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Testbericht

15. November 2015
Santa Cruz (Teneriffa), 16. November 2015 - Porsche verfährt beim Ausbau seiner Modellreihen gerne nach dem Motto "mehr ist mehr”. Vom 911 gab es zuletzt immer zwischen 20 und 30 Derivate. Der Macan ist noch nicht ganz soweit, erhöht die Zahl seiner Varianten mit dem neuen GTS-Modell jetzt aber immerhin auf vier. Die Anbringung des "Gran-Turismo-Sport”-Labels verheißt in der Regel viel Gutes. In jüngster Vergangenheit kamen bereits Boxster/Cayman, der Elfer, der Panamera und sogar der Cayenne in den Genuss. Und auch wenn die GTS-Versionen nicht immer als die uneingeschränkten Baureihen-Lieblinge durchgehen, machen sie das jeweilige Modell doch in so gut wie allen Belangen besser. Hibbelig dazwischen Jetzt kriegt also auch der Macan die GTS-Dynamik-Behandlung. Mit seinen 360 PS sitzt er ganz hibbelig zwischen dem 340 PS starken Macan S und dem 400 PS starken Macan Turbo und soll sowas wie den Kurvenspaß-Part übernehmen. In einem SUV (!), das ohnehin viel mehr Spaß macht als alle anderen, ist das eine diskussionswürdige Rolle. Aber schauen wir uns erst einmal an, was der GTS so alles kann. In fünf auf 100Den Motor nimmt er schonmal aus dem Macan S. Das Dreiliter-Biturbo-Aggregat erhält allerdings eine optimierte Ansaugung, eine forschere Abgasanlage sowie mehr Ladedruck (maximal 1,2 bar) und bringt es so auf 360 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment (+20 PS, +40 Newtonmeter). Damit sprintet das beinahe zwei Tonnen schwere SUV in 5,2 Sekunden auf 100 km/h und läuft 256 km/h Spitze. Wer das Sport-Chrono-Paket ordert, reduziert die Sprintzeit gar auf glatte fünf Sekunden.
Eigene Abstimmung Um mit dem Extra-Schub auch angemessen arbeiten zu können, spendiert Porsche dem Macan GTS sein adaptives PASM-Fahrwerk, versieht es aber mit einer eigenen und knackigeren Note. Der GTS liegt 15 Millimeter tiefer (10 Millimeter, wenn man das Luftfahrwerk wählt), kriegt fokussiertere Dämpfer und ein Allradsystem, das mehr Freude am Leben hat, sprich: mehr von der eingehenden Kraft nach hinten leitet. Wer vorhat, seinen Macan GTS auch mal quer der Fahrtrichtung zu bewegen, soll laut Porsche die elektronische Differenzialsperre mitbestellen und den Sport-Plus-Knopf drücken. Dann sei "kontrolliertes Lastübersteuern möglich". Tolles neues Navi Abgerundet wird der GTS-Lebenslauf durch die größere Bremse des Macan Turbo, die Option auf neue LED-Scheinfwerfer und sehr viele Dinge, die schwarz lackiert sind. Dazu zählen die 20-Zoll-Räder, die Leuchten, die Sideblades und der neue Sportauspuff. Innen erwartet Sie Porsches neues Infotainmentsystem mit Internetanbindung, Apple CarPlay und allem Pipapo. Es lässt sich bedienen wie ein Smartphone und ist wirklich eine gewaltige Verbesserung. Abgesehen von der neuen Kommunikationszentrale besteht der Innenraum des Macan GTS hauptsächlich aus Alcantara, Leder, Kontrastnähten und noch immer zu vielen Knöpfen. Ein SUV zum Spielen Einmal auf der Straße, hört der Macan GTS nicht auf, zu beeindrucken und zu begeistern. Nun ist es ja nicht gerade so, als würden die anderen Macan-Varianten an Handling- oder Dynamikmangel leiden, aber die Agilität und Präzision, die der GTS an den Tag legt, wirkt noch ein bisschen schärfer und ausgefeilter. Gerade in den Modi "Sport” und "Sport Plus” spannt sich der ganze Kasten nochmal deutlich an, die Reaktionen werden messerscharf, die Gangwechsel der Siebengang-Doppelkupplung werden noch schneller und man vergisst endgültig, dass man in etwas ziemlich Hohem, ziemlich Schwerem sitzt, das zur Not auch durch Bäche oder Wälder fährt (wenn nicht gerade 21-Zoll-Felgen montiert sind). Dank des neuen Fahrwerk-Setups pfeift der Macan GTS nahezu ohne Wankneigung durch die Kurve. Auch wenn es komisch klingt, aber auf einer Bergstraße weckt dieses SUV tatsächlich den eigenen Spieltrieb. Man lenkt spitz ein, spielt in der Kurvenmitte ein wenig mit der Balance und dem willigen Heck des Autos und feuert sich dann mit viel Traraa und ordentlich Geschwindigkeit hinaus in die nächste Biegung.
Viel Schub, viel Lärm Dabei hilft auch der 3,0-Liter-Biturbo mit seinem gleichmäßigen und ziemlich heftigen Druck. Der Macan GTS wirkt zu jeder Zeit furchtbar schnell und macht dabei nicht den Eindruck, als müsse er sich großartig anstrengen. Er geht einfach vorwärts, auch wenn er nicht so aufregend reagiert und dreht wie der neue Biturbo im Porsche 911 Carrera oder den furchteinflößenden Schub hat wie der Macan Turbo. Dafür hatten die Soundingenieure offenbar eine ganze Menge Spaß, als sie den GTS abgestimmt haben. Aus den schwarzen Endrohren seiner Sport-Abgasanlage rotzt es richtig laut und schmutzig. Gefühlt deutlich frivoler als in den anderen Macan-Varianten. Außerdem quittiert er in Sport Plus jeden Gaslupfer mit inbrünstigem Geknalle und Geschieße. Das irre am Macan GTS ist: Ein Knopfdruck genügt und aus dem superstraffen, aggressiven, wenig sozialverträglich intonierenden Biest wird ein relativ leiser und kommod federnder Familienfreund. Knackiger Aufpreis Mit seinem breitgefächerten Repertoire schiebt sich der Macan GTS an die Spitze der Sport-SUV-Konkurrenz um Audi SQ5, BMW X4 (da warten wir freilich noch auf den M40i) oder Alpina XD3 Biturbo. Mit seiner ziemlich überragenden Balance aus Dynamik, Fahrkomfort und optischer Präsenz dürfte der GTS aber auch den eigenen Baureihen-Geschwistern das Wasser abgraben. Kleiner Haken: Mit einem Grundpreis von 73.400 Euro ist er über 12.000 Euro teurer als der Macan S. Man könnte also behaupten: Schraub einen Sportauspuff und ein paar größere Felgen an den S, spar dir einen Haufen Geld und hab ähnlich viel Spaß, aber das trifft es nicht ganz. Der Macan GTS ist als Gesamtkunstwerk einfach ein verdammt feines Stück SUV und wer sich finanziell strecken kann, wird auf Dauer mit ihm sicher glücklicher werden.
Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Anzahl Gänge:7
Getriebe:Doppelkupplungsgetriebe
Motor Bauart:V-Motor, Biturbo
Hubraum:2.997
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:265 kW (360 PS) bei UPM
Drehmoment:500 Nm bei 1.650 UPM
Preis
Neupreis: 73.400 € (Stand: November 2015)
Fazit
Porsche hat den Macan mit dem neuen GTS tatsächlich noch ein bisschen agiler, präziser und spaßiger hinbekommen. Dazu klingt er richtig gierig und sieht zumindest unserer Meinung nach auch besser aus. Ein großer Wurf ist das neue Infotainmentsystem und auch der komplette Rest-Innenraum wirkt beim GTS noch ein wenig edler. Ob all die kleinen Verbesserungen einen Aufpreis von über 12.000 Euro rechtfertigen, muss jeder für sich entscheiden. Wer sich daran nicht stört, ist mit dem Macan GTS sicher am besten dran. + bemerkenswerte Agilität; leichtes Heck; toller Klang; verbessertes Infotainment - hoher Aufpreis
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2015-11-15

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