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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 1. Januar 2014
In Argentinien blüht die Sammlerfreude an BMW-Youngtimern. Die Freude an den Autos aus München wird durch die Restriktionen des Protektionismus behindert.

Alejandro Novak ist ein zurückhaltender Mann. Fein gekleidet, mit gutsitzendem dunkelblauen Zwirn spricht der Anwalt, der in Buenos Aires praktiziert, ruhig und wählt seine Worte mit Bedacht. Doch sobald es um "sein Auto" geht, beginnen die Augen des Mittvierzigers zu strahlen und die Stimme bekommt einen freudigen Unterton, der auch mit einer gehörigen Portion Stolz vermengt ist. Diese Emotion dürfte den meisten Auto-Fans klar sein, wenn sie hören, um welches Fahrzeug es sich hier handelt - um einen schneeweisen BMW M1.

Die Begeisterung wird noch ein ganzes Stück verständlicher, wenn man die Geschichte erfährt, die hinter dem weißen Bayern-Sportler steckt, von dem es nur drei Stück in Argentinien gibt. "Ich habe mich 20 Jahre um dieses Auto bemüht", erklärt Alejandro. Sein Schlüsselerlebnis hatte der Advokat im zarten Alter von 16 Jahren, als er den M1 in einem Pro Car Rennen bewundern durfte. Seitdem ließ ihn die Leidenschaft nicht mehr los. Einige Jahre später hatte er auch schon ein Objekt der Begierde ausgemacht. Eben jenen BMW M1, den er jetzt sein Eigen nennt. "Ich habe mich 20 Jahre um dieses Auto bemüht", erzählt Novak.

Ein vorheriger Besitzer war niemand Geringerer als der ehemalige argentinische Formel-1-Fahrer Jorge Cupeiro. Als Alejandro Novak das Auto endlich bekommen hatte, hatte der BMW M1 noch die Rennreifen und die Pro-Car-Ausstattung inklusive Kriegsbemalung. Es dauerte sechs Monate, um den Straßensportler wieder in den Original-Zustand zurückzuversetzen.

Klingt alles ganz einfach, ist es aber nicht. Denn die argentinische Regierung hat einen ehernen Paragraphen-Wall aus protektionistischen Gesetzen erreichtet. Jeder der seine Produkte in Argentinien verkaufen will, soll sie im Land produzieren oder muss im gleichen Gegenwert argentinische Waren exportieren. Erst wenn ein Auto 23 Jahre alt ist, darf man es importieren. Für die Sammler bedeutet das, dass Ersatzteile nur über die hiesigen Autohändler zu bekommen sind. Nur sind die Teile dann fünf Mal so teuer. "50 Prozent sind die Zollkosten. Den Rest schlägt der Händler drauf", erklärt Mariano Varsky, Sekretär des BMW Clubs Argentinien.

Also finden die rund 70 Mitglieder "kreative Wege", um an die benötigten Sachen zu kommen. Ein Kanal ist eBay. Aber auch andere BMW Clubs, wie zum Beispiel der in den USA, helfen den Argentiniern. Dann wird das Teil einfach in einem Paket geschickt. Wichtig ist, dass man nicht einen Motor als Ganzes importiert, sondern viele Einzelteile. "Falls der Zoll mal eingreift, hilft man halt etwas nach", erklärt ein BMW-Fan augenzwinkernd. Die südamerikanischen Fans lassen sich auch von der Politik nicht von dem Spaß an den Münchener Autos abbringen: Ihr neues Hauptquartier ist eine alte Garage inmitten von Buenos Aires. Hier treffen sich die Aficionados der weißblauen Ingenieurskunst regelmäßig und helfen sich gegenseitig bei der Pflege ihrer Schätze.

Auch wenn ihre Anzahl im Vergleich zu anderen BMW-Clubs vergleichsweise gering ist, stecken die Gaucho-Sammler nicht weniger Herzblut in ihre Lieblinge. In Anbetracht der Umstände dürfte die Begeisterung noch mehr brennen, als anderswo. Sei es bei Marcelo Marini und seinem BMW 320 aus dem Jahr 1980, Daniel Gutani (633 Csi) und Carlos Aguirre Köber (BMW 635 Csi) oder Mauro Theller, der zwei BMW 320 des Jahres 1981 sein eigen nennt. Hinter jedem dieser Automobile steckt Freude an der bayerischen Marke und viel Arbeit, die Vehikel in Schuss zu halten. Denn eines fällt beim Anblick der Youngtimer-BMWs sofort auf: Sie sind in perfektem Zustand.

So blüht die Sammler-Leidenschaft für die Autos mit den weißblauen Propellern in dem südamerikanischen Land auch im Lichte dieser Restriktionen. Roberto Andriuolo hat seinen Schatz ebenfalls gefunden - einen BMW 600. Die "Große Isetta", Baujahr 1958 stand 20 Jahre lang unbeachtet unter einer Staubschicht begraben in einer Ecke eines Parkhauses in Saladillo, einer Kleinstadt, etwa 180 Kilometer südöstlich von Buenos Aires und rottete vor sich hin. Der Zustand war dementsprechend erbärmlich. "Das Interieur war komplett zerstört, aber die Karosserie und der Motor befanden sich in einem erstaunlich guten Zustand", erinnert sich der 74jährige.

Als es an die Restauration ging, halfen die Experten von BMW Classic in München mit Konstruktionsplänen. Schwieriger war es da schon an die Ersatzteile zu kommen. Da musste wieder der Einfallsreichtum her oder der örtliche Sattler, der beim Wiederherstellen des Innenraums half. Es dauerte über ein Jahr, um ein Rücklicht mit original Acrylglas zu ergattern. Doch Roberto Andriulos Geduld zahlte sich aus. Heute, fünf Jahre nach der Rettung, schaut die Isetta wie aus dem Ei gepellt aus. Roberto und der M1-Fahrer-Alejandro sind sich einig: Verkaufen werden sie ihre Autos nie.
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Quelle: Autoplenum, 2014-01-01

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