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Testbericht

Sebastian Viehmann, 2. April 2011
Pickups für 300 Km/h, aufgemotzte Geländewagen, skurrile Roadster - die M GmbH hat viele Autos auf die Räder gestellt, die nie in Serie gebaut wurden. Beim Entwickeln und Testen hatten die Münchner vor allem eins: Ganz viel Spaß.

„Ich bin 300 gefahren, aber da war bestimmt noch nicht Ende. Es ist uns einfach die Autobahn ausgegangen“, sagt Kay Segler und schaut auf das neueste „Baby“ der BMW M GmbH. Schneeweiß präsentiert sich der Wagen, so als könnte er kein Wässerchen trüben. Doch dieser M3 ist der wohl schnellste Pickup der Welt. Er hat 420 PS, ist 50 Kilo leichter als ein normaler M3 und dabei ein echtes Nutzfahrzeug. Das Auto hat eine LKW-Zulassung, eine Anhängerkupplung und eine Nutzlast von 450 Kilogramm.

Für Kay Segler, der im Mai als Chef der M GmbH aufhört und wieder zur Marke Mini wechselt, ist der Pickup sozusagen das Abschiedsgeschenk. „Der liegt wie ein Brett auf der Straße, die Gewichtsverteilung liegt genau bei 50 Prozent vorn und 50 Prozent hinten“, sagt Segler. Der Pickup wurde aus einem ausrangierten M3 Cabrio entwickelt und dient der Sportwagenschmiede nun als Werkstattwagen. Denn der alte Pickup, den die Münchner 1988 für diesen Zweck auf Basis eines BMW 320is aufgebaut hatten, hat seine besten Zeiten hinter sich und wird bald ausrangiert.

Dass der M3 Pickup in Serie gefertigt wird, ist wohl ausgeschlossen, obwohl es durchaus einen kleinen Markt dafür geben könnte. In Australien zum Beispiel bietet die GM-Schwester Holden den aufgemotzten PKW-Pickup Ute SS V mit V8-Motor an. „Machbar ist alles“, so ein Ingenieur der Sportwagenschmiede – vielleicht entsteht der M3 Pickup ja doch irgendwann als Kleinserie für betuchte Kunden.

Der rasende Laster ist jedoch nicht das einzige Experiment der M GmbH. Im Firmenkeller in Garching bei München findet sich so manches skurrile Exemplar wie der feuerrote Roadster von 1992, der im Rahmen eines Design-Wettbewerbs entstand. Die Ingenieure nennen ihn nur den „Ur-Roadster“, und welcher Motor gerade unter der Haube schlummert, wird nicht verraten. Noch ungewöhnlicher ist ein Hochdach-Kombi auf Basis des BMW M5. Damit sollte gezeigt werden, was in Sachen Individualisierung alles machbar ist. Erstmals wurden mit dem Wagen BMWs integrierte Kindersitze präsentiert, die es schließlich in die Serienfertigung schafften.

Ein Einzelstück blieb auch der M8. Basis für den tiefer gelegten roten Rennkeil war das 8er Coupé. Man koppelte zwei Sechszylindermotoren im 60-Grad-Winkel, fertig war der Zwölfzylinder mit 550 PS. Das Aggregat wurde fleißig weiterentwickelt, fand sich im McLaren F1 wieder und kam in unterschiedlichen Rennversionen zum Einsatz. So entstand 1999 ein V12-Rennmotor für die LeMans-Serie mit sechs Litern Hubraum und 580 PS. Gemäß dem Reglement musste die Leistung durch einen Luftmengen-Begrenzer reduziert werden. Der BMW V12 LMR holte sich 1999 den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von LeMans.

Was der Zwölfzylinder alles drauf hat, wenn er frei atmen kann, daran erinnert sich Albert Biermann am besten. Der Entwicklungschef der M GmbH nahm vor Jahren den „X5 LeMans“ in Betrieb – weil es sich kein anderer zutraute. „Das war schon eine vogelwilde Geschichte“, erzählt Biermann. Befreit vom Luftmengen-Begrenzer, tobte sich der Zwölfender mit 700 PS unter der speziell angefertigten Haube aus. „Wir wollten das technisch Machbare in einem SUV zeigen“, so Biermann.

Zuerst bauten die Ingenieure den Allradantrieb aus und testeten das Fahrzeug mit Hinterradantrieb – zahllose Reifen mussten dabei ihr Leben lassen. Dann wurde der Allradantrieb wieder eingebaut und zusammen mit einem verstärkten Fahrwerk neu abgestimmt. Biermann erinnert sich noch an eine Fahrt mit dem Wagen auf der Nordschleife, bei der er den damaligen Chef der M GmbH an Bord hatte: „Wir haben uns unterhalten, da habe ich einmal einfach das Schalten vergessen. Der Drehzahlbegrenzer knallte so brutal rein, wir wären fast durch die Scheibe geflogen“, grinst Biermann.

Mit Hans-Joachim Stuck am Steuer peilten die leistungshungrigen Münchner dann eine Bestzeit auf der Nordschleife an. Stuck prügelte den X5 in sieben Minuten und 49 Sekunden durch die Grüne Hölle, bei einem Spitzentempo von 309 Km/h auf der Döttinger Höhe. Eine Straßenzulassung hat der X5 Le Mans auch heute noch – aber nur dann, wenn zur Schalldämpfung ein spezieller Auspuff montiert wird.
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Quelle: Autoplenum, 2011-04-02

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