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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 15. Oktober 2010

„Yes, we can.“ Das ist nicht nur der Wahlspruch des aktuellen US-Präsidenten, sondern das könnte auch das Motto von Cadillac sein. Denn so unbeirrt wie Barack Obama glaubt auch die Luxusdivision von General Motors daran, das alles möglich ist, wenn man nur will – selbst der Erfolg in Europa. Obwohl bislang noch kein Anlauf so richtig geklappt hat und der letzte Versuch mit der Pleite des Generalimporteurs Kroymans vor knapp zwei Jahren besonders gründlich in die Hose gegangen ist, starten die Amerikaner jetzt den nächsten Versuch und bringen Cadillac zurück nach Europa: Gleich fünf verschiedene Modelle sind auf dem Weg zu einem neu sortierten Händlernetz und sollen dort schon in wenigen Wochen ausgeliefert werden.

Bei ihrem Comeback mit Ecken und Kanten bauen die Amerikaner vor allem auf den CTS. Konstruiert auf einer vergleichsweise neuen Plattform für Heck- oder Allradantrieb hat das Designerstück mit der scharkantigen Karosse das Format von Fünfer BMW und Mercedes E-Klasse – und fast dieselbe Vielfalt. Denn neben der Limousine für mindestens 47.490 Euro gibt es nach fast schon europäischem Geschmack auch einen Kombi (plus 2.500 Euro) und seit ein paar Wochen sogar ein besonders schräges Coupé (ab 54.136 Euro).

Auch unter der Haube haben die Kunden die Wahl: Limousine und Kombi verkaufen die Amerikaner mit V6-Motoren mit 3,0 Litern Hubraum und 203 kW/276 PS oder 3,6 Litern Hubraum und 229 kW/311 PS sowie als Affront gegen AMG & Co auch als V8-Boliden im Kampfanzug. Dann trägt der CTS ein „V“ im Typenkürzel und kommt auf 415 kW/564 PS, mit denen er sogar die Tempo 300-Marke knackt. Beim Coupé ist das Motorenprogramm identisch, nur der kleine V6 entfällt.

Wie es sich für eine gute, alte amerikanische Marke gehört, verkauft Cadillac natürlich auch Geländewagen. Dabei bedienen die Amerikaner mit dem Escalade (ab 75.990 Euro) alle alten Vorurteile. Der feudale Allradler ist mit seinen rund 5,20 Metern Länge ein gigantisches Dickschiff, mit knapp drei Tonnen schwer wie ein Elefant und mit seinem 300 kW/409 PS starken V8-Motor so versoffen wie drei Kleinwagen: Fast 15 Liter weist das Datenblatt als Durchschnittswert aus. Doch gibt es fürs schlechte Gewissen einen kleinen Trost: Für 6.500 Euro mehr verkauft Cadillac den Escalade auch als Hybrid: Sein V8 hat dann zwar nur noch sechs Liter Hubraum und 248 kW/337 PS, aber dafür fällt der Verbrauch auf 11,1 Liter.
Dass es auch ganz anders geht, beweisen die Amerikaner mit dem kleinen Bruder SRX. Viel moderner gezeichnet und einen halben Meter gekürzt, fährt er gegen M-Klasse & Co mit einem kleinen V6-Direkteinspritzer. Er hat drei Liter Hubraum, kommt auf 197 kW/268 PS und ist allemal stark genug für einen entspannten Cruise auf dem German Highway. Außerdem ist er mit einem Grundpreis von 52.950 Euro gut ein Drittel billiger.

Obwohl die Palette für Europa damit umfangreicher ist als je zuvor, wollen es die Amerikaner dabei nicht bewenden lassen: „Seit unser Mutterkonzern General Motors ein paar Marken eingestellt hat, ist unsere Bedeutung im Unternehmen gewachsen“, sagt Europachef Wolfgang Schubert und spekuliert deshalb auf mehr Cadillac-Ingenieure in Detroit, die ihm ein paar dringende Wünsche erfüllen sollen. Eine kleinere Limousine im Format eines Dreier BMW ist bereits versprochen und soll anders als der vom Saab 9-3 abgeleitete BLS ein „echter Cadillac“ mit Heckantrieb und V8-Option werden. Und einen weiteren Geländewagen zwischen SRX und Escalade hätte Schubert auch gerne.

Sie sind das Stehaufmännchen der Autobranche: Immer wieder gebeutelt, wollen es die Amerikaner jetzt in Europa noch einmal wissen und wagen mit Cadillac den nächsten Neustart.

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Fazit
Sie sind das Stehaufmännchen der Autobranche: Immer wieder gebeutelt, wollen es die Amerikaner jetzt in Europa noch einmal wissen und wagen mit Cadillac den nächsten Neustart.

Quelle: Autoplenum, 2010-10-15

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