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Testbericht

Stefan Grundhoff, 12. Dezember 2019

Mit dem X2 will BMW deutlich jüngere Kunden ansprechen, denen einen X1 zu langweilig ist und ganz nebenbei noch am Erfolgsmodell Mercedes GLA kratzen.

Der Mercedes GLA ist BMW seit seiner Premiere ein steter Dorn im Auge. Von der ersten Generation des sportlich positionierten Crossovers wurden mehr als eine Million Fahrzeuge verkauft. Nicht wenige mit überaus sportlichen Motorisierungen bis hin zum fast 400 PS starken Mercedes AMG GLA 45. Dabei war die erste GLA-Generation mit seinem überschaubaren Platzangebot im Fond, der schlechten Sicht nach hinten oder einer lückenhaften Ausstattung nicht ohne Fehl und Tadel. Den Verkaufszahlen tat das keinen Abbruch und so will auch BMW mit seinem X2 Kunden holen, die man bisher an Mercedes oder Audi mit seinem Q2 verlor.

Aus seinem sportlichen Anspruch macht der 4,36 Meter lange BMW X2 keinen Hehl und gerade das Topmodell X2 M35i xDrive hält, was optisch versprochen wird. Zwar hat man keine absolute Sportskanone wie den GLA 45, der in seiner neuen Generation 421 PS leisten wird, aber ein zumindest kleines M, das in Sachen Vortrieb nur wenige Wünsche offenlässt. Der aufgeladene Zweiliter-Vierzylinder hört sich speziell in der US-Applikation selbst im Normalmodus überaus hungrig an und man könnte meinen, dass der ungleiche Zwilling des BMW X1 seinen Insassen deutlich mehr als die 225 kW / 306 PS und 450 Nm maximales Drehmoment ab niedrigen 1.750 U/min zur Verfügung stellt. Aus dem Stand geht mit leicht durchdrehenden Pneus in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und wenn gewünscht auf eine standesgemäße Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Wer in den Sportmodus schaltet, lässt die Gänge weiter nach oben drehen und macht das Gasannahme giftiger - zudem blubbert und ploppt es noch wilder als ohnehin schon. Bei so einem Sportmodell gerade die rechte Würze, die den meisten Kunden gefallen wird. Exzellent abgestimmt: die achtstufige Getriebeautomatik. Dabei zeigt sich der Bayern-Sportler im Alltag recht durstig. Statt der in Aussicht gestellten knapp sieben Litern auf 100 Kilometern genehmigte sich der M35i im Praxistest knapp zehn Liter - viel für vier Brennkammern und zugegeben jede Menge Sportlichkeit.

Entsprechend sportlich und stramm ist das Fahrwerk des BMW X2 M35i abgestimmt. Über groben Unebenheiten wird es schon einmal unkommod; aber zum sportlichen Trimm des M-Light passt das Paket mit der präzisen Lenkung, den guten Bremsen und den niedrigen Aufbaubewegungen allemal ausgezeichnet. An die straffe Abstimmung von Federn und Dämpfern gewöhnt man sich den ersten Metern. Eine spürbare Schwäche ist jedoch der Allradantrieb des stärksten aller X2-Modelle. Der ist glücklicherweise zwar serienmäßig und mit einer variablen Kraftverteilung ausgestattet; jedoch wird bei normaler Fahrt der Großteil der üppigen Motorleistung an die Vorderachse transferiert und es dauert bei dynamischer Fahrt einfach zu lange, ehe der Dampf an der Hinterachse ankommt. So sind beim starken Beschleunigen oder bei dynamischer Kurvenfahrt sogar nennenswerte Antriebskräfte in der Lenkung und das wünscht man sich weder von einem BMW noch von einem anderen dynamischen Modell. Das können andere Sportmodelle besser.

Dabei kann der sportlichste aller BMW X2 nicht nur technisch glänzen, sondern auch mit den optischen Dreingaben Kunden locken, die in dieser Liga wichtiger denn je sind. Die elektrischen Sportsitze sehen nicht nur gut aus, sondern sie bieten Fahrer jeder Körpergröße nicht nur exzellenten Halt und die nötige Unterstützung bei schneller Fahrt. Ganz nebenbei gibt es in ihnen einen ausgezeichneten Langstreckenkomfort. Und wer meint, dass man im X2 insbesondere im Fond keinen Platz hat, sieht sich getäuscht, denn der 1,6 Tonnen schwere Bayer hat mehr Platz, als man dies zunächst vermuten mag. Zu dritt ist es klassenbedingt jedoch im Fond zu eng und so sollte man es bei maximal zwei Personen mittlerer Größe belassen, um keinen Klassensprung zu erzwingen. Das Ladevolumen hinter der elektrischen Heckklappe lässt sich von 470 immerhin auf bis zu 1.355 Liter erweitern. Das sollte für die meisten Transporte locker reichen. Dass die Rücksicht nach hinten durch die klappbaren Kopfstützen und die breiten C-Säulen allenfalls mäßig ist, wird kaum jemanden stören. Die Rückfahrkamera projiziert ein scharfes Bild auf den zentralen Bildschirm, der alle Einparkmanöver erleichtert.

Im Vergleich zu den neueren BMW-Modellen ist das Cockpit des X2 eine Entwicklungsstufe zurück. Doch es geht auch ohne ein volldigitales Cockpit und die Instrumente lassen sich nicht nur perfekt ablesen; sie sehen auf dem tiefschwarzen Hintergrund auch klasse aus. In Sachen Bedienung ist der BMW X2 nicht nur in seiner Klasse konkurrenzlos einfach und problemlos. Sieht zudem nicht nur alles gut aus, sondern fasst sich auch klasse an. Das Navigationssystem erkennt selbst schwierige Adressen und Sprachmanöver mit einer fast schon beängstigenden Präzision - das gilt auch für das vernetzte Navigationssystem, das in Sachen Routenführung, Stauumfahrung und Darstellung keine Wünsche offenlässt. Dass das alles seinen Preis hat, kann einen nicht überraschen. 55.300 Euro sind auf Wettbewerbsniveau und die Serienausstattung abgesehen vom fehlenden Navigationssystem allemal ordentlich.

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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:Achtgang-Automatik
Motor Bauart:Vierzylinder mit Turboaufladung
Hubraum:1998
Leistung:225 kW (306 PS) bei UPM
Preis
Neupreis: 55300 € (Stand: 2019-12-12)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2019-12-12

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