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Testbericht

Sebastian Viehmann, 9. März 2011
Ein Chrysler-Lancia ist Ihnen nicht mehr amerikanisch genug? Da könnte Cadillac in die Bresche springen. Der CTS Sport Wagon ist ein Allrad-Kombi mit viel PS und Exoten-Status. Ein paar Macken hat er aber auch.

Ja, dieses Auto fällt auf. „Sie laufen in Europa eher einem Aston Martin über den Weg als einem Cadillac“, sagt Cadillac Europe-Chef Wolfgang Schubert. Seit einigen Monaten läuft der Vertrieb der Nobelmarke wieder unter dem Dach von GM, das Händlernetz wurde deutlich verschlankt – vielleicht zu stark, denn einige Metropolen wie Frankfurt oder Berlin müssen erst wieder neu besetzt werden. So oder so ist jeder Caddy ein Exot auf deutschen Straßen, aber auch ein Hingucker. Das gilt besonders für den CTS.

Der 4,8 Meter lange Kombi spart nicht mit Ecken und Kanten und hat eine sanft ansteigende Hüftlinie. Der Kofferraum ist wegen des abfallenden Hecks ziemlich niedrig, hat aber eine breite Ladekante. Das Gepäckabteil schluckt 412 Liter, bei umgelegten Rücksitzen werden es bis unters Dach 1484 Liter. Praktisch sind die Laderaumschienen und Verzurrösen aus Metall. Das Platzangebot im Fond ist für Erwachsene befriedigend – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Sicht nach hinten ist wegen der kleinen hinteren Fensterchen dürftig, allerdings hat jeder CTS eine Rückfahrkamera serienmäßig an Bord.

Hinter dem Steuer erwartet den Piloten eine solide Noblesse. Das Cockpit wirkt sauber verarbeitet und ist angenehm ruhig gestaltet, ohne Leuchtdioden-Orgien oder verspielte Design-Gimmicks. Der große Navigationsbildschirm fährt beim Start elektrisch aus der Mittelkonsole heraus. Die Ledersitze sind bequem, dürften aber an den Wangen etwas straffer sein. Unpraktisch ist die Skalierung des Tachos, die von 30 über 60 nach 90 springt – das wichtige City-Tempo 50 hat man nicht gut im Blick.

Die Ausstattung des CTS Sport Wagon (ab 276 PS und 49.990 Euro) ist so üppig wie ein amerikanisches Frühstücksbuffet. Unter anderem gibt es schon beim Basismodell elektrisch verstell- und beheizbare Ledersitze, Tempomat, Automatikgetriebe, Zweizonen-Klimaautomatik, Radio und DVD-System mit Festplattennavigation, Rückfahrkamera und Parksensoren, Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht und eine elektrisch öffnende Heckklappe.

Beim 57.605 Euro teuren Top-Modell Sport Luxury mit 311 PS und Allradantrieb werden nur noch für das Panorama-Sonnendach (2030 Euro), für die Echtholz-Applikationen im Cockpit und für Sonderlackierungen Extrakosten fällig. Da können sich die deutschen Premium-Marken mit ihrer Aufpreispolitik eigentlich nur in die Ecke stellen und schämen. Beim Thema Assistenzsysteme muss Cadillac aber noch nachrüsten, schließlich will man in der Premium-Liga mitspielen. Der CTS hat weder Totwinkelassistent noch Spurwechselwarner, Abstandsregeltempomat oder ein Head-Up-Display anzubieten. Dabei wären einige der Techniken im GM-Konzern durchaus vorhanden.

Unter der Haube des CTS 3.6 AWD wartet ein V6-Benziner mit 311 PS und 386 Newtonmetern Drehmoment auf seinen Einsatz. Das 3,6 Liter große Aggregat überzeugt mit seinem kraftvollen Sound, einem guten Durchzug ab 3000 Touren und ordentlichen, wenn auch für diese PS-Klasse nicht überragenden Fahrleistungen (Beschleunigung von 0 auf 100 Km/h in 6,7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 225 Km/h). Unterhalb von 3000 Touren bleibt der V6 etwas zäh. Die serienmäßige Sechsgang-Automatik schaltet weich, könnte ihren Job aber schneller erledigen. Auch Schaltwippen am Lenkrad fehlen, das Rumhantieren am Hebel auf der Mittelkonsole im manuellen Modus ist in der Premium-Liga nicht mehr zeitgemäß.

In Sachen Fahrkomfort kann der CTS Sport Wagon voll überzeugen. Gepaart mit einer ausgezeichneten Geräuschdämmung, gleitet der Cadillac höchst angenehm über die Bahn. Dank Allradantrieb ist die Traktion in schnellen Kurven immer gewährleistet. Dass der Amerikaner mit seinen 1,9 Tonnen Lebendgewicht ein richtig schwerer Brocken ist, merkt man ihm erst in schnellen Kurven an. Dort gibt sich das insgesamt gut abgestimmte Fahrwerk vor allem auf unebener Straße etwas hölzern und steckt Schläge nicht so gut weg wie zum Beispiel ein 5er BMW. Die Lenkübersetzung des CTS ist für eine forsche Fahrweise zu indirekt, auf Langstreckenfahrten lernt man die ruhige Servolenkung dafür schätzen.

Insgesamt empfiehlt sich der Caddy trotz mancher Mankos als elegante und äußerst fair gepreiste Alternative zu anderen Lifestyle-Kombis. Das große Potenzial der Diesel-Fans nutzen die Amerikaner allerdings nicht. In den wichtigen Märkten USA oder China spielt der Selbstzünder keine Rolle, und für ein paar tausend Autos auf dem europäischen Markt dürfte Cadillac so schnell keinen Dieselmotor unter die Haube pflanzen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-03-09

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