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Testbericht

Stefan Grundhoff, 13. Juni 2011
Wer hätte gedacht, dass zwei langsame Ferraris das 24-Stunden-Rennen von Le Mans entscheiden würden? Frühe Unfälle von zwei der favorisierten Audi R 18 TDI ließen Peugeot lange Zeit auf der Siegerstraße fahren, doch ein einsamer Audi ließ die französischen Festspiele letztlich doch noch platzen.

Hatten im vergangenen Jahr Peugeot-Ausfälle das 24-Stunden-Rennen von Le Mans entschieden und Audi den Sieg gebracht, so schrieb die 79. Auflage des wohl schwierigsten Autorennens der Welt diesmal eine ganz andere Geschichte. 24 Stunden Vollgas auf der 13 Kilometer langen Rennstrecke gibt es jedes Jahr. Doch wenn nach einem Tag gerade einmal ein Vorsprung von 13,4 Sekunden herausspringt, wird schnell klar, wie knapp dieses Rennen gewesen sein muss. In der Königsklasse LMP-1 ließen die Dieselrenner von Audi und Peugeot den Benzinern einmal mehr keine Chance. Die beiden dominierten das 79. 24-Stunden-Rennen nach Belieben. Letztlich gewann der Audi R 18 TDI mit der Startnummer zwei in der Besetzung Benoit Treluyer, Marcel Fässler und Andre Lotterer von vier Peugeot 908. Die drei Werks-Peugeot mit den Startnummern neun, acht und sieben konnten den einzig verblieben Audi R 18 TDI auch bei leicht einsetzendem Regen nicht mehr abfangen und belegten die Plätze zwei, drei und vier.

Der 13 Kilometer lange Circuit de La Sarthe gilt als einer der schwersten Kurse weltweit. Noch mehr als die Strecke selbst setzt die 24stündige Dauerbelastung Fahrern, Teams und Material zu. „Was hier alle Beteiligten leisten, ist für jemanden der es nie miterlebt hat, nicht zu verstehen“, erklärt Doug Fehan, vom Corvette-Team Pratt Miller, „die Autos legen während der 24 Stunden so viele Kilometer zurück wie eine gesamte Formel-1-Saison. Die Mechaniker müssen ein paar Tage am Stück mit allenfalls zwei bis drei Stunden Schlaf auskommen. Das ist mörderisch.“ Die 24 Stunden von Le Mans sind eine automobile Legende. So gab es auch bei der diesjährigen Auflage wechselnde Wetterbedingungen, Ausflüge, Höchstgeschwindigkeiten und gefährliche Überrundungen im Sekundentakt. Das spürte in diesem Jahr insbesondere das Rennteam von Audi. Als Topfavorit gestartet, dezimierten sich die Vorjahressieger selbst. Erst riskierte Allan McNish nach nur einer Stunde Renndauer beim Überholvorgang zu Platz eins zu viel und kollidierte mit einem Ferrari aus der langsamen GT-Klasse und überschlug sich mehrfach. Er blieb bei seinem spektakulären Abflug ebenso weitgehend unverletzt wie Mike Rockenfeller, der mit seinem Audi R 18 TDI ebenfalls mit einem langsamen Ferrari der GT-Klasse in der Indianapolis-Passage zusammenprallte und das Rennen für den Audi mit der Startnummer eins beenden musste.

Zwei von drei Audi R 18 TDI nach weniger als der Renndauer nur noch Schrott, während die Peugeot 908 lange ohne nennenswerte Probleme den knapp 13 Kilometer langen Rennkurs von Le Mans hinter sich brachten. Die 24 Stunden von Le Mans sind ein automobiler Hindernislauf in Höchstgeschwindigkeit. Längst mutet das Rennen auf dem 13.629 Kilometer langen La-Sarthe-Kurs an wie ein Sprintrennen, das in seinen vier Wertungsklassen LMP-1, LMP-2, LM GTE Pro und LM GTE AM Teams, Fahrer und Material an die Grenzen der Belastbarkeit bringt. Auf der langen Gegengeraden zwischen Tertre Rouge und der Playstation-Schikane werden ebenso wie kurz vor Start und Ziel Geschwindigkeiten von über 330 km/h erreicht. „Hier muss wirklich alles passen. Jeder arbeitet mit konzentriert und mit militärischer Disziplin. Und doch – auch wenn man alles richtig macht, ist das ganze Rennen zur Hälfte reines Glück“, so Doug Fehan vom Pratt-Miller-Team, das die beiden gelben Renncorvettes einsetzte und schließlich die GTE-Klasse gewann.

Übermächtig haben sich in den letzten Jahren die beiden Topteams aus der LMP-1-Klasse in Szene setzen können. Da stehen in Le Mans selbst Motorsport-Traditionsmarken wie BMW, Porsche, Corvette oder Nissan auf verlorenem Posten. Dementsprechend ist der französische Fankult kaum mit dem vom Nürburgring oder den Le-Mans-Series-Rennen in den USA vergleichbar. Doch die Stimmung rund um die Kurven Arnage, Mulsanne, Porsche oder Ford ist besonders nach Sonnenuntergang unvergleichlich. Hier feiern bis tief in die Nacht hunderte von Dänen nahe der Boxengasse, da ein Vauxhall-Club aus Birmingham und weiter findet ein europäisches Corvette-Treffen statt. Die Fans lieben nicht nur die 56 startenden Rennwagen, sondern auch die eigenen Boliden. So wird rustikal neben dem eigenen Ferrari oder Porsche gecampt, sich mit dem SL-Club nahe der Ford-Kurve auf Kissen sitzend getroffen oder es gibt ein Trinkgelage nahe der Playstation-Schikane. Und doch würden ein paar weitere Hersteller dem 24-Stunden-Klassiker gut tun. Porsche ist in den LMP-1-Startlöchern, BMW und Corvette in der GTE-Klasse zunehmend präsent und auch Ferrari hat Le Mans wieder mehr denn je für sich entdeckt. Doch Marken wie Jaguar, Mercedes, Toyota oder Honda fehlen und Aston Martin muss seine Hausaufgaben beim nächsten Mal einfach besser machen, um sich effektvoll zu präsentieren. Wie gut würde Mazda eine imageträchtige Rückkehr nach Le Mans tun, nachdem man hier 1991 mit dem Wankelrenner Mazda 787 B siegen konnte?

Die 79. Auflage des Langstreckenklassikers wird jedoch kaum jemand vergessen. Nicht enden wollende Führungswechsel, Vollgas-Stints, defekte Reifen und endlose Überholmanöver gibt es auf kaum einer anderen Rennstrecke der Welt zu sehen. Außer am Nürburgring. Hier findet in knapp zwei Wochen das nächste legendäre 24-Stunden-Rennen statt. Die 210 Fahrzeuge verschiedenster Geschwindigkeiten werden das Ganze wieder zu einem Motorsportspektakel der besonderen Art machen. Doch dass der Sieger nach 24 Stunden gerade einmal 13,4 Sekunden Vorsprung hat, darf bezweifelt werden. Audi und Peugeot sind ebenfalls wieder am Start; jedoch in anderen Klassen mit unterschiedlichen Autos. Und 2012 wollen sich die Franzosen bei den 24 Stunden von Le Mans dann revanchieren.
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Quelle: Autoplenum, 2011-06-13

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