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Testbericht

Stefan Grundhoff, 7. September 2017
Alle reden von Elektromotoren, doch Mazda geht einen ganz anderen weg. Die technikbegeisterten Japaner bringen kommendes Jahr die Kombination aus einem Benzin- und einem Dieselmotor auf den Markt. Effizienter kann ein Benziner kaum sein, oder?

Verbrennungsmotoren haben es in der heutigen Zeit nicht einfach. Alle reden nur von Elektromotoren und wenn schon ein Verbrenner, dann wird dieser mit einem Elektromodul zum Plug-In-Hybriden und tankt an der heimischen Steckdose Energie nach. Mazda, emotionalste und wohl auch dynamischste Automarke Japans, geht einen anderen weg. Elektroantriebe, Hybriden existieren für Mazda nur am Rande, denn auf absehbare Zeit wird der Verbrennungsmotor das Geschehen beherrschen. Seit Jahren forscht Mazda daher an einem Serienbenziner mit der sogenannten Kompressionszündung, bei dem sich ein vergleichsweise mageres Gemisch aus Kraftstoff und Luft auch ohne Zutun einer Zündkerze allein durch den Druck im Brennraum selbst entzündet. Hört sich kompliziert an - ist es aber nicht. Kurz gesagt werden die beiden Verbrennungsmotoren Benziner und Diesel (Selbstzünder) effektvoll miteinander gekreuzt.

Wenn man sich das neu entwickelte Vierzylindertriebwerk im Vorderwagen des Prototypens anschaut, deutet wenig auf die völlig neue Antriebsart an, an der sich viele Autohersteller in den vergangenen Jahrzehnten bereits die Zähne ausgebissen haben. Unter der geöffneten Motorhaube wird das Triebwerk von einer schwarten Schutzhaube mit Mazda-Logo verdeckt, die wohl weniger einem drohenden Geheimnisverrat Rechnung trägt, als vielmehr eine noch nicht finale Konstruktion von Versorgungsleitungen des Triebwerks vermuten lässt.

Marken wir Opel / GM und Daimler hatten die technische Symbiose aus Benziner und Diesel (Diesotto-Prinzip) vor Jahren auf der Zielgeraden vor der Serienreife, beließen es aber schließlich in den Entwicklungsschubladen. Der neu entwickelte Vierzylinder wirkt optisch so zurückhaltend wie der mattgraue folierte Mazda 3 selbst. Der Testwagen erscheint mit seinem matten Lack und den farblich abgesetzten Außenspiegeln wie ein wochenendtauglich in Szene gesetztes Serienmodell. Unter der Karosse befindet sich jedoch das neue Kompaktklassemodell der Japaner, das wieder den Namen Mazda 3 tragen wird; ein so genanntes Mule-Car, ein Muletto - perfekt getarnt unter dem Hut eines bekannten Serienmodells mit der Aufschrift Skyactiv X. Das interessanteste befindet sich unter der Motorhaube. Ein zwei Liter großer Benziner, der mit seiner Kompressoraufladung zum Serienanlauf im kommenden Herbst rund 140 kW / 190 PS und ein maximales Drehmoment von 230 Nm leisten soll. Der Motor arbeitet nach dem SPCCI-Prinzip. SPCCI steht dabei für Spark Controlled Compression Inginition - ein Benzinmotor mit so genannter Kompressionszündung, den Mazda marketingtauglich Skyactiv X nennt.

Die in Aussicht gestellten technischen Daten sind in heutigen Zeiten für einen Vierzylinder mit Aufladung alles andere als spektakulär - doch der Verbrauch soll den Unterschied machen. "Das neue SPCCI-Triebwerk verbraucht im Vergleich zu unseren aktuellen Skyactiv-Motoren rund 20 bis 25 Prozent weniger Kraftstoff", erklärt Motoren-Entwicklungschef Ichiro Hirose, "damit liegen wir in der Realität auf dem Niveau unserer Dieseltriebwerke." Das überrascht schon deshalb, da die Skyactiv-Triebwerke aus dem Hause Mazda aktuell sowohl als Benziner aus auch als Diesel zu den sparsamsten gehören, wenn es um den Realverbrauch in Kundenhand geht. Eines der technischen Erfolgsrezepte ist die hohe Verdichtung, die für einen Benziner bei ungewöhnlichen hohen 14:1 liegt. Dem gegenüber hat der eng verwandte Turbodiesel eine vergleichsweise geringe Verdichtung - ebenfalls von 14:1. Die neu entwickelten Diesotto-Triebwerke sollen sogar eine Verdichtung von 16:1 haben.

Der Fahrer merkt von dem völlig neu entwickelten Vierzylinder übrigens nichts und ein größeres Kompliment kann es kaum geben. Der Mazda 3 fährt sich wie ein ganz normales Serienauto mit einem ebensolchen Benzintriebwerl. Der Motor läuft nicht rauh oder ansonsten besonders auffällig. Allerdings hat man Mühe, ihm seine Leistung von knapp 200 PS abzunehmen. Besonders in der Kombination mit der hauseigenen Sechsgang-Automatik würde man allenfalls 150 PS vermuten; die handgeschaltete Variante fährt sich dagegen deutlich flotter. Was auffällt ist die gleichmäßige Leistungsentfaltung, denn bereits aus niedrigen Drehzahlen macht der Vierzylinder mit seinen zwei Litern Hubraum und der Kompressoraufladung für den erhöhten Druck in der Brennkammer einen agilen, drehfreudigen Eindruck und hängt gut am Gas. Der Normverbrauch eines Kompaktklassemodells wie dem Mazda 3 mit dem neuen Antriebskonzept und einem mageren Benzingemisch mit mehr Luft in der Brennkammer soll bei knapp über fünf Litern Superkraftstoff liegen - im Unterschied zur Konkurrenz auch im Alltag und nicht nur auf dem künstlichen Rollenprüfstand.

Auch wenn die Verbrennung in jedem einzelnen Zylinder in den allermeisten Fällen allein wie beim Diesel (Selbstzünder) durch den Überdruck ausgelöst wird, gibt es trotzdem eine Zündkerze. Diese wird insbesondere für den Kaltstart und besonders hohe Drehzahlen genutzt; im Teillastbetrieb bleibt diese funken- und somit arbeitslos. Für zusätzliche Effizienz soll eine Teilelektrifizierung mit 48-Volt-Bordnetz sorgen, die bereits bei einigen Serienmodellen wie der Mercedes S-Klasse, dem Audi A8 oder einem Bentley Bentayga verbaut ist. Ende 2018 soll die Kombination aus Diesel- und Benzinmotor erstmals bei einem Serienmodell aufgelegt werden. Anzunehmen, dass dies eben ein Kompaktklassemodell wie der kommende Mazda 3 ist, der dann effizienter denn je gegen Konkurrenten wie VW Golf, Ford Focus, Seat Ibiza, Opel Astra oder Renault Megane antreten wird - allesamt werden entweder mit einem Turbobenziner oder einem Dieselmotor angetrieben. Bedeckt hält sich Mazda, wie es zukünftig mit den hauseigenen Dieselmotoren aussehen soll. Wenn die Skyactiv-X-Benziner Einzug halten, dürften es jedoch besonders die kleinvolumigen Dieselmotoren schwer haben. Zumindest das sieht bei der Konkurrenz nicht anders aus.
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Quelle: Autoplenum, 2017-09-07

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