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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 4. Juni 2013
Der Münchener Automobil-Hersteller baut seinen Connected-Drive-Dienst nach dem Apple-System um: Neben Apps werden einige Anwendungen auch temporär buchbar sein. Klappt alles ganz gut, hat aber Schwächen.

"Der Kundennutzen hat oberste Priorität", erklärt Elmar Frickenstein, Leiter der Elektronikentwicklung bei BMW. Schön zu hören. Aber eigentlich setzt man dies bei einem Premium-Autobauer voraus. Gemeint ist aber eine komplette Neuausrichtung des Connected-Drive-Dienstes. Bislang waren mehr oder weniger hilfreichen Dienste nur in sehr teuren Paketen bestellbar. Ab jetzt ist das Angebot modular aufgebaut und der Kunde kann sich seine Helfers-Armada individuell zusammenstellen.

Manche Dienste wie etwa "Remote Services" kann man nur auf Lebenszeit buchen, da sie ans Auto gebunden sind. Das bedeutet, auch der nächste Besitzer kann sein Auto vorheizen oder nachträglich verriegeln. Andere Applikationen sind zeitlich begrenzt buchbar. Wer ein Navigationssystem hat und den Verkehr in Echtzeit angezeigt haben will, berappt stramme 150 Euro für drei Jahre. Je nach Laufzeit fallen dann unterschiedliche Gebühren an. Außerdem kann man ein Programm auch nur einen Monat installieren. "Wir wollen, dass der Kunde auch mal Sachen einfach ausprobiert", erklärt Simon Euringer, Leiter Connected Drive. Mit dieser flexibleren Preisstruktur sind die Käufer nicht gezwungen, ein Paket zu ordern und das andauernd mit sich herumzuschleppen, auch wenn sie nur einen Teil davon nutzen. Dass BMW das nicht aus reiner Philanthropie macht, leuchtet ein. Hinter der Neuausrichtung steht ein knallhartes Geschäftsmodell: "Wir wollen damit Geld verdienen", so Euringer.

Die Einrichtung der persönlichen Connected-Drive-Umgebung geschieht im Auto oder bequem zu Hause mit einem PC oder Tablet. Um ein Konto einzurichten müssen Details wie die Fahrgestellnummer angeben werden. Wie bei Apple werden die einzelnen Programme und Dienste in einem Store geordert und dann installiert. Auch Apps sind Teil des Systems. Die können auch von BMW-fremden Programmierern stammen und kostenlos sein. Lediglich bei Facebook und Twitter werden auch in Zukunft an das Smartphone des Benutzers gekoppelt sein. So will BMW verhindern, dass jeder Passagier ohne Einwilligung die persönlichen Nachrichten des Fahrers liest. Der Vorteil an dieser Verknüpfung mit einem Konto ist, dass Dienste, die über einen gewissen Zeitraum gebucht sind, beim Verkauf des Autos dem vormaligen Besitzer gutgeschrieben werden.

BMWs E-Mobile, wie zum Beispiel der i3, werden Connected Drive serienmäßig an Bord haben. Das beinhaltet spezielle Navigationsanwendungen, wie das Berechnen besonders effizienter Routen mit der Einbindung öffentlicher Verkehrsmittel oder das Lademanagement inklusive Schutz vor Tiefenentladung. Da ist er wieder, der Kundennutzen. Connected Drive ist nicht nur für die Top-Ausstattungslinien beschränkt. Wer auf ein festeingebautes Navigationssystem verzichtet, kann mit einem Radio Professional, das beim 1er BMW 390 Euro kostet, in die Welt der weißblauen Apps und Online-Dienste einsteigen. Entscheidend bleibt der 6,5-Zoll-Bildschirm. Dazu kommt noch eine Grundgebühr für die Connected Drive Services von 350 Euro für drei Jahre. Will man das Internet nutzen, sind pro Jahr noch einmal 100 Euro fällig. Ein teurer Spaß. Damit greift Connected Drive auf die im Auto verbaute Sim-Karte zu und erspart dem Fahrer in Ländern wie Großbritannien, Spanien, Holland, Frankreich, oder Italien die nach wie vor anfallenden Roaming-Gebühren. Klingt gut, funktioniert auch gut. Doch ganz so lässig, wie es scheint, ist die neue BMW-Konnektivität nicht. Zumindest, was das Internet angeht: Die maximale Downloadgeschwindigkeit, die die Münchener zusammen mit dem Mobilfunkpartner Vodafone umsetzen können, entspricht 3G mit HSDPA oder 14 Mbit/s.

In Zeiten von LTE ist das nicht berauschend. Klar, LTE ist aktuell nur in Ballungsräumen verfügbar. Will man sein Auto zu einem LTE-Hotspot umfunktionieren, muss man die eigene Sim-Karte verwenden und einen Nachrüstkit für teure 599 Euro kaufen. Damit wird Connected Drive nicht "schneller", sondern die mobilen Geräte der Passagiere können auf der breiten Datenautobahn surfen. Ein weiteres Problem: Selbst in Deutschland ist 3G / UMTS nicht flächendeckend verfügbar. Dann fällt die Surf-Geschwindigkeit auf den antiquiert langsamen Edge-Standard zurück. Doch dieses Manko will BMW mit möglichst kleinen Datenmengen minimieren. "Wir halten den Traffic so gering wie möglich", sagt Simon Euringer. Von einer Spiegelung der Handy-Oberfläche zur Benutzerführung hält der BMW-Mann übrigens wenig. Die Ablenkung des Fahrers sei zu groß. Das sehen viele Konkurrenten von BMW anders und setzen zu deutlich günstigeren Preisen genau darauf.
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Quelle: Autoplenum, 2013-06-04

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