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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 2. Mai 2012

Kaum eine Marke in Europa wächst so schnell wie Chevrolet. Das macht den Amerikanern Mut. Deshalb krönen sie ihre noch aus koreanischen Zeiten von billigen Kleinwagen geprägte Modellpalette nun mit einem standesgemäßen Flaggschiff und bringen erstmals den Malibu offiziell über den Atlantik.

Wenn das Fünf-Meter-Modell, das seinen Namen vom Promi-Badeort vor den Toren von Los Angeles hat und seit den Fünfzigern als amerikanische Familienkutsche schlechthin gilt, im Juli zu Preisen um 30.000 Euro in den Handel kommt, ist der Straßenkreuzer längst der einzige, klassische Amischlitten, den man bei uns noch kaufen kann. Denn Cadillac ist kaum mehr als eine Randerscheinung und Chrysler hat sich vom Markt zurückgezogen. Doch so richtig amerikanisch ist auch der Chevy nicht. Denn gebaut wird das Auto zumindest für die EU-Märkte in Korea, und unter dem Blech steckt die Plattform des Opel Insignia. Das macht den Malibu zum Multi-Kulti-Modell, das in den Augen seiner Väter das Beste aus drei Welten vereint.

Von den Amerikanern hat der Malibu sein ausladendes Format von 4,87 Metern und das Design, das bis auf die vom Muscle-Car Camaro inspirierten Rückleuchten und das riesige, golden glänzende Bowtie im Grill allerdings ziemlich unauffällig bleibt. Von den Koreanern hat er den für ein US-Modell überraschend liebevoll und sauber verarbeiteten Innenraum der obendrein mehr Platz bietet als manche Luxuslimousine. Und von Opel hat er den ebenso entspannten wie bestimmten Fahreindruck. Denn der Malibu federt ordentlich, lenkt präzise und ist vor allem ungeheuer leise. Das macht ihn zum perfekten Cruiser, der mit ruhigem Puls und langem Atem auf große Fahrt geht.

Nur eilig darf man es dabei nicht haben. Zumindest mit dem Benziner. Der hat zwar 2,4 Liter Hubraum, kommt aber nur auf magere 123 kW/167 PS und 225 Nm. Vor allem in der Automatik-Version hat er deshalb mit dem langen Lulatsch seine liebe Mühe: 10,2 Sekunden bis Tempo 100 und 206 km/h Spitze – da fährt dem Straßenkreuzer mancher Kleinwagen davon.

Kein Wunder, das Chevrolet mit der Markteinführung hierzulande bis zur Premiere des Diesels wartet. Der kommt selbst aus Deutschland und verspricht zumindest auf dem Papier die deutlich bessere Performance: Zwei Liter Hubraum, 118 kW/160 PS und maximal 350 Nm sollten für eine sportliche Gangart genügen. Und statt mit 7,8 wie der Benziner ist der Selbstzünder obendrein mit 5,3 Litern zufrieden.

Was durch und durch amerikanisch ist am Malibu, das sind die üppigen Platzverhältnisse und die Ausstattung. Navigation, Lederpolster, Klimaautomatik oder Xenonlampen-Scheinwerfer: Alles, was man bei der Konkurrenz und auch bei der Schwestermarke Opel teuer bezahlen muss, ist bei Chevrolet schon in der Serienausstattung enthalten. Die Preisliste kennt deshalb nur zwei Optionen: Metalliclack und Automatikgetriebe.

Was dafür fehlt, sind die vielen intelligenten Assistenzsysteme des Insignia: Adaptives Kurvenlicht, Verkehrszeichenerkennung, Abstandregelung, Spurführungshilfe – all das kann der Malibu nicht bieten. Aber erstens müssen die zehn bis zwanzig Prozent Preisunterschied ja irgendwo her kommen, zweitens seien die Chevrolet-Kunden für solche Extras zu knausrig, argumentieren die Amerikaner. Und drittens muss es ja auch noch ein paar Gründe geben, weshalb man den Insignia kaufen soll.

Der Name und das Design könnten amerikanischer kaum sein. Doch gebaut wird der neue Chevrolet Malibu in Korea, und die Technik unter dem Blech stammt von Opel. Das Beste aus drei Welten? Ganz so weit muss man vielleicht nicht gehen. Aber auf jeden Fall bietet der Straßenkreuzer viel Auto fürs Geld.

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Fazit
Der Name und das Design könnten amerikanischer kaum sein. Doch gebaut wird der neue Chevrolet Malibu in Korea, und die Technik unter dem Blech stammt von Opel. Das Beste aus drei Welten? Ganz so weit muss man vielleicht nicht gehen. Aber auf jeden Fall bietet der Straßenkreuzer viel Auto fürs Geld.

Quelle: Autoplenum, 2012-05-02

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