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Testbericht

Sebastian Viehmann, 7. Juli 2009
Vor 25 Jahren ließ Renault mit einem Schlag alle Kombis alt aussehen: Der Espace begründete mit vielen neuen Ideen das Minivan-Segment. Wir vergleichen den ersten Raumkreuzer mit seinem Urenkel.

Schrecksekunden sind für Raumfahrt-Pioniere nichts Ungewöhnliches. Wer sich auf neues Terrain wagt, muss schließlich Risiken eingehen. Als 1984 für den Renault Espace nur neun Bestellungen eingingen, blieb den Franzosen aber erst mal das Croissant im Hals stecken. Zu neu, zu gewagt erschien den Kunden das Auto - ein Kleinbus mit PKW-Allüren, und dann auch noch statt Blechen eine tragende Struktur aus galvanisiertem Stahl, mit Kunststoffpaneelen verkleidet. Doch es dauerte nicht lange, bis man im kinderreichen Frankreich die geniale Idee hinter dem Espace erkannte und die Verkaufszahlen raketenartig nach oben gingen.

Die erste Espace-Generation verkaufte sich knapp 192.000-mal, die folgenden Generationen II, III und IV jeweils mehr als 300.000-mal. Bis zum heutigen Tag sind rund 1,2 Millionen Espace vom Band gelaufen. Den Ruhm, das Minivan-Segment begründet zu haben, muss sich der Espace allerdings teilen: Schon 1983 brachte Chrysler den Voyager auf die Straße. Zuerst lief das kastenförmige Familiengefährt unter verschiedenen Namen bei den Brot- und Butter-Marken Dodge und Plymouth vom Band. Erst 1991 kam der Chrysler Voyager nach Europa. Da hatte der Espace das Marktsegment bereits fest im Griff. Im Gegensatz zu den USA gelang es den Minivans in Europa allerdings nie, den klassischen Kombi zu verdrängen. Espace der ersten Serie ab 1984 sind heute rar geworden, die meisten wurden als Familienkutsche, Shuttle-Bus oder Transporter verschlissen. Rund 120.000 Kilometer hat unser Fotomodell auf dem Buckel. Aus den verblichenen Kunststoff-Armaturen dringt eine Symphonie von Knarzgeräuschen.

Die gelbgrün gemusterten Stoffbezüge, die im Design irgendwie an ausgeblichene Küchenhandtücher erinnern, haben ihre besten Zeiten längst hinter sich. Die Lenkung ist wabbelig, und auch der Franzosen-typische Fahrkomfort war vor zwei Jahrzehnten Jahren noch nicht vorhanden: Über kurze Bodenwellen, die der neue Espace fast unbemerkt glatt bügelt, rumpelt sein Urgroßvater ziemlich unsensibel. Doch er entschädigt mit einer extrem niedrigen Ladekante, wie man sie bei vielen modernen Autos vergeblich sucht, und einem maximalen Laderaum von drei Kubikmetern.

Schon die erste Espace-Generation fährt sich leicht wie ein PKW, und das ist kein Wunder: Der Wagen bringt leer nur knappe 1,3 Tonnen auf die Waage, kaum mehr als ein Renault Clio und eine halbe Tonne weniger als Espace Nummer IV. Die Kunststoff-Karosse macht den ersten Espace zudem unempfindlich gegen Rost und widerstandsfähiger gegen kleine Rempler, wie sie beim französischen Einparken gerne mal vorkommen. Der Ladedruckanzeiger wäre bei dem 88 PS starken Turbodiesel-Motor zwar nicht nötig gewesen, aber 13,3 Sekunden von 0 auf 100 Km/h sind trotzdem ein respektabler Wert. Die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreicht der alte Franzose ziemlich mühelos.

Mit 4,3 Metern Länge und 1,8 Metern Breite ist der Ur-Espace kleiner als das aktuelle Modell, Doch ein beeindruckendes Raumgefühl bietet er noch heute. Dazu tragen die großen Fensterflächen bei und die extra schmalen A-Säulen, die das Design des Franzosen-Vans in allen Modellgenerationen auszeichnen.

Damals wie heute folgt der Wagen dem One-Box-Konzept: Durchgehender Innenraum, hohe Sitzposition, üppiger Radstand. Wären nicht die im Boden verankerten Gurtschlösser und die Handbremse, könnte man vom Cockpit direkt ins Passagierabteil marschieren. In Sachen Raumökonomie war schon der erste Espace ein Tausendsassa. Statt der üblichen Rückbank gab es Einzelsitze, die man je nach Bedarf auf verschiedenen Rasten im Innenraum anordnen oder ganz ausbauen konnte. Die Vordersitze waren drehbar, so das sich Fahrer und Beifahrer beim Picknick auf der Autobahnraststätte gegenübersaßen. Die Innenraumvariabilität ist dem Wagen bis heute erhalten geblieben, wobei das Verschiebe-Puzzle komfortabler geworden ist und noch mehr Verstellmöglichkeiten bietet.

Ein großer Unterschied zum Original zeigt sich in der Cockpit-Philosophie: Hatte die erste Generation noch einen klassischen Instrumententräger, finden sich heute alle Armaturen in einem großen Zentralinstrument und das ganze Auto lässt sich im Prinzip mit ein paar Bedienungssatelliten am Lenkrad und dem Klima-Kontrollfeld in der Fahrertür beherrschen.

So wird Raum frei für eine Fülle von Staufächern und Ablagen, in denen bei Bedarf der halbe Hausrat unterkommt. Im Fond kann man bequem drei Kindersitze nebeneinander platzieren. Als Erwachsener muss man sich an den hohen Fußraum gewöhnen, bei dem man stets mit leicht angewinkelten Knien sitzt. Doch drei Erwachsene finden nebeneinander immer noch bequem Platz. Wohl auch deshalb gelangte der Espace zu TV-Ruhm: Er diente als Großraumdroschke in der Ratesendung "Quiz Taxi".
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Quelle: Autoplenum, 2009-07-07

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