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Testbericht

Sebastian Viehmann, 25. März 2012
Bei der Rallye Monte Carlo für alternative Antriebe müssen Elektroautos beweisen, dass sie mehr können als nur sparen. Wir haben uns an den Öko-Sprint auf legendären Strecken gewagt – mit Rallye-Weltmeister Christian Geistdörfer als Copilot.

"Drei zu langsam!" mahnt Christian Geistdörfer auf dem Beifahrersitz. Gemeint sind drei Sekunden. Jetzt heißt es Vollgas geben. Der Opel Ampera bügelt mit quietschenden Reifen um die Kurven. Der Blick des Piloten klebt auf der engen Straße, vor jeder Biegung wird scharf angebremst. 150 PS schieben das 1,7 Tonnen schwere Elektroauto mit Nachdruck voran. Geistdörfer hantiert derweil - wahrscheinlich mit einem Ruhepuls von 30 Schlägen pro Minute - mit Roadbook, Schnitttabelle und Stoppuhr. In seinem Kopf scheint ein Hochleistungsrechner zu arbeiten, der mühelos mit Metern, Sekunden und km/h jongliert. Geistdörfer, der in den 80er Jahren als Copilot von Walter Röhrl zweimal Rallye-Weltmeister wurde und viermal die Rallye Monte Carlo gewann, führt uns als Beifahrer durch die Rallye Monte Carlo für alternative Antriebe. Die Wertungsprüfung Nr. 5 "La Tour sur Tinée-Utelle" verlangt einen exakten Schnitt von 49,5 km/h. Auf die Sekunde genau muss man an der Zeitmessung vorbeirauschen.

Hört sich einfach an, ist es aber für einen Rallye-Neuling nicht. Die tückische Gebirgsstraße ist kaum breiter als das Auto, schlängelt sich extrem unübersichtlich an einem Felshang entlang. Rechts geht es steil bergab. Die zahllosen Kehren nimmt man, so schnell es eben geht, doch sie versauen natürlich den 49er Schnitt. Deshalb fährt man mit Vollgas aus der Kehre und jagt um die Kurven, gefährlich nah an der Klippe entlang. Zu flott darf es aber auch nicht werden, sonst kommt ein mahnendes "Zu schnell!" von Christian Geistdörfer. Und dann gibt es noch den Gegenverkehr, der hinter jeder Felswand auftauchen kann. Bei der Öko-Monte werden die Straßen nämlich nicht für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

Nebenbei findet Rallye-Veteran Geistdörfer noch Zeit, kurz von der Stoppuhr aufzuschauen und Ratschläge fürs Überholen zu geben. Ein ruhiges "Des passt scho", erleichtert dem Fahrer die Entscheidung, mit Karacho an einem kriechenden Renault vorbeizuziehen. Wenigstens ist die Straße einmal kurz breit genug dazu.

Die "Rallye Monte-Carlo des Energies Nouvelles" ist ein Wettstreit der Öko-Autos. 105 Fahrzeuge starten in vier verschiedenen Klassen, von Stromern über Hybride bis hin zu Biosprit-Mobilen. Hier prügeln keine frisierten Rennwagen durch die Seealpen nach Monaco, sondern Serienautos wie Toyota Prius, Opel Ampera, VW Up, Fisker Karma, Tesla Roadster oder Honda Insight. In die Schlusswertung fließen nicht nur die Ergebnisse der Wertungsprüfungen mit ein, sondern auch der tatsächliche Verbrauch. Wer rein elektrisch fährt oder besonders wenig Sprit schluckt, kann schlechte Zeiten ausgleichen. Deshalb ist das Tempo außerhalb der Prüfungen auch eher gemächlich.

Am ersten Rallye-Tag darf man jederzeit Sprit nachkippen. Am zweiten werden Tank und Ladesteckdose vor dem Start versiegelt. Wer zwischendurch tanken oder laden muss, kassiert astronomische Strafpunktzahlen. Und so beginnen Pilot und Copilot mit der Ressourcen-Rechnerei: Auf welchen Passagen benutzen wir nur die Batterie und wann schalten wir besser in den "Halten"-Modus? Dann nämlich wird die Batterie geschont und der kleine Verbrennungsmotor an Bord des Opel Ampera – der Range Extender zur Reichweitenverlängerung - versorgt den elektrischen Antriebsmotor mit Energie.

So fühlt man sich ein bisschen wie Chefingenieur Scotty vom Raumschiff Enterprise, wenn er mit Captain Kirk über den Warpantrieb diskutiert. Man gibt dem Kapitän nicht immer die Leistung, die er gerne hätte, sondern besser nur die, die er wirklich braucht. "Christian, wir müssen jetzt ein bisschen Sprit sparen und rekuperieren", heißt es mehr als einmal vom Fahrersitz. So fressen die Serpentinen hinauf zum Col de Turini viel Energie, doch danach geht es ja bergab. Jetzt schaltet das Gehirn vom Rallye-Modus in den Sparmodus um: Möglichst wenig Gas geben und wenig bremsen, viel rollen lassen und vor der Kurve den Ganghebel auf L schalten. Dann ist die Rekuperation (Energierückgewinnung) für die Batterie am stärksten und fühlt sich an wie eine Motorbremse. Schritt für Schritt füllt sich die Batterieanzeige wieder, während null Liter Benzin durch die Leitungen fließen und die Gesamtreichweite so kontinuierlich wächst.

Auf offener Strecke erweisen sich übrigens ausgerechnet die vielen Tesla Roadster bei der Rallye als mobile Verkehrshindernisse. Bergauf geht der Akku des rein batterieelektrisch angetriebenen Sportwagens so schnell in die Knie, dass die Piloten im Schneckentempo unterwegs sind. "Wir müssen uns entscheiden: Mit einer Ladung ans Ziel kommen oder die Wertungsprüfungen fahren", erzählt einer der Tesla-Piloten.

Am Ende des zweiten Wertungstages schlägt an der offiziellen Rallye-Tankstelle an der Autobahn kurz vor Monaco die Stunde der Wahrheit. Auf 273 Kilometern schluckte der Opel Ampera rund 16 Liter Benzin – zwei Liter weniger als vom Bordcomputer errechnet und kein schlechtes Ergebnis angesichts zahlreicher Vollgaspassagen. Knapp 60 Kilometer wurden über den Tag verteilt nur mit Energie aus der Lithium-Ionen-Batterie zurückgelegt, bei den restlichen Passagen half der Range Extender mit. Das Restbenzin im Tank hätte noch für 210 weitere Kilometer gereicht. So langt es am Schluss für Rang 20 in der Gesamtwertung und Rang 12 in der Verbrauchswertung. Den Gesamtsieg der Öko-Monte holt ebenfalls ein Ampera mit dem Rallye-Veteran Bernard Darniche am Steuer. Der Franzose benötigte nur knapp 13 Liter Sprit und erzielte einen Durchschnittsverbrauch von 4,6 Litern.So richtig zum Geist der alten Monte Carlo Rallye mag die Öko-Hatz allerdings nicht passen. Während bei einer entspannten Bergabfahrt die Landschaft an ihm vorüber zieht, erinnert sich Christian Geistdörfer an seine Extrem-Touren mit Walter Röhrl im Audi Quattro: "Hier haben wir vor 30 Jahren permanent Vollgas gegeben." Und der Verbrauch? Geistdörfer winkt ab: "Es ging allein um die schnellste Zeit. Nachtanken war immer erlaubt."
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Quelle: Autoplenum, 2012-03-25

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