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Testbericht

Sebastian Viehmann, 2. März 2010
Vor 30 Jahren stand der Audi Quattro auf dem Genfer Salon. Dieses Jubiläum kann man aber schlecht am grünen Tisch feiern: Eine Fahrt mit Walter Röhrl im Rallye-Quattro von 1984 zum Col de Turini macht Allrad- und Monte Carlo-Geschichte lebendig.

Ein eisiger Wind pfeift durch die Baumwipfel der französischen Seealpen. Der Audi Rallye-Quattro steht auf einer vereisten Straße am Col de Turini, dem legendären Abschnitt der Rallye Monte Carlo. Der Fünfzylinder brabbelt im Leerlauf vor sich hin, der Turbolader ist in Lauerstellung. Walter Röhrl drückt einen Knopf auf seiner Stoppuhr. Es ist eine Marotte des Rallye-Profis, er stoppt immer die Zeit, bei jeder Fahrt und sogar beim Joggen. Dabei geht es heute am Col de Turini eigentlich um nichts. „Ich wollte einfach wissen, ob ich es noch kann“, sagt Röhrl, der mit 63 noch so drahtig wirkt wie eh und je.

Röhrl gibt Gas, und nach wenigen Metern jagt der Quattro schon durch die nächste Kurve. Doch mit brachialem Rallyesport hat das nichts zu tun, als Beifahrer muss man sich trotz des hohen Tempos nicht an der grifflosen Tür festklammern. Röhrl prügelt den Quattro nicht etwa im Schweden-Stil über die Strecke und nutzt dabei die Schneewand als Bande. Er zirkelt stattdessen mit rasanten, aber flüssigen und minutiös dosierten Lenkbewegungen um die Kurven. Sobald es die Traktion zulässt, schiebt er den Wagen mit Vollgas aus der Kurve. Durch das Bremsen mit dem linken Fuß lässt sich das Turboloch überlisten, weil der rechte Fuß auf dem Gas bleiben kann, und der Allradler wird in der Kurve stabilisiert. Die nächste Kehre kommt, Röhrl bringt die Räder schon vorher in die richtige Position, damit der Quattro seine 450 Newtonmeter Drehmoment sofort in ungehemmten Vortrieb verwandelt.

„Da kannst du endlich mal wieder fühlen, was du eigentlich in dem Auto gemacht hast“, sagt Röhrl, als der Quattro die Passhöhe erreicht und das Gebrüll des Fünfzylinders den Schnee von den Wipfeln zu fegen scheint. Dabei hatte Röhrl die Fahrt zum Col de Turini 1984 fast genießen können. „Ich war schon der Führende und hatte auf dieser Passage nicht mehr diesen Druck im Nacken. Ich bin so schnell gefahren, wie es geht, damit ich keine Zeit verliere, aber ich musste nicht hart pushen“, erinnert sich der zweifache Rallye-Weltmeister.

Die „Monte“ sei schon immer eine seiner Traumstrecken gewesen, und das nicht nur wegen ihres enormen Prestiges und der großen Öffentlichkeitswirksamkeit. Sie passte auch zu seiner präzisen und betont materialschonenden Fahrweise. Als Röhrl vor kurzem die Rallye Dakar im Fernsehen verfolgte, litt er mit den Autos mit, die schonungslos über Stock und Stein geprügelt wurden. „Ich habe nie Rallyes gemocht, bei denen das Auto extrem strapaziert wird“, so Röhrl, „deswegen war die Rallye Monte Carlo so schön. Es gab Schnee und Asphalt, und du musstest nicht so brutal sein, um zu gewinnen – einfach nur gut Auto fahren.“ Röhrl und sein Copilot Christian Geistdörfer siegten gleich viermal bei der Monte, und das noch vor ihrer Audi-Episode mit den Marken Opel, Fiat und Lancia.

Der Rallye-Quattro, mit dem Röhrl an den Ort des Geschehens zurückkehrt, ist ein Originalfahrzeug von 1984. Als Testfahrer hatte Röhrl den Ingenieuren bei der Weiterentwicklung des Allrad-Konzepts geholfen, das erst mit dem zentralen Torsendifferenzial die gewünschte „Kurvenwilligkeit“ bekam. Der 4,4 Meter lange Wagen wiegt nur rund eine Tonne und leistet 360 PS bei 7000 Umdrehungen. In 4,2 Sekunden schnellt der Rallye-Bolide von 0 auf 100 Km/h. Das Serienmodell, das 1980 im Rahmen des Genfer Salons präsentiert wurde – passenderweise in einer Eishalle - leistete 200 PS bei moderaten 5500 Umdrehungen.

Der Monte-Sieg und die Rallye-Markenweltmeisterschaft 1984 stürzten die Ingolstädter in einen Freudentaumel. In den Folgejahren allerdings ging die Krone an Peugeot. Der neu entwickelte Sport Quattro mit kurzem Radstand brachte nicht den gewünschten Erfolg. Röhrl gewann mit einem der kurzen Quattros 1987 allerdings das „Pikes Peak“-Bergrennen in Colorado, er bewältigte die 20 Kilometer lange Strecke als erster Fahrer in weniger als elf Minuten. Der S1 hatte brachiale 600 PS unter der Haube und einen gewaltigen Heckflügel. Das Rennen war gleichzeitig der letzte Einsatz des „Flügelmonsters“, Audi zog sich 1987 aus der Weltmeisterschaft zurück.

Da hatte der Quattro allerdings sein Klassenziel schon längst erreicht: Den langweiligen Autobauer Audi zu einer Trendmarke mit „Vorsprung durch Technik“ zu machen. Nach dem Coupé kam der Quattro-Antrieb auch in andere Serienfahrzeuge. 1985 stand in jeder Modellreihe mindestens ein Auto mit Vierradantrieb parat. 1980 betrug der Quattro-Anteil an Audis Gesamtproduktion noch 0,1 Prozent, 1995 schon bei mehr als 11 Prozent. 2009 hatte jeder dritte Audi Allrad an Bord. Insgesamt liefen seit 1980 fast 3,3 Millionen Audis mit Quattroantrieb vom Band.

Walter Röhrl ist heute übrigens Testfahrer und Markenbotschafter für Porsche, obwohl er den Hecktrieblern in den 80ern wenig abgewinnen konnte: „Solange Porsche kein Auto mit Vierradantrieb baut, kaufe ich mir keinen mehr“, hatte sich der Bayer nach seiner Allrad-Erfahrung mit Audi geschworen. Erst als der Carrera 4 mit Allrad auf den Markt kam, schlug er wieder zu.
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Quelle: Autoplenum, 2010-03-02

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