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Testbericht

Stefan Grundhoff, 5. Februar 2017
Die Zeiten, in denen junge Klassiker zu coolen Trendmobilen für den Alltag wurden, neigen sich bald dem Ende. Die zukünftigen Youngtimer sind langweilig und wecken keinerlei Emotionen.

Irgendwie ging es schon Ende der 90er Jahre los. Die einen begeisterten sich für einen alten Ford Granada 2.3 Ghia, andere für einen Mercedes 450 SEL, einen Peugeot 504 oder einen 733er BMW und natürlich loderte da bei vielen dieses ansteckende 911er-Feuer - gefährlich, gefährlich. Gebrauchtwagen aus den 70er und 80er Jahren, für die sich Anfang / Mitte der 90er kein Mensch interessierte, waren immer noch günstig, wurden jedoch immer begehrter. Ein gelber Mercedes 350 SLC von 1978 kostete mit nicht einmal 100.000 Kilometern auf der Uhr 1996 kaum mehr als 5.000 Mark. Ein 1986er BMW 735i der frühen E32er-Baureihe lag mit 200.000 Kilometern in gutem Zustand bei 8.000 Mark. An das Potenzial zur Wertsteigerung dachten damals nur wenige. Die meisten historisch angefixten Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren wollten das Auto fahren, das einst auch Vater, Onkel oder Freunde bewegten. Ober eben das Auto, das sich das eigene Familienoberhaupt damals nicht leisten wollten / konnte. Jetzt ging genau das. Luxus, Historie, eigene Vergangenheit, Fahrspaß und Alltagsnutzen zum bezahlbaren Preis.

Gerade die Fahrzeuge aus der deutschen Luxusklasse hatten bereits in den 70ern eine Qualität, dass man diese auch 15 bis 20 Jahre später im harten Zwölf-Monats-Alltag fahren konnte. Daueraufenthalte in der Werkstatt waren eher die Ausnahme - die Reparaturkosten zumeist überschaubar und dann gab es da noch die günstigen Schrottplätze für Ersatzteile. Das sah bei Modellen aus Italien oder Frankreich zumeist etwas anders aus. Auch hier stand der Autoverwerter gerne parat und viele Ersatzteile waren nicht teuer. Doch Wartungsaufwand, Elektronik- und Rostprobleme waren charmant, machten das Ganze aber teuer - kaum geeignet für einen betagten Ganzjahreseinsatz.

Aus diesem Trend wurde in den 2000er-Jahren eine überaus kraftvolle Youngtimerwelle. Die ersten Modelle, zumeist Sportwagen oder Luxuskarossen mit geringer Laufleistung, schossen mit ihren Preisen schnell durch die Decke. Es war über Nacht schick, einen coolen Youngtimer zu fahren, der viel mehr war, als ein betagter Gebrauchtwagen mit ein paar Jahren zu viel auf dem Buckel. Es formierten sich Clubs, Veranstaltungen und wochenendliche Ausfahrten. Die Youngtimer wurde immer begehrter und rutschen nicht nur in Sachen Wert längst an die begehrten Oldtimer heran, die von diesem Klassikschub ebenfalls profitierten - schließlich wird jeder Youngtimer nach 25 bis 30 Jahren auch einmal ein echter Oldtimer.

Doch damit dürfte es bald Schluss sein. Denn wer sich eine Mercedes E-Klasse der Baureihe W 210 ab 1997 oder einen Opel Senator aus den 90ern anschaut, der dürfte sich dieses Fahrzeug kaum als begehrenswerten Klassiker der Zukunft vorstellen. Das sieht bei ersten Generationen des Ford Mondeo, einem Peugeot 405 oder dem durchaus innovativen Fiat Croma kaum anders aus. Natürlich lassen sich diese Modelle ebenso wie ein BMW 3er der Baureihe E 30 oder ein Audi 80 der Serien B3 / B4 vorzüglich im Alltag bewegen. Doch eine Begehrlichkeit wecken diese Fahrzeuge zumeist weder in Sachen Design, noch bei Antrieb oder Technik. Bei vielen Modellen handelt es sich weitgehend herstellerunabhängig um richtig gute Autos mit einer zeitgemäßen Ausstattung. Airbags, ABS, Komfortdetails und Bordcomputer hatten jedoch ebenso wie Autotelefone oder elektrische Sitzverstellungen nicht nur in die Modelle der Luxusklasse Einzug gehalten. Ein Reiserechner wie seinerzeit in der Mercedes S-Klasse der Reihe W 126 oder eine besonders exklusive Lederausstattung im Jaguar XJ bringt Auto- und Klassikfans jedoch ebenso kaum in Wallung wie die zahllosen Fehlfarben, die Anfang der 90er zu einem heißen Trend wurden. Nicht nur bei damaligen Sportmodellen gibt es wenig ansehnliche Bi-Color-Entgleisungen, giftgrüne Zierleisten und Sitze mit zerrüttetem Psychomuster. Nicht alles das, was selten ist, ist auch schön. BMW Individual, Mercedes Designo oder Porsche Exklusiv bieten zahllose Beispiele im ehemaligen Hochpreissegment.

Die coolen Youngtimer in Statur von Allerweltsautos wie Mercedes E-Klasse W 123, BMW 3er E21 oder Audi Ur-Quattro werden daher keine Nachfahren bekommen, weil diese im Laufe der Jahre zu Oldtimern wurden - bisweilen sogar noch zu vertretbaren, aber steigenden Preisen. Doch dass die bevorzugt männlichen Autofans, mit den Fahrzeugen der 90er oder gar 2000er Jahre einen automobilen Teil ihrer Jugend zurückholen wollen, ist kaum anzunehmen. So werden die Jahrzeuge aus der zweiten Hälfte der 90er und frühen 2000er Jahre keine Youngtimer mit Aussicht auf stattliche Wertsteigerungen, sondern nicht mehr als schnöde Gebrauchtwagen im Alter von 15, 20 oder 25 Jahren mit zumeist opulenten Laufleistungen.

Keine Regel ohne Ausnahme. Und so gibt es natürlich auch ein paar Autos, die auch weiterhin das Zeug zu begehrten Young- und dann Oldtimern haben. Dies gilt insbesondere für echte Sportwagen. Die lange Zeit nur in der zweiten Reihe parkenden Porsche 911 der Baureihe 996 (Baujahre 1998 bis 2004) sind begehrter denn je und auch Fahrzeuge von Jaguar (X 100), Ferrari (550 Maranello) oder Aston Martin (DB 7) ab Mitte der 90er Jahre schwingen sich langsam auf, teure Klassiker von morgen zu werden. Alle die hier zuschlagen wollen, sollten es schnell tun. Die Preise gehen bald durch die Decke.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: press-inform, 2017-02-05

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