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Testbericht

Stefan Grundhoff, 11. April 2008
Die Münchner Muckibude M-GmbH hat wieder zugeschlagen. Auf den M3 muss man zwar noch bis nächsten Herbst warten. Das Trostpflaster: Frisch zum Winter kommt der M6 als Cabrio – in weißestem Weiß.

Wem der M5 zu familiär, der M3 zu knapp und der M6 zu unspektakulär ist, der kann sich freuen – voraussetzt er wohnt im Sonnenstaat Kaliforniern. Hier wird wohl der Hauptmarkt für den wild grollende Cabrio-Kraftmeier sein. Aber auch in Deutschland kommt die offene Versuchung Ende Oktober auf den Markt – mindestens 116.300 Euro teuer und mit einem Auftritt, der seiner sportliche Konkurrenz aus Jaguar XKR, Porsche 911 Turbo und Mercedes SL 55 AMG allemal Paroli bieten kann.

Denn der (schon aus dem M5 bekannte) Zehnzylinder ist auch in dem offenen Bayern eine herausragende Besetzung. 373 kW/507 PS – da kann allenfalls noch ein 63er AMG mithalten. Dazu das SMG-Sportgetriebe der dritten Generation und eindrucksvolle Hochgeschwindigkeitsreifen.

Trotzdem muss der über zwei Tonnen schwere Hecktriebler auf der Autobahn die Konkurrenz am Ende des Tachos links vorbeiziehen lassen. Die elektronische 250er-Abriegelung wird nur gegen einen Aufpreis von 2.350 Euro ausgeschaltet. Dafür gibt es dann immerhin Tempo 305 und ein Rennstreckentraining - faktisch der Waffenschein für den 2+2-Sitzer.

0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden - das ist beeindruckend. Doch 520 Nm maximales Drehmoment können in Zeiten von Power-Dieseln keinen mehr aus dem Sitz heben. Um so mehr der Verbrauch. Die versprochenen 15,2 Liter SuperPlus auf 100 Kilometer sind wohl nur bei stetem Landstraßentempo zu realisieren. Wer sich vom Sex des Zehnzylinders in den Bann schlagen lässt und dem kraftvollen Klang über 6.000 Touren lauscht, der darf im Schnitt mit gut und gerne über 20 Liter pro 100 Kilometern kalkulieren. Etwas von der Motorleistung hätte man durchaus für das vollelektrische Stoffverdeck abzweigen können. Öffnen und Schließen der Mütze geschehen im Zeitlupentempo – aber dafür auch bei langsamer Fahrt von bis zu 30 km/h.

Der Aufpreis zum auch schon prächtigen 650i Cabriolet liegt bei mindestens 30.000 Euro. Dafür gibt es außer dem (aus dem Rennsport abgeleiteten) Zehnzylinder 19 Zoll große Schmiedefelgen, Xenonlicht, das SMG-Getriebe und Sportsitze von denen man sich angesichts des Potenzials noch etwas mehr Seitenhalt wünschen würde.

Aggregat, Bremsen, Fahrwerk und Lenkung sind über jeden Zweifel erhaben und setzen unter den offenen Sportcoupes Maßstäbe. Nicht ganz überzeugen kann jedoch das siebenstufige Sportgetriebe SMG, das gerade im Automatikmodus nicht so recht zu einem 500-PS-Spaßmacher passen will. Hier läuft der 4,87 Meter lange Bolide allzu untertourig und erscheint so zumindest subjektiv etwas unwillig.

Aber der Eindruck verfliegt schnell: Ein Druck auf das Gaspedal - und alle Zweifel über eine vermutete Unlust des Bajuwaren sind weg. Fahrer und Passagiere werden in die Sitze gepresst, dass es selbst einem Nasa-Piloten Angst und Bange werden sollte. Der M6 – egal ob offen oder geschlossen – liebt Drehzahlorgien, aus denen er gar nicht mehr herunterklettern möchte. Der Blick ist dabei immer wieder auf die gut ablesbaren Instrumente und das griffige Lenkrad gerichtet. Wer will, der kann jederzeit über Lenkradpaddel in die Schaltvorgänge eingreifen. Über einen Schalter am Mitteltunnel lässt sich sogar die Schnelligkeit des Gangwechsels justieren. Das braucht abseits der Rennstrecke kein Mensch - aber es ist immer wieder nett, seinen Mitfahrern zu erklären, wofür die vielen Schalter rund um den SMG-Knüppel da sind. Insgesamt stehen elf Fahr-Konfigurationen zur Verfügung. Das reicht für einen Abend bester Unterhaltung und staunender Gesichter.

Damit es mit dem M6 Cabriolet auch mit dem schönen Wetter klappt, hat BMW seinen Online-Service aufgebohrt. Für 175 Euro pro Jahr hat man Zugriff auf zahlreiche Informationsquellen. Unter anderen kann man direkt aus dem Bordmenü abrufen, ob es trocken bleibt - oder man besser schon mal das dunkle Stoffdach schließen sollte. Dann kann beim nächsten heißen Ritt auf dem wilden Stück weißer Schokolade nichts mehr falsch laufen. Und eigentlich müßte ihn BMW mit einem extra Aufkleber am Heck ausliefern: Achtung – Suchtpotenzial. Vor allem oben ohne.

Quelle: Autoplenum, 2008-04-11

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