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Testbericht

8. April 2015
Nimes (Frankreich), 8. April 2015 - Als der erste Renault Espace im Jahr 1984 auf den Markt kam, waren die Kunden noch skeptisch: Was soll das für ein Auto sein? Ein Van, aha. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten wurde der Pkw-ähnliche Franzose mit dem unglaublich variablem Innenraum zum Bestseller: Bis heute wurden über 1,2 Millionen Espace gebaut. Doch in letzter Zeit lief das Raumfahrzeug nicht mehr rund. Zu sehr haftet den ganz großen Vans das Stigma des Kindergarten-Express an, außerdem wurden sie in den letzten zehn Jahren als Trendfahrzeug von den SUVs abgelöst. Gerade einmal 906 Käufer fand der Renault Espace im Jahr 2014 hierzulande noch. Deshalb wurde die Neuauflage komplett umgekrempelt und wirft die Frage auf: Ist das noch Van? Tiefer gelegt Bereits auf den ersten Blick unterscheidet sich der neue Renault Espace von seinem 13 Jahre lang gebauten Vorgänger. Kräftig-bullig duckt sich der Espace der fünften Generation auf die Straße, die mächtigen Radhäuser fordern einen üppigen Inhalt. Bis zu 20 Zoll große Felgen hält Renault bereit. Nicht nur das ist ein Indiz dafür, dass der neue Espace mehr in Richtung SUV rückt. Mit knapp 4,86 Meter Länge und einer Breite von 1,89 Meter entspricht das Format dem des bisherigen Grand Espace mit sieben Sitzen. Aber es gibt mit 2,88 Meter etwas mehr Radstand, noch entscheidender ist der Höhenverlust von sieben Zentimetern auf jetzt 1,67 Meter. Zum Vergleich: Das ist das Niveau eines großen SUVs wie des Kia Sorento. Die verflixte Sieben Schon deshalb wird beim Betrachten des Renault Espace schnell klar, dass extreme Raumwunder hier nicht zu erwarten sind. Arbeiten wir uns von hinten nach vorne vor: Unter der geöffneten Heckklappe können auch Zwei-Meter-Männer stehen. Direkt hinter der Ladekante ist das Tastenfeld angebracht, mit dessen Hilfe die bis zu fünf hinteren Sitze einzeln umklappbar sind. Eine schöne Idee, um die Möbel aber wieder aufzurichten, ist Handarbeit nötig. Ab Werk ist der neue Espace ein Fünfsitzer, die dritte Reihe kostet 800 Euro extra. Und wie sitzt es sich so? In Reihe drei nur für Personen bis zu 1,70 Meter Körpergröße gut. In etwa dasselbe Format sollten dann die direkt davor plazierten Passagiere aufweisen, auch wenn die drei Stühle in der zweiten Reihe längs verschiebbar sind. Hier lassen sich die Beine dank durchgehendem Fußraum ohne Mitteltunnel bequem ausstrecken, jedoch ist die Kopffreiheit wegen des flacheren Dachs nicht allzu üppig geraten.
Zwischen Van und SUV Das Stichwort "üppig" bringt uns zum Blick auf die nackten Werte: 247 Liter bei voller Bestuhlung des Siebensitzers, 680 Liter sind es beim Fünfsitzer. Das Maximalvolumen beträgt 2.101 Liter. Recht ordentlich, der neue Espace liegt damit zwischen einem höheren klassischen Van wie dem VW Sharan und einem SUV mit ähnlichen Abmessungen wie der Kia Sorento. Nobel möbliert Endlich im Cockpit angekommen, bin ich angenehm überrascht: Solch ein schickes Design in Kombination mit hochwertigen Materialien war man bisher von Renault nicht gewohnt. Viele Chromeinlagen und geschäumte Oberflächen schmeicheln dem haptischen Empfinden. Sehr markant ist die scheinbar schwebende Mittelkonsole mit dem bumerangförmigen Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes. Der hochkant stehende 8,7-Zoll-Touchscreen erinnert entfernt an den Volvo XC90, lässt sich aber nicht ganz so einfach bedienen. Es fehlt an klar zugeordneten Tasten, oft muss ich mehrere Zurück-Schritte gehen, um wieder meine gewünschte Ansicht zu bekommen. Die Renault-Fachleute haben es sicherlich mit den Funktionen gut gemeint, darüber aber die Funktionalität vergessen. Hieß es beim ersten Espace von 1984 noch "form follows function", so hat sich dieser Grundsatz jetzt umgekehrt. Warum zum Beispiel der Tempomat nicht auf dem Lenkrad aktiviert wird, sondern per Taste auf der Mittelkonsole, ist mehr als seltsam. Oder das als Schublade konstruierte Handschuhfach, das bei jedem Öffnen gegen die Knie haut. Und noch ein Kritikpunkt: Die Sitzflächen vorne sind für lange Fahrer viel zu kurz, nur in der Topversion "Initiale" gibt es eine herausziehbare Oberschenkelauflage. Gelassener Lounge-Charakter Doch genug gemeckert: Unter der Haube des neuen Renault Espace arbeiten moderne Motoren mit jeweils 1,6 Liter Hubraum. Einstiegsaggregat ist ein 130 PS starker Diesel, er weist als einzige Maschine ein manuelles Sechsgang-Getriebe auf. Doch für ihn erwartet Renault in Deutschland kaum Käufer, ebenso wenig für den 200 PS leistenden Turbobenziner mit Siebenstufen-Doppelkupplungsgetriebe. Der Löwenanteil, nämlich 85 Prozent, soll ab Mai 2015 zum 160-PS-Diesel greifen, der sechsfach doppelkuppelt. Eine gute Wahl, denn der größere Selbstzünder geht laufruhig seiner Arbeit nach. Knapp zehn Sekunden dauert der Sprint auf 100 km/h, ein Tribut an die über 1,7 Tonnen Leergewicht (obwohl der neue Espace um 250 Kilogramm abgespeckt hat!). Zudem sorgt das Getriebe für einen eher relaxten Charakter des Wagens. Typisch Van sind die riesige Windschutzscheibe und das tiefe Armaturenbrett, das sich bei Sonnenschein unangenehm in der Scheibe spiegelt. Das fällt besonders deswegen auf, weil der Fahrer seine Informationen von einem Head-up-Display ablesen kann. Ähnlich wie beim BMW 2er Active Tourer werden das Tempo, aber auch Verkehrszeichen auf eine Plexiglasscheibe projiziert.
Spiel mit mir! Digital geht es in den Instrumenten weiter, der klassische Tacho verändert sein Aussehen je nach Fahrmodus. Die Bandbreite reicht von "Eco" bis "Sport" und beeinflusst das Ansprechverhalten von Gas und Lenkung, die Dämpferhärte, aber auch den Motorsound. Im Sport-Modus dröhnt der Diesel vermeintlich sportlich und dreht länger aus, im Eco-Modus wird früh geschaltet. Aber ganz ehrlich: Statt einer Programmauswahl wie im Kabelfernsehen wäre mir eine ausgewogene Abstimmung für alle Lebenslagen lieber, zumal der Griff zur betreffenden Taste von der Straße ablenkt. Schon deswegen belasse ich es nach der Kostprobe aller Möglichkeiten beim Neutral-Modus. Falls Ihnen als zukünftiger Espace-Eigentümer einmal langweilig ist: Alle Parameter lassen sich auch individuell mixen. Allrad - aber nicht wie gedacht Apropos Parameter: Einer betrifft die mitlenkende Hinterachse. Je nach Fahrmodus schlagen die hinteren Räder unterhalb von 50 bis 70 km/h mit maximal 3,5 Grad in entgegengesetzter Richtung zur Vorderachse ein. Merkt man das? Teilweise: In Kreisverkehren wird der Einschlag der exakten Lenkung geringer. Oberhalb dieser Geschwindigkeiten steuern die Hinterräder in dieselbe Richtung wie die Vorderräder. Das erhöht die Fahrstabilität. In der Praxis fällt eher das steife Abrollen der montierten 19-Zöller auf. Soweit ist der neue Espace mehr SUV, würde nicht ein wichtiger Punkt fehlen. Es gibt die Allradlenkung, aber keinen Allradantrieb. Das erstaunt, war doch der Espace von 1991 bis 1996 mit "Quadra" genanntem Allradsystem erhältlich. Kostet viel, bietet viel Erstaunt dürften vermutlich auch Espace-Interessenten von anderen Marken auf die Preise blicken: 33.550 Euro für den 130-PS-Diesel klingen zunächst teuer. Aber der alte Grand Espace startete mit 150 PS bei 36.590 Euro und schon die Basisversion des neuen Modells ist gut ausgestattet. Inklusive sind eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Einparksensoren rundum, ein Navigationssystem und LED-Scheinwerfer. Falls die dritte Sitzreihe gewünscht wird: sie kostet 800 Euro Aufpreis. Der 160-PS-Diesel startet erst in der mittleren Ausstattungsvariante namens "Intens". Sie kostet 40.150 Euro und ist bereits recht komplett, denn hinzu kommen eine Sitzheizung vorne, 18-Zoll-Alus, ein Spurhalte-Assistent, ein Totwinkelwarner und eine Verkehrszeichenerkennung. Sinnvolle Extras sind das Business-Paket mit adaptivem Tempomat, elektrisch einstellbarem Fahrersitz und Head-up-Display für 1.190 Euro sowie das City-Paket mit elektrisch betätigter Heckklappe und Rückfahrkamera für 750 Euro, schließlich ist der neue Renault Espace ein dicker Brocken. Macht summa summarum 42.090 Euro. Auch ein dicker Brocken. Aber der VW Sharan ist mit solch einer Ausstattung noch teurer. Echter Van-Sinn halt.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Doppelkupplungsgetriebe
Motor Bauart:Diesel mit Common-Rail-Einspritzung
Hubraum:1.598
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:118 kW (160 PS) bei UPM
Drehmoment:380 Nm bei 1.750 UPM
Preis
Neupreis: 40.150 € (Stand: April 2015)
Fazit
Für einen Van fehlt dem neuen Renault Espace das letzte Quäntchen Platz, für ein SUV der Allradantrieb. Das klingt so, als wäre der Wagen weder Fisch noch Fleisch. Aber man muss es anders formulieren: Der Espace kombiniert das Beste aus zwei Welten. Das Resultat ist durchaus erfrischend. Zwar wirkt Renaults Größter in einigen Bereichen zu überambitioniert, in anderen Bereichen wiederum zu wenig durchdacht. Das könnte es für ihn auf dem deutschem Markt schwierig machen. Aber wenn Renault die hier eingeschlagene Qualität bei den Motoren und dem Innenraum bei den kommenden Volumenmodellen fortsetzt, sind wir guter Dinge. + laufruhige Motoren, direkte Lenkung, hochwertiger Innenraum - verschachteltes Infotainment, teilweise unpraktische Bedienung, spiegelndes Armaturenbrett
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2015-04-08

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