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Testbericht

Peter Eck/SP-X, 26. August 2017

In jedem Leben gibt es Menschen, die einen immer mal wieder enttäuscht haben, von denen man aber irgendwie trotzdem nicht lassen kann und die stets eine neue Chance eingeräumt bekommen. Mit der Marke Alfa Romeo ist es so ähnlich; die sich über Jahrzehnte in den Produkten der Marke manifestierten Mängel nicht nur in Sachen Qualität sind Legion und sie aufzuzählen würden jeden Rahmen sprengen. Seit einigen Jahren ist allerdings ein deutlicher Trend der Besserung zu beobachten und speziell die Alfa Giulia, seit Mitte letzten Jahres hierzulande auf dem Markt, könnte endlich den langersehnten Durchbruch bringen.

Vor allem über das Spitzenmodell mit Sechszylinder-Biturbo und satten 510 PS Leistung wurde viel (positives) geschrieben. Leider ist es den wenigsten Autofahrern vergönnt, die dafür nötigen knapp 73.000 Euro für den großen Fahrspaß aufzubringen. Wir ließen uns daher den 2.0 Turbo kommen, dessen 280 PS ebenfalls nicht gerade nach Langeweile klingen, dessen Basispreis von 47.800 Euro den Kreis potentieller Kunden aber doch ein wenig vergrößert.

Mit dieser Motorisierung einher geht auch stets der Zusatz „Veloce“, was man wohl durchaus mit „schnell“ übersetzen darf. Für den Fahrer heißt das: Immer dabei sind Allradantrieb, 18-Zöller, Bi-Xenon-Licht und eine Achtstufen-Automatik. Zudem gibt es vorne größere Lufteinlässe und hinten einen Diffusor mit zwei Auspuffendrohren.

Das macht die Giulia natürlich optisch noch sportlicher, wäre aber angesichts des zeitlos-klassischen Formats mit leichter Keilform, knappen seitlichen Fensterflächen, schmalen Scheinwerfern und natürlich dem dreieckigen Kühlergrill eigentlich gar nicht nötig gewesen. So oder so – an diesem Alfa wird man sich so schnell nicht sattsehen.

Der Innenraum ist ebenfalls überzeugend gestaltet, allerdings gibt es bei den ansonsten doch so stilsicheren Italienern auch immer wieder mal überraschende Aussetzer, zu denen wir vor allem die selten hässlich geratenen riesigen Schaltwippen hinter dem Lenkrad zählen. Und über den aufdringlich auf dem Lenkrad platzierten Start-Knopf könnte man auch streiten. Dafür sitzen Fahrer und Beifahrer auf bestens einstellbaren Sitzen, hinten gibt es genügend Fußraum. Die Materialien sehen allerdings teilweise besser aus, als sie sich anfassen.

Für derlei kleinen Unbill entschädigt auf jeden Fall der gesamte Antriebsstrang. Der Vierzylinder macht mächtig Dampf, die ZF-Achtgangautomatik verrichtet aufmerksam ihren Dienst, die Lenkung ist präzise, aber nicht übernervös und das Fahrwerk lässt sich auch bei richtig sportlicher Fortbewegung nicht aus der Ruhe oder auch nur in die Nähe seiner Grenzen bringen. Dazu kommt natürlich der Heckantrieb, der lange aufrechterhalten wird, bevor das serienmäßige Allradsystem bei drohendem Traktionsverlust bis zu 60 Prozent des Drehmoments nach vorne leitet. Ein sehr gelungenes Gesamtpaket – hier erfüllt die Giulia auch hochgesteckte Erwartungen ihrer so häufig enttäuschten Latin Lovers. Wirklich genervt  hat eigentlich nur der opulente Wendekreis – und das natürlich nur beim Rangieren oder Wenden.

Übrigens: Dass man mit einem solchen Auto kaum die versprochenen knapp 6,5 Liter Verbrauch einhalten kann, wird wohl nicht überraschen. Der Testkonsum von 8,2 Liter ist zwar keine Glanzleistung, aber Angesicht der Motorisierung auch kein Grund, in Sack und Asche zu fahren.

Die Giulia versteht es auch prima zu verstecken, dass sie aus dem zurzeit nicht gerade als sexy einzustufenden Fiat/Chrysler-Konzern kommt. An Kleinigkeiten merkt man den Zwang (oder Willen) zum Sparen aber dann doch. So hatte unser Testwagen eigentlich alles an Bord, was das Herz begehren kann. Allerdings gibt es kein Head-up-Display, was in dieser Preis-Klasse zumindest optional eigentlich Standard sein sollte, und die Scheinwerfer sind nur mit Xenon-Leuchten bestückt. LED-Hauptscheinwerfer sind zumindest zurzeit nicht zu bekommen.

Trotzdem: Unser Date mit der heißen Giulia hat richtig Spaß gemacht, ihre Schwächen verbuchen wir wie alle Alfisti großzügig unter „Charakter“. Und der beste, hochwertigste Alfa seit vielen Jahrzehnten ist sie sowieso.

Alfa Romeo Giulia 2.0 Turbo Veloce – Technische Daten:
Viertürige, fünfsitzige Mitteklasselimousine; Länge: 4,64 Meter, Breite: 1,87 Meter (mit Außenspiegeln: 2,02 Meter), Höhe: 1,43 Meter, Radstand: 2,82 Meter, Kofferraumvolumen: 480 Liter
2,0-Liter-Turbobenziner, 206 kW/280 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 2.250 U/min, Hinterrad-/Allradantrieb, Achtgang-Automatik, 0-100 km/h: 5,2 s, Vmax: 240 km/h, Normverbrauch: 6,4 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 152 g/km, Emissionsklasse: C, Abgasnorm: Euro 6, Testverbrauch: 8,2 Liter
Preis: ab 47.800 Euro

Kurzcharakteristik:
Warum: tolle Motor/Getriebe-Kombination, gut abgestimmtes Fahrwerk, zeitloses Design
Warum nicht: Bedienung teils umständlich, nicht gerade billig, hoher Verbrauch
Was sonst: Audi A4 2.0 TSFI quattro, BMW 330i xDrive, Jaguar XE 25t

Mit der Giulia sollen bei Alfa Romeo endlich wieder gute Zeiten anbrechen. Die Mittelklasse-Limousine hat tatsächlich endlich wieder das Potential zum Herzensbrecher. Vor allem in der von uns gefahrenen Version, die präzise in die Lücke zwischen V6-Topaggregat und motorischer Massenware fährt.

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Fazit
Mit der Giulia sollen bei Alfa Romeo endlich wieder gute Zeiten anbrechen. Die Mittelklasse-Limousine hat tatsächlich endlich wieder das Potential zum Herzensbrecher. Vor allem in der von uns gefahrenen Version, die präzise in die Lücke zwischen V6-Topaggregat und motorischer Massenware fährt.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: spot-press, 2017-08-26

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