im superlativ-reichen Automobil-Geschäft eine Ansage: Manche waren vielleicht bei der friedlichen Revolution im Herbst 1989 dabei, die zur Öffnung der Mauer führte. Aber ein Auto? Wir werden sehen. Immerhin ist der Q50 der erste Infiniti, der für den europäischen Markt entwickelt wurde.

Beim Anblick der 4,79 Meter langen Mittelklasse-Limousine werden zumindest keine revolutionären Gedanken befeuert, eher schon evolutionäre. Wenn auch durchaus ansehnliche. Das Design orientiert sich an der schicken Sportwagen-Studie Essence Concept und ist gleichzeitig eine gelungene Weiterentwicklung des ziemlich barocken Vorgängers G37. Eine gelungene Optik ist auch nötig, denn anders als in den USA führt Nissans-Premium-Tochter in Deutschland ein Nischen-Dasein. Von den 3,08 Millionen PKWs, die in Deutschland im letzten Jahr neu zugelassen wurden, entfielen auf Infiniti gerade einmal 733 Stück. Dass die japanische Premium-Marke Gas geben will, sieht man an jedem Formel-1-Wochenende, wenn das Markenlogo prominent auf Sebastian Vettels Renn-Overall prangt. Die Unterstützung ist also schon mal weltmeisterlich. Jetzt muss nur noch das Fahrzeug dieses Versprechen einlösen.

Technisch bietet der Q50 einiges. Darunter die adaptive DAS-Lenkung (Direct Adaptive Steering), bei der die Lenkwelle durch ein Kabel ersetzt wird, das die Steuerbefehle überträgt. Bei der Einstellung der Lenkung hilft der Fahrerlebnis-Schalter in der Mittelkonsole: Mit ihm wählt man eines von mehreren Programmen, das auch Auswirkungen auf die Gasannahme und die Schaltung hat. Die Spannbreite reicht von Sport über Standard bis hin zu Schnee. Wem das nicht genügt, kann sich die Steuerung mit bis zu 96 Einstellungen auch selbst konfigurieren und das Resultat unter "Individual" abspeichern. In der Praxis wählt man ein Fahrprogramm und kommt damit sehr klar. Beim Diesel ist "Sport" die beste Wahl. Dann ist die Lenkung ziemlich direkt und so lässt sich der 1,75 Tonnen schwere Diesel-Infiniti in kurvenreichen Strecken gut dirigieren. Ein bisschen fehlt allerdings die Rückmeldung bezüglich des Fahrbahnbelags. Wer es etwas komfortabler will, nimmt einfach "Standard". Das passt bei der Autobahn ganz gut.

Durch den Heckantrieb geht der Infiniti Q50 auch ganz flott durch die Kurven und verschont den Fahrer mit Lenkeinflüssen. Das ist ein großes Plus der neuartigen Fly-by-Wire-Steuerung. Selbst bei schlechten Straßen bleibt die Lenkung stabil. Ist das Heck zu vorwitzig, greift das ESP ein. Beim Hybrid-Modell mit 3,5-Liter-V6-Motor und Allradantrieb schaut die Sache auch aufgrund der Batterie schon ein klein wenig anders aus. Einer Untersteuer-Neigung folgt bei Lastwechselreaktionen ein Schwenk des Hinterteils, der von der Stabilitätskontrolle sofort unterbunden wird.

Zurück zum Selbstzünder. Der macht nämlich im Zusammenspiel mit der Siebengang-Automatik eine gute Figur, auch wenn er bei niedrigen Drehzahlen präsenter ist, als bei Autobahn-Tempo. Dort ist der Q50 im Innenraum recht leise und der Motor wird von den Windgeräuschen übertönt. Die Ruhe liegt vermutlich auch an dem guten cW-Wert von 0,26. Mit 6,8 l/100 km ist der Spritverbrauch durchaus im Rahmen, obwohl er deutlich über dem angegebenen Wert von 4,4 l/100 km liegt. Zumal der Diesel nicht mit seinen 170-PS-Reizen geizt: In 8,7 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht und die Tacho-Nadel hört erst bei 231 km/h auf, sich im Uhrzeigersinn zu bewegen. Um aus den Kurven herauszukommen, hilft ein Drehmoment von 400 Newtonmetern.

Die Sitzposition vorne ist relativ hoch. Das hilft zwar bei der Übersicht, aber ab einer Größe von 1,93 Metern wird es um den Kopf herum eng. Das Cockpit mit dem Touch-Navi-Screen, dem Touch-Pad und den Apps macht erfolgreich einen auf Tablet-PC. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kommt man damit sehr schnell klar. Das Interieur ist japanisch nüchtern mit unterschäumten Flächen und ein paar Holzapplikationen. Alles ganz in Ordnung. Nur die Druckknöpfe links und rechts des Navigationssystems könnten ein bisschen hochwertiger sein. Hinten ist ausreichend Platz. Etwas mehr dürfte es bei einem 4,79-Meter-Auto schon sein. Das Gleiche gilt für den Kofferraum. Der fasst beim Diesel 500 Liter, hat aber eine hohe Ladekante und ist so verwinkelt, dass es mit großem Gepäck eng werden könnte. Beim Hybrid-Modell sind es noch einmal 100 Liter weniger.

Bleibt zum Schluss nur noch der Preis. Das Diesel-Einstiegsmodell mit manueller Sechsgangschaltung kostet 34.350 Euro. Für die Automatik-Version legt man noch 2.190 Euro drauf. Will man Infiniti Q50 mit einigen Extras,wie LED-Licht oder den klassenüblichen Assistenzsystemen vollpacken, knackt sich der Endpreis schnell die 40.000-Euro-Marke. Angesichts des Gebotenen immer noch akzeptabel. Kann also durchaus sein, dass Infiniti bei der nächsten Zulassungs-Jahresbilanz deutlich besser abschneidet.
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Quelle: Autoplenum, 2013-10-09

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