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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 16. Dezember 2014
Citroën hat dem DS3 einen neuen Motor, City-Notbremsassistenten und ein frisches Gesicht verpasst. Die marginale Überarbeitung zeigt, welche Pläne die Franzosen mit dem Premium-Ableger verfolgen.

Die Göttin ist gütig. Der Citroën DS, Baujahr 1961 verharrt in sich selbst ruhend im ersten Stock der 33 Rue François 1er - eine der teuersten Ecken der französischen Hauptstadt. Unweit des Triumphbogens, Nobelboutiquen in Rufweite. Der blassgelbe Lack schimmert genauso im Scheinwerferlicht, wie die Chrom-Stoßstange. Als die französische Limousine 1955 auf dem Pariser Autosalon das Licht der Welt erblickte, war die progressive, einzigartige Designsprache ein automobiler Paukenschlag. Lange profitierte Citroën von dem gelungen Automobil, das schnell den Spitznamen "Die Göttin" bekam: Superschurke Fantomas schlug dem cholerischen Kommissar Juve, gespielt vom unvergessen Louis de Funes, in einer fliegenden DS ein Schnippchen.

Zwei Stockwerke tiefer geben die Nachfolger ihr Bestes, die glorreiche Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Im Moment ist der Name DS wenig mehr als eine Ausstattungslinie. Immerhin hat Citroën dem DS3 zwei neue Motoren spendiert. Einen akustisch präsenten 120-PS-Diesel und einen 165-PS-Benziner, der einen, um zehn Pferdestärken härteren Haken schlägt, als bisher und dabei Euro 6 erreicht. Der knackigere Punch ist im Alltag nur marginal spürbar, dennoch erweist sich der stärkste Verbrennungsmotor als gute Ergänzung zum DS 3. In 8,1 Sekunden knackt der französische Lifestyle-Kleinwagen aus dem Stand die 100-km/h-Marke und geht bis zu 190 Km/h schnell. Der DS3 kostet 24.490 Euro und ist damit um 690 Euro teurer als ein Mini Cooper S, ist aber besser ausgestattet. Mit einem Verbrauch von 5,6 Liter pro 100 Kilometer kann sich der DS3 sehen lassen, bei ersten Testfahrten waren es aber 7,9 Liter pro 100 km.

Im Alltag erweist sich die französische Kombination ebenfalls als durchaus schlagkräftig, ohne das kompromisslose Gokart-Gefühl eines Mini Coopers aufkommen zu lassen. Das Triebwerk hängt gut am Gas und dreht so willig hoch, dass man nie das Gefühl hat, untermotorisiert zu sein. Im Kurven gibt ein ähnliches Bild: Die präzise aber einen Schuss zu leichtgängige Lenkung weist dem 1.215 Kilogramm schweren Franzosen den Weg. Die serienmäßigen Sportsitze sind bequem und gewähren einen guten Seitenhalt. Allerdings thront man etwas zu hoch über den Asphalt, sodass die schrägstehenden und breiten A-Säulen bisweilen das Blickfeld beeinträchtigen. Auch nach hinten ist die Sicht nicht sonderlich überragend. Parksensoren für 390 Euro sind da hilfreich.

Das Interieur überzeugt mit poppigen Farben und einer vernünftigen Verarbeitung. Auch die ineinander verschachtelten Rundinstrumente gefallen nach wie vor. Dass im Fond nicht wirklich viel Platz ist, dürfte bei einem Kleinwagen niemanden wirklich überraschen. Wer Nutzen statt französische Extravaganz will, ist beim Skoda Fabia besser aufgehoben. Das merkt man auch am Kofferraum, der 285 Liter fasst, aber beim Beladen mit einer hohen Ladekante und einem tiefen Boden dahinter, das Hineinwuchten des Gepäcks erschwert. Bei den Assistenzsystemen hat sich auch etwas getan: Der DS hat jetzt einen City-Notbremsassistenten ab Werk ohne Aufpreis verbaut, der hilft, bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h Kollisionen zu vermeiden. Dass das Licht immer wichtiger wird, ist auch in Paris keine Neuigkeit mehr. Deswegen gibt es beim DS3 jetzt serienmäßig neue Scheinwerfer, interessanterweise mit drei LED-Leuchten plus einer Xenon-Lampe. Ein Grund für diese außergewöhnliche Kombination ist, dass die Dioden nicht stark genug sind, um die Straße genügend auszuleuchten und die aufwendigen LED-Module noch zu teuer sind. Deswegen wird das Xenon-Licht als Verstärkung dazu geschaltet. So etwas ergibt für einen deutschen Ingenieur wenig Sinn. Aber die Franzosen legen Wert auf Design und haben eine Lichtgrafik aus beiden Beleuchtungsarten komponiert, die dem DS3 einen distinguierten Auftritt verschaffen soll.

Dieser Design-Kniff zeigt, wohin die Reise bei den DS-Modellen geht: Nicht pure Technologie, sondern Innovationen, extravagantes Design und Liebe zum Detail soll die Käufer von der Citroën-Premium-Marke überzeugen. Dass die Luft gerade im Premium-Segment dünn ist, weiß auch Arnaud Ribault. "Wir können die deutschen Hersteller nicht reiner Motorkraft und Technologie schlagen", sagt der Vizepräsident des globalen Marketings realistisch. Die DS-Kunden sollen extrovertierte Trendsetter sein, denen Aussehen wichtiger ist, als PS-Kraft. "Die DS-Käufer tragen H&M unter der Woche und Chanel am Wochenende", malt Ribault das Bild der zukünftigen Kunden. Deswegen wird es auch kein Auto mit mehr als 300 PS geben und der DS6 wird den Weg nach Europa nicht schaffen. Die Franzosen wissen, dass sie einen langen Atem brauchen, um sich im Premium-Segment zu etablieren. Als Blaupause dient dabei Audi, die es geschafft haben, das Image von der Altherren-Marke zu einer sportlichen zu ändern. In 15 bis 20 Jahren soll DS dann ein echter Spieler im automobilen Luxus-Bereich sein. Ob der finanziell klamme PSA-Konzern einen so langen Atem hat, bleibt abzuwarten. Mit einem neuen Vorstand könnte alles sehr schnell ganz anders aussehen. Immerhin ist in Asien die DS-Produktlinie durchaus erfolgreich.

Bis 2020 sind die Meilensteine schon gesetzt: Neben einem verbesserten DS5, wird es sechs weitere Autos geben. Auch kleine SUVs, die in direkter Konkurrenz zum Vorbild Audi stehen. Dass eine Hybridisierung mit einer elektrischen Mindestreichweite von 50 km ebenso im Lastenheft der französischen Ingenieure steht, wie ein Allradantrieb pfeifen die Spatzen von den Pariser Dächern. Die Pläne der DS-Strategen klingen gut. Klar ist aber auch, dass es mehr braucht, als witziges Design und eine einigermaßen ansprechende Verarbeitung, um im Premium-Segment erfolgreich zu sein. Bisher ist DS in der Wahrnehmung der Käufer nur wenig mehr, als eine Ausstattungslinie. Das weiß auch Arnaud Ribault: "Es muss einen wieder einen DS geben, der die Automobilwelt ebenso aufhorchen lässt, wie der erste DS von knapp 60 Jahren." Die Göttin im ersten Stock der Pariser DS-Welt wird solche Sätze gerne hören.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2014-12-16

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