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Testbericht

Stefan Grundhoff, 28. Mai 2012
Chevrolet setzt seiner Camaro-Familie die Krone auf. Der Camaro ZL1 tritt in die Fußstapfen der grandiosen Corvette ZR1.

Bereits der optische Auftritt flößt einem Respekt ein. Aufgeblasene Kotflügelbacken, fette 20-Zöller und eine farblich abgesetzte Alu-Motorhaube mit Karbon-Aufsatz - dieser Chevrolet Camaro ist im Straßenverkehr ebenso wenig nicht zu spaßen aufgelegt wie auf der Rennstrecke. General Motors verpflanzte das kapitale 6,2 Liter große Kompressor-Triebwerk der Corvette ZR1 kurzerhand in den Camaro und verlieh dem ohnehin sportlichen US-Sportcoupé so Flügel. Der brüllende Achtzylinder leistet 433 kW / 590 PS und ein gewaltiges Drehmoment von 754 Nm. Ist der Kompressor erst einmal zum Leben erwacht, gibt es für den Piloten des ZL1 bei haftbarem Untergrund kein Halten mehr. 0 auf Tempo 100 schafft der wild trampelnde US-Bulle in 3,9 Sekunden und lässt dabei einiges seiner Pneus auf dem Asphalt liegen.

Geschaltet wird urwüchsig manuell. Das MG9-Getriebe ist knochig, kann jedoch mit den Leistungsausbrüchen des sportlichsten Camaro aller Zeiten gut umgehen. Wer unbedingt will und einen Teil der Dynamik einbüßen will, kann sich für die optionale Sechsgang-Automatik vom Typ HydraMatic 6L90 entscheiden. Mit seinem Fahrverhalten orientiert sich der Hochleistungs-Camaro an der fahrdynamisch exzellenten Corvette ZR1, kann jedoch trotz elektronischer Dämpferabstimmung Magnetic Ride und den drei Programmen Tour, Sport und Track nicht an ihr kratzen. Gerade die Federung der Hinterachse wirkt recht hölzern. Für den Raketenstart verfügt der 580 PS starke ZL1 zudem über eine Launch Control, die Leistung artgerecht auf die Fahrbahn bannt.

"Das ganze Können des ZL1 sieht man auf der Nordschleife des Nürburgrings", so Aaron Link, verantwortlich für das Fahrwerk des Kraftprotzes, "hier sieht man einen extrem gut abgestimmten Sportwagen, der einen sicher durch jede Kurve bringt. Selbst bei 260 km/h kann man einfach auf dem Gas bleiben. Der ZL1 war bei den Testfahrten in der Eifel wirklich brillant." Die Zeit konnte sich sehen lassen, denn für die Hochgeschwindigkeitsfahrt durch die grüne Hölle brauchte der Amerikaner gerade einmal 7,41 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit des Chevrolet Camaro ZL1 liegt bei 290 km/h, währen die Automatikversion sogar 295 km/h schafft. Unter 16 Liter Verbrauch ist da kaum etwas zu machen.

"Der Nürburgring ist anders als jede andere Rennstrecke auf der Welt", ergänzt Camaro-Chefentwickler Al Oppenheiser, "jede Runde beinhaltet lange Geraden, unzählige Kurven, scharfe Kehren und große Höhenunterschiede. Um auf dem Ring schnell zu sein, muss ein Auto wirklich überall gut sein." Eine Hochleistungsbremsanlage von Brembo mit sechs Kolben vorne und vier Kolben hinten sorgt auf Rennstrecken für eine entsprechende Verzögerung. Der Sound des großvolumigen Achtzylinders ist mächtig, wird Dank Bypass jedoch erst bei hohen Drehzahlen zu einem wahren Genuss. Der Ur-ZL1 von 1969 war nicht nur auf der Straße, sondern auch bei Beschleunigungsrennen in den USA gefürchtet. "Wir wissen, dass einige unserer Kunden auch die neue ZL1 wieder zu solchen Rennen mitnehmen werden", erzählt Antriebsentwickler Gordon Rojewski, selbst erfahrener Drag-Race-Pilot, "einige werden nur einmal testen, was ihr ZL1 hier kann - andere werden öfter können und sich immer wieder davon überzeugen können, was der Camaro bringt."

Im Gegensatz zum Außendesign und dem Antrieb kann der Innenraum des Camaro ZL1 jedoch nicht überzeugen. Die vollelektrischen Sitze bieten zwar genügend Seitenhalt, sind jedoch zu weich und lassen sich in der Weite nicht verstellen. Der serienmäßige Teillederbezug präsentiert nicht gerade hochwertig und so einfallsreich die Retro-Instrumente im Armaturenbrett und in der Mittelkonsole auch sein mögen - wertig ist anders. Assistenzsysteme außer ESP oder ein Navigationssystem gibt es selbst beim Topmodell des Chevrolet Camaro nicht einmal gegen Aufpreis. In den USA wird der Chevrolet Camaro ZL1 für faire 54.000 US-Dollar angeboten. In Deutschland ist der ZL1 aktuell noch nicht auf dem Markt. US-Importeure rufen aktuell jedoch Preise von bis zu 80.000 Euro auf.
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Testwertung
5.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2012-05-28

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