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Testbericht

Sebastian Viehmann, 21. September 2009
Summ-summ-summ statt Reng-deng-deng: Der Trabi kommt wieder, und zwar als Elektroauto. Alles nur ein ostalgischer Werbegag – oder steckt mehr dahinter? Wir haben mit dem Ingenieur des Neo-Trabanten gesprochen.

Das Show-Car Trabant nT sorgt für mächtig Wirbel und ist der heimliche Star der IAA. Ein 47 kW starker Elektromotor soll den Trabi auf 130 Km/h beschleunigen, ein Lithium-Ionen-Akku Reichweiten bis zu 160 Kilometern ermöglichen. Im Interview spricht Ronald Gerschewski vom Karosseriebau-Unternehmen IndiKar über die Chancen der Serienfertigung, einen möglichen Dieselantrieb und die Idee hinter dem Projekt. Herr Gerschewski, ist der Trabant ein Retro-Auto – quasi das, was der New Mini für den alten Mini ist? Gerschewski: Das Thema Retro muss jeder für sich selbst definieren. Um den international durchaus guten Ruf des Trabant zu nutzen, macht es Sinn, Gestaltungselemente des alten Trabant zu verwenden. Das kann man natürlich als Retro bezeichnen.

Moment mal: „Den international guten Ruf?“ Das müssen Sie uns erklären. Gerschewski: Das war auch für mich neu, aber: Als 2007 der erste Entwurf des neuen Trabant von Herpa vorgestellt wurde, wurde in der ganzen Welt ein unerwartetes Interesse losgetreten. Und dieses Interesse war durchweg positiv: Der Trabant ist international als Kultauto bekannt. Besonders groß war das Interesse zum Beispiel in Japan. Wussten Sie, dass es in Tokio sogar in Trabi-Museum gibt? Und der größte Trabi-Fanclub existiert in Frankreich.

Optisch ist der Trabant nT ja bewusst einfach und übersichtlich gehalten. Als Antrieb dient aber ein Elektromotor. Warum nehmen Sie nicht einfach einen kleinen Benzin- oder Dieselmotor? Gerschewski: Am Anfang des Projektes haben wir sehr intensiv darüber nachgedacht und uns entschlossen, das Fahrzeug grundsätzlich für zwei Antriebskonzepte auszulegen: Einerseits einen 1,2-Liter Dreizylinder-Dieselmotor und andererseits den Elektroantrieb. Aus Zeit- und Geldgründen mussten wir uns zur Präsentation des Autos für eines dieser beiden Konzepte entscheiden. Und der Einbau eines elektrischen Antriebes ist grundsätzlich erst einmal einfacher als der Einbau eines Antriebsstranges mit Verbrennungsmotor. Außerdem ist der Elektromotor gut geeignet für ein Stadtfahrzeug und für die Nische, in der wir letztlich tätig sein werden. Da sind wir realistisch: Wir werden nicht gleich den Riesen-Investor finden, sondern in den ersten Jahren eine Nische besetzen. Der Elektroantrieb hat aber noch einen anderen Grund. Wir wollen die negativen Attribute des historischen Trabant, die ja durchaus vorhanden sind, nicht in die heutige Zeit übertragen. Der alte Trabi hat eben immer noch dieses Stinker-Image. In dem Moment aber, wo wir das mit dem Elektroantrieb sozusagen überkompensieren, hört diese Diskussion auf. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das Auto auch mit einem Verbrennungsmotor angeboten wird. Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie ein potenzieller Investor dazu steht und aus welcher Richtung er kommt. Wenn der Investor zum Beispiel ein Energieerzeuger ist, wird sicherlich der Elektroantrieb im Vordergrund stehen.

Wie wäre es mit einem kleinen Verbrennungsmotor als Stromgenerator und Range Extender, um die Reichweite zu erhöhen? Gerschewski: Vom Package her wäre das problemlos möglich, den Bauraum dafür haben wir berücksichtigt. Beim Elektroauto ist eben diese Angst da, dass man mit leerer Batterie irgendwo liegen bleibt. Ein Range Extender könnte also durchaus Sinn machen, und ich will ihn nicht ausschließen. Haben Sie schon konkrete Firmen im Auge, die Ihnen Teile für das Auto zuliefern könnten? Gerschewski: Wir sind mit mehreren Firmen im Gespräch. Die Batterie-Partner zum Beispiel, mit denen wir reden, zählen zu den führenden Anbietern auf dem Markt. Wir rechnen durch das große Interesse auf der IAA mit zusätzlichen Partnern für unser Projekt, da bin ich sehr optimistisch.

In der Pressemitteilung zum Trabant nT heißt es ja ganz offen: „Sein Startkapital ist die Bekanntheit, die Sympathie und Aufmerksamkeit, die der Marke Trabant zuteil wird“. Sie brauchen Investoren. Wie steht es damit? Gerschewski: Es gibt noch keinen Investor. Wenn es einen gäbe, würden wir das auch jetzt noch nicht kommunizieren. Aber es laufen eine Menge Gespräche. Und es gibt verschiedene Szenarien für die Realisierung des Projektes. Ein Szenario wäre ein Automobilhersteller, der mitmacht – das wäre natürlich eine tolle Sache, aber nicht sehr wahrscheinlich. Ein anderes Szenario ist, dass ein Energieerzeuger, der über eine eigene Servicefahrzeug-Flotte verfügt, das Projekt realisiert und die Fahrzeuge auch als Marketinginstrument einsetzt. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass sich ein Konsortium aus verschiedenen Zulieferern und Entwicklungspartnern bildet. Die Situation der Zulieferindustrie ist ja momentan nicht gerade die beste. Bedeutet das für Projekte wie den Trabant nT die Chance, dass sich Zulieferer neu orientieren und ganz neue Marken entstehen könnten? Gerschewski: Die Chance war nie besser als heute. Das Thema Elektroauto und überhaupt alternative Antriebe wird auch in Zukunft auf der Agenda bleiben. Ich glaube, dass wir in Zukunft bei Autos einen Mix aus verschiedenen Antrieben haben werden – genau wie wir schon jetzt einen Mix bei der Energieerzeugung haben. Dieses Umdenken hat die ganze Automobilindustrie aufgewühlt. Die Industrie sucht nach neuen Themen und nach neuen Standbeinen.

Gesetzt den Fall, das Auto wird gebaut: Wer wären die Kunden? Wäre der neue Trabant ein Lifestyle-Auto wie der Mini? Oder geht es um ein aufs Wesentliche reduzierte Auto, das eher pragmatische Menschen anspricht? Gerschewski: Genau das ist unser Ziel. Das Auto ist so gestaltet, das es vor allem einfach ist. Auf Schnickschnack besonders im Innenraum haben wir verzichtet. Es gibt wenige Schalter und wenig Einstellmöglichkeiten. Das Auto hat alles, was man für die Stadt und einen typischen Zweitwagen im Alltag braucht. Damit ist die Zielgruppe klar definiert: Ein Auto als Zweitwagen für die Familie, parallel dazu als Transportmittel für Dienstleister und Unternehmen im städtischen und stadtnahen Raum. Der Trabant nT könnte ein Produkt sein, das den Elektroantrieb in die Breite bringt, wobei „Breite“ beim Thema Elektroauto relativ ist. Unsere Vorstellung ist, dass wir zu Beginn rund 5000 Autos pro Jahr bauen.

Haben Sie eigentlich auch eine persönliche Verbindung zum alten Trabi? Gerschewski: Ich bin in Ostberlin aufgewachsen. Kurz nach der Wende habe ich selbst zwei Jahre einen Trabant 601 gefahren, den mir meine Eltern geschenkt hatten. Später bin ich allerdings auf einen gebrauchten Viertakter umgestiegen – für lange Fahrtstrecken war das einfach bequemer. Die Firma IndiKar besitzt übrigens einen historischen Trabant in der Farbe Gletscherblau.

Zur Person: Ronald Gerschewski (geboren 1969 in Berlin) ist Geschäftsführer der IndiKar Individual Karosseriebau GmbH aus Wilkau-Haßlau und der Entwicklungsleiter des Prototypen Trabant nT. Gerschewski gehört neben dem Designer Nils Poschwatta (der unter anderem Interieur-Designer bei VW war) und dem Modellautohersteller Herpa zu den Initiatoren des Projektes, an dem mehr als ein Dutzend Partner beteiligt sind. Gerschewski ist Fahrzeugschlosser und Diplom-Ingenieur für Kraftfahrzeugtechnik, er war unter anderem bei der FES Fahrzeugentwicklung Sachsen GmbH und bei der Sachsenring Fahrzeugtechnik mbH in Zwickau tätig. Seit 2004 ist er Geschäftsführer bei IndiKar. Das Unternehmen aus Sachsen entwickelt und fertigt Sonder- und Sonderschutzfahrzeuge sowie Konzeptautos.
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Quelle: Autoplenum, 2009-09-21

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