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Testbericht

Sebastian Viehmann, 18. Oktober 2011
Mit dem Camaro knüpft Chevrolet an das Urmodell von 1967 an. Doch in Europa wurde vor allem die zweite und vielleicht schönste Generation der US-Asphaltfräse bekannt. Eine Zeitreise in die grellen 70er.

Der Arm ist lässig aus dem Fenster gelehnt, aus dem Radio schmettert „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynrd und vor dem gewaltigen Blechbug breitet sich die Landstraße bis zum Horizont aus: Das ist der American Drive im Jahre 1974. Unter der Haube des Chevrolet Camaro LT wummert natürlich ein V8-Motor vor sich hin. Der ist Mitte der 70er mit 5,7 Litern Hubraum zwar noch groß, aber mit 185 PS längst nicht mehr so stark wie vor der Ölkrise.

Für die scharfen Tempolimits – 89 Km/h darf man zum Beispiel in Kalifornien noch fahren – reicht das allerdings locker aus. Und bei all dem Aufruhr in der Welt – US-Präsident Nixon tritt nach der Watergate-Affäre zurück, im Nahen Osten kann es jederzeit wieder knallen, Muhammad Ali und George Foreman prügeln sich beim „Rumble in the Jungle“ in Zaire – kann man ein bisschen Entspannung gut gebrauchen.

Für einen klassischen Ami-Schlitten fährt sich der metallic-orangene Camaro überraschend handlich, auch wenn mit 1,7 Tonnen Leergewicht und simpler Hinterachskonstruktion kein Dynamik-Preis zu gewinnen ist. Doch die großen Ledersessel sind urgemütlich, der luftige Innenraum und die ellenlangen Seitenfenster scheinen zu sagen: Hier musst du dich nicht einschränken, Kumpel. Der Automatik-Wahlhebel sitzt so weit vorn, dass man bequem mit der Beifahrerin Händchen halten kann. Und selbst mit gedrosselter Leistung steht noch genügend Power für qualmende Reifen und heiße Ampelduelle parat.

Der Camaro war schon immer ein Auto, mit dem ordentlich auf den Putz hauen konnte. „Ein kleines böses Tier, das Mustangs frisst“, versprach Chevrolet 1966 bei der Präsentation der ersten Modellgeneration in Detroit. General Motors war nämlich zwei Jahre zuvor vom Erfolg des Ford Mustang kalt erwischt worden. Doch schon bevor es den Mustang gab, hatte Chevrolet über ein sportliches Kompaktauto nachgedacht. Auf Basis des braven Kompaktwagens Chevy II entstand so der Camaro.

Das Auto war eine günstige Rennsemmel und hatte alles, was ein Pony Car brauchte: Das „Long hood, short deck“-Design (lange Motorhaube, kurzes Heck), sportliche Einzelsitze, kräftige Motoren und auf Wunsch Rallyestreifen-Kriegsbemalung. Leistung gab es natürlich satt, angefangen vom 3,8 Liter großen Sechszylinder bis zur V8-Maschine mit 5,7 Litern Hubraum. Weniger gelungen war die Straßenlage. Bei starker Beschleunigung kam die simple Hinterachskonstruktion mit Einblattfedern nicht mehr ganz mit.

Die aktuelle fünfte Camaro-Generation lehnt sich optisch stark an das Original aus den 60ern an. Doch erst die zweite Generation aus den 70er Jahren traf den europäischen Geschmack und fand durch einen günstigen Dollarkurs auch hierzulande viele Freunde. Das erste Modell dieser Baureihe wurde als 70 ½ bekannt und ähnelte seinem Vorgänger in der Konstruktion stark – das Blechkleid allerdings war nicht mehr so kantig und fast schon europäisch geraten. Unter der Haube ging es mit einem 155 PS starken V6-Aggregat los, die Spitze der Nahrungskette bildete ein fetter V8 mit 6,5 Litern Hubraum und 375 PS.

Für Adrenalinschübe bei jungen Rasern – und für Albträume bei Versicherungen, Verkehrspolizisten und ruhebedürftigen Zeitgenossen – sorgte das Top-Modell Z28. Befeuert von einem 360 PS starken Motor mit hoher Verdichtung, rannte der Wagen bei einem Test des US-Automagazins „Car and Driver“ in 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Viertelmeile, also die klassische Duell-Distanz für Heißsporne mit Benzin im Blut, schaffte er in 14,2 Sekunden bei einer Geschwindigkeit von 160 km/h.

In den späten 70ern waren PS-Bolzen nicht mehr angesagt, schon Anfang der 70er hatten hohe Spritpreise, gestiegene Versicherungsprämien und Umweltschutzbestimmungen den Trend der aufgemotzten Pony Cars und hubraumstarken Muscle Cars abgewürgt. Doch der Camaro drehte noch einmal richtig auf. Obwohl er dem Vorjahresmodell fast 1:1 entsprach, erwies sich der 1979er Camaro als das bis dahin populärste Modell. Die neue Ausstattungsvariante „Berlinetta“, zu der unter anderem ein neues Armaturenbrett mit moderner Instrumentenausstattung gehörte, führte zu einem Rekordabsatz von 283.000 Camaros.1982 war es dann aber vorbei mit der schnittigen Form. Die dritte Generation brachte einen völlig anderen, kastenförmigen Look mit eckigen Doppelscheinwerfern. Das Auto blieb ebenso wie die vierte Generation (1993 bis 2002) etwas uninspiriert. Erst die fünfte Generation, die auch in Europa zu haben ist, sorgt wieder für Kribbeln im Bauch. Und sie ist tatsächlich ein Mustang-Fresser: Zurzeit verkauft sich der Camaro in den USA besser als sein Gegenspieler von Ford.
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Quelle: Autoplenum, 2011-10-18

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