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Testbericht

Stefan Grundhoff, 2. Juni 2011
Aus dem einstigen Insider-Treff am Wörthersee ist im Laufe der Jahre eine riesige Open-Air-Messe des Volkswagen-Konzerns geworden. Die Fans jubeln - und warten auf den ersten Porsche-Auftritt.

Aus dem einstigen GTI-Szenetreff wurde ein VW-Konzernevent geworden, der seinesgleichen sucht. Die echten GTI-Fans kommen noch immer, doch mittelweile dröhnen und grollen auch getunte Seat Leon, Audi A5 oder scharf gemachte Skoda Octavias durch das enge Spalier im verschlafenen Reifnitz am Wörthersee. Was in Sachen VW-Tuning machbar ist, kann beim GTI-Treff bestaunt werden und noch ein gutes Stück mehr. Längst vorbei sind jene Zeiten, in denen es Grabenkämpfe zwischen den GTI-Jüngern und Fans anderer Marken gab. Zerkratzte BMW 3er und verunglimpfte Opel Astras hat am Wörthersee schon lange kein Polizist mehr gesehen. Nicht nur alt eingesessene Besucher monieren, dass das GTI-Treffen seine Natürlichkeit, die Jungfräulichkeit vergangener Jahrzehnte verloren hat. Als sich die Fans des Massensportlers VW Golf GTI im Jahre 1981 zum ersten Mal am Wörthersee trafen, kam die neue deutsche Welle erst langsam auf Touren und der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion zelebrierte seinen Höhepunkt.

In diesem Jahr feiern die Golf-Fans am Wörthersee zwei runde Jahrestage. Zum einen den 30. Geburtstag des Treffens selbst und den 35. Geburtstag ihres Idols, des Golf GTI. Wie sich die Zeiten ändern können. Aus den ehemaligen 110 PS des Ur-GTI sind mit der GTI-35-Edition 235 Pferde geworden. Der GTI gehört noch immer zu den sportlichsten Fahrzeugen in dem Segment, das er begründete. Aus der Schar von Fans ist am Wörthersee eine Massenveranstaltung mit mächtiger Unterstützung des VW-Konzerns geworden. Doch noch immer ist der Termin Ende Frühling / Anfang Sommer am Kärntner Sonnensee in Reifnitz gesetzt. Viele kommen nicht allein, sondern bringen Freunde, Club oder gar die Familie mit nach Kärnten. Michael aus dem Mayenkreis hat seinen Golf R32 ungewöhnlich individualisiert. Er ist komplett mit bunten Punkten überzogen: „Es hat drei Tage gedauert, ehe alle Punkte auf dem Wagen drauf waren.“ Für zusätzlichen Charme bei seinem „R-König“ sorgen die hellblau lackierten Alufelgen.

Doch in den engen Gassen von Reifnitz gibt es noch spektakulärere Vehikel zu entdecken. Hier ein überbreiter Corrado-Umbau im Testarossa-Stil, da ein sehenswerter Käfer der Generation II und ein Stück weiter ein übel verunglimpfter Golf III von 1992. Mehr und mehr setzt sich das klassische Tuning durch. „Ich wollte meinen Golf I so original haben, wie es 1981 vom Band gelaufen ist“, lacht der 25jährige Thomas aus der Nähe von Kaiserslautern, „nur eben ein bisschen besser.“ Der grüne Metallic-Lack strahlt wie am ersten Tag. Statt der am Wörthersee inflationären Flachbildschirme gibt es im Innern des Golf ein altes Blaupunkt-Radio und eine Teleskopantenne. Das Schiebedach hat Thomas eigens anfertigen lassen. Es sieht wie das gesamte Interieur aus wie neu. Unter der Motorhaube strahlt ein edelstahlverkleideter Vierzylinder mit gerade einmal 70 PS. „Ich baue an dem Wagen schon über drei Jahre herum“, erzählt der Golf-Fanatiker, „ist mein vierter Golf und mein bester. Aber ich habe natürlich auch noch einen GTI.“

Während sich in den letzten vier Jahren immer mehr Konzernschwestern unter die GTI-Fans gemischt haben, gibt es bislang nur eine Handvoll Porsche zu sehen. Bei dem ein oder anderen VW Bulli bollert im Heck zwar ein Sechszylinder-Boxer aus Zuffenhausen. Doch die paar versprengten Boxster und zwei 911er werden von Fremdfabrikaten wie Skoda Fabia, Seat Leon und einer größer werdenden Audi-Armee vollends erdrückt. Das dürfte sich in den nächsten Jahren durchaus ändern, denn längst hat sich der GTI-Treff am Wörthersee zum größten Volkswagen-Markentreff der Welt entwickelt.

Die professionellen Fanstände von VW, Seat, Audi und Skoda könnten auch auf einer internationalen Automesse bestehen und bei welchem Markentreff zeigt ein Hersteller schon Weltpremieren wie den VW Golf GTI 35, ein 503 PS starkes Audi A1 Concept Quattro oder das spektakuläre VW Golf R Cabriolet – ebenfalls 270 PS stark? Viele GTI-Fans bekommen die großen Aufritte schon gar nicht mehr mit. Wenn spärlich bekleidete Mädchen Ganzkörper-Golf-Waschungen anbieten, AC/DC aus den Boxen dröhnt und der Alkohol aus Eimern fließt, ist es bisweilen schwer auf der Höhe zu bleiben. Immerhin: nach vier Tagen GTI-Spektakel ist alles vorbei und zwischen Velden und Klagenfurt kehrt wieder Ruhe ein – bis zum großen Schlagertreff im Juli oder dem nächsten GTI-Treff.
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Quelle: Autoplenum, 2011-06-02

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