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Testbericht

Elfriede Munsch/SP-X, 5. August 2020
SP-X/Köln. Als die Mercedes E-Klasse (W 212, 2009 bis 2016) debütierte, trat sie ein schweres Erbe an. Waren doch der direkte Vorgänger (W 211, 2002 bis 2009) und besonders der Vor-Vorgänger (W 210, 1995 bis 2002) nicht unbedingt ein Ruhmesblatt für schwäbische Zuverlässigkeit und Qualität und ramponierten das Image der oberen Stern-Mittelklasse. Aber: Nachdem der W 210 mit Rostproblemen und der W 211 mit Problemen an der elektrohydraulischen Bremse (SBC) für negative Schlagzeilen sorgten, fand die W 212-Version wieder zur alten Stärke.Karosserie und Innenraum: Die E-Klasse wird neben der Limousine auch als Kombi (T-Modell) angeboten. Der Kombi bietet mit fast 2.000 Litern Maximal-Stauraum eines der größten Gepäckabteile überhaupt. Dieses kann nicht nur für Koffer und Einkaufstaschen genutzt werden, sondern – mittels optionaler Klappsitze – auch für den Transport von zwei zusätzlichen Passagieren. Das ebenfalls als E-Klasse verkaufte Cabrio beziehungsweise Coupé ist technisch nur weitläufig verwandt, nutzt beispielsweise die Bodengruppe der kleineren C-Klasse. Im Vergleich zum Vorgänger zeigen Limousine und Kombi wieder mehr optische Präsenz. Selbstbewusstsein im Außenauftritt ist hier serienmäßig. Das Design polarisiert jedoch, nicht jeder Betrachter erfreut sich an den üppigen Bögen und den kantigen Doppelscheinwerfern. Die Kritik an der Formgebung nahmen sich die Mercedes-Gestalter zu Herzen und präsentierten 2013 mit dem Facelift ein umfangreich überarbeitetes Fahrzeug mit unter anderem geänderten Stoßfängern und Rückleuchten sowie modifizierter Motorhaube. Insgesamt wirken Limousine und T-Modell dadurch gestreckter und eleganter. Wie schon bei der C-Klasse üblich können Käufer nun zwischen zwei Kühlergrill-Varianten wählen: einen klassischen Grill mit dem Stern auf der Motorhaube oder einen Grill mit integriertem Logo. Außerdem frischte Mercedes den Innenraum im Rahmen des Facelifts auf, eine neue Instrumententafel und ein anderes Kombiinstrument hielten Einzug. Unverändert bleiben das großzügige Platzangebot, die hohe Verarbeitungsqualität sowie die gute Komforteigenschaften von Fahrwerk und Sitzen.Motoren und Antrieb: Das Motorenangebot ist riesig und umfasst Benziner, Diesel, Hybride mit Diesel- oder Benziner-Kombination und Erdgas-Versionen. Vier-. Sechs- und Achtzylinder-Triebwerke stehen zur Wahl, dazu Heck- und Allradantrieb. Da dürfte nach jedem Geschmack das passende Aggregat dabei sein. Viele Erstbesitzer entschieden als Vielfahrer für einen Diesel. Das Selbstzünder-Portfolio spannt ein Leistungsbogen von 100 kW/136 PS (E 200 CDI) bis 195 kW/265 PS (E 350 CDI 4Matic Blue Efficiency); sie sind als Vier- oder Sechszylinder ausgeführt. Besonders sparsam ist der Diesel-Hybrid, der als E 300 BlueTec Hybrid ab 2012 zu haben ist und das 150 kW/204 PS starke 2,2-Liter-Aggregat mit einem 19 kW/26 PS-Elektromotor kombiniert. Der Normverbrauch liegt bei 4,2 Litern.Fahren die Vierzylinder-Diesel zum Teil etwas rau vor, geben sich die Sechszylinder kultivierter. Letztere sind serienmäßig mit Siebenstufen-Automatik gekoppelt, bei den Vierzylindern gibt es auch noch die ältere Fünfstufen-Automatik oder ein manuelles Getriebe. In den ersten Baujahren zeigten die Selbstzünder allerdings einige Qualitätsprobleme, etwa bei den Injektoren oder den Steuerketten der Vierzylinder.Auf Benzinerseite sind Vier-, Sechs- und Achtzylinder verfügbar. Los geht es mit dem E180 (115 kW/156 PS) und es endet mit den Topaggregaten E 500 mit 300 kW/408 PS und den AMG-Modellen mit bis zu 430 kW/585 PS. Für die Kraftübertragung sorgt bei den Vierzylindern bis auf wenige Ausnahmen eine Automatik mit fünf oder sieben Gängen, bei den Sechs -und Achtzylindern ist eine Siebengang-Automatik Standard. Ab 2014 gehört beim E 300 (170 kW/231 PS) sowie beim E 350 (185 kW/252 PS) eine Neungang-Automatik zur Serienumfang.Ausstattung und Sicherheit: Die wenigsten Fahrzeuge dürften als „Basis“-Varianten verkauft worden sein. Obwohl diese natürlich bei den deutschen Premium-Herstellern die Klassenstandards an Bord haben, verführen lange Aufpreislisten zum Häkchen setzen. Optik und Komfort können auch bei der E-Klasse vielfältig verfeinert und individualisiert werden. Zu den interessanten Punkten zählt neben einer Automatik für die kleinen Motoren Xenonlicht, das Assistenzpaket mit adaptivem Tempomat, Totwinkel-Warner und Spurhaltehelfer sowie für sportliche Fahrer die Direktlenkung. Dazu sind Upgrades beim Fahrwerk (adaptiv, Luftfederung, Sportfahrwerk) oder bei den Sitzen (Multikontur, Klima, Sport) erhältlich. Die Modelle ab dem Facelift warten je nach Ausstattung oder Individualisierungsbereitschaft des Erstkäufers mit verbesserten und erweiterten Funktionsweisen der Assistenten auf. So sorgt eine Stereo-Kamera, die drohende Unfälle mit querenden Fahrzeugen oder Fußgängern erkennt, für mehr Sicherheit. Außerdem gibt es einen radargestützter Notbremsassistent sowie ein Müdigkeitswarner. Beim Euro-NCAP-Crashtest leistete sich die E-Klasse 2010 keine Schwächen und erzielte eine fünf-Sterne-Wertung.Qualität: Der TÜV bescheinigt der E-Klasse über die gesamte Produktionszeit trotz überdurchschnittlich hoher Laufleistung eine überdurchschnittliche Anzahl von geprüften Fahrzeugen ohne Mängel. Allerdings hat die E-Klasse mit einigen Macken zu kämpfen. Gebrauchtwagenkäufer sollten auf die Feststellbremse achten; diese neigt zur Arbeitsverweigerung. Fahrwerk und Lenkung machen wenig Probleme, die Federn sollte man genauer checken lassen. Interessenten von Diesel-Motoren aus den ersten Baujahren achten am besten darauf, dass etwa die Steuerketten der Vierzylinder einwandfrei sind beziehungsweise bereits fachmännisch repariert wurden.Fazit: Der W 212 ist wieder ein „richtiger“ Mercedes: teuer, aber grundsolide. Das zeigt sich auch in den Angeboten der Gebrauchtwagen-Portale. Wer nicht gerade ein Modell mit sehr hoher Laufleistung (über 400.000 Kilometer) erwerben möchte, muss mindestens um die 8.000 Euro anlegen.Na geht doch: Die Mercedes E-Klasse (W 212) zeigte, dass die Schwaben doch noch ein Händchen für ihre obere Mittelklasse haben und aus Fehlern gelernt haben.
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Fazit
Na geht doch: Die Mercedes E-Klasse (W 212) zeigte, dass die Schwaben doch noch ein Händchen für ihre obere Mittelklasse haben und aus Fehlern gelernt haben.

Quelle: Autoplenum, 2020-08-05

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