Audis Vorgängermarke DKW veränderte die Automobilwelt

Testbericht
Vor 40 Jahren erschien erstmals eine Audi-Werbung mit dem Slogan „Vorsprung durch Technik“. Für solchen Anspruch gab es aber schon lange vorher Gründe. Schließlich hatte die Audi-Vorgängermarke DKW 1931 auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin mit dem Modell F1 das weltweit erste Großserien-Automobil mit Frontantrieb präsentiert.
Im August 1928 war die Aktienmehrheit der Audi Werke AG in Zwickau von Jörgen Skafte Rasmussen übernommen worden. Eine Absatzbelebung erhoffte sich Rasmussen von den unter seiner Regie gebauten Achtzylindermotoren, die in die großen Audi-Automobile eingebaut werden sollten. Doch durch die starke amerikanische Konkurrenz und die Folgen der Weltwirtschaftskrise gerieten die Audi-Werke ab Ende 1929 zunehmend in finanzielle Bedrängnis. Ein marktfähiges Produkt musste her, um den Fortbestand zu sichern.
Bald darauf entschied Rasmussen die kurzfristige Entwicklung eines völlig neuen Kleinwagens. Konstruktionsmerkmale sollten sein: wassergekühlter DKW-Zweizylinder-Motorradmotor, Vorderradantrieb, leichtes Stahlchassis. Für die gesamte Konstruktion plante Rasmussen maximal sechs Wochen ein. Das Projekt gelang. Ende November 1930 startete der DKW-Frontwagen seine erste Probefahrt. Im Februar 1931 präsentierte DKW das Modell anlässlich der IAA in Berlin. Der F1 entwickelte sich schnell zu einem Verkaufsschlager. In seinen verschiedenen Ausführungen wurde er zum Volumenmodell der Auto Union und bis zu seiner Produktionseinstellung im Jahr 1942 etwa 270.000-mal im Audi-Werk produziert.
Die DKW-Frontwagen bildeten auch die Grundlage für den Wiederaufbau der Auto Union nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland. Hier wurden von 1949 bis 1966 in den Werken Ingolstadt und Düsseldorf (im Werk Düsseldorf bis 1962) insgesamt 887.000 DKW-Personenwagen gebaut, bevor die gesamte Produktion auf die im Sommer 1965 vorgestellte Audi-Modellpalette umgestellt wurde.
1949 war der einstige DKW F8 auch in der DDR, im Automobilwerk Zwickau, neu aufgelegt worden. Das erste „Muster“, 1947 vorgestellt, trug noch die Bezeichnung „DKW IFA F8“. Ab Produktionsbeginn hieß das Auto „IFA F8“. IFA stand für Industrieverband Fahrzeugbau. Die Fertigung kam nur schleppend in Gang, waren doch große Teile des Werkes demontiert und in die Sowjetunion verbracht worden.
Das Vorkriegsmodell DKW F8 wurde als IFA F8 in den Jahren 1949 bis 1955 in Zwickau gebaut. Das Auto gab es auch als Cabriolet, Kombi, Liefer- und Pritschenwagen. Rund 25.000 Exemplare sollen es am Ende geworden sein. Bodengruppe und Antrieb waren die Grundlage für den Nachfolger P70, der 1955 mit der ersten Duroplastkarosserie startete (später wurde auch die Trabant-Rohkarosserie mit Duroplastteilen beplankt).
Auch ein IFA F9, der offenbar auf DKW-Vorkriegsplanungen aufbaute, lief von 1950 bis 1953 in Zwickau vom Band. Lediglich 1.880 Exemplare sollen gebaut worden sein. Ab 1953 wurde die Produktion ins Automobilwerk Eisenach verlagert. Dort begann drei Jahre später die Serienfertigung des Wartburg, die sehr wahrscheinlich auch von der mit dem IFA F9 gesammelten Produktionserfahrung profitierte.
Die letzten DKW-Personenwagen erblickten fernab der Heimat das Licht der Welt. In Argentinien und Brasilien liefen sie als Auto-Union-Lizenzfertigung noch bis 1968 vom Band. (Auto-Reporter.NET/wr)



























