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Testbericht

Peter Eck/SP-X, 20. Februar 2013

Volkswagen hat es vorgemacht, Volvo zieht nach: Für ihre mittelgroßen und großen Baureihen, die derzeit unter den Ziffern 60, 70 und 80 firmieren, wollen die Schweden künftig mit einer modularen Plattform, einem Basismotor und drei Getrieben auskommen. Die sogenannte „Skalierbare Produkt Architektur“ (SPA) ist mit den modularen Baukästen von Volkswagen vergleichbar. Einfach gesagt können so auf einer flexiblen Plattform Fahrzeuge mit unterschiedlichem Radstand, Länge und Breite produziert werden.

Erstes Fahrzeug auf der SPA-Plattform wird der Volvo XC 90 sein, der Ende 2014 kommt. Anschließend sollen weitere Fahrzeuge folgen, darunter auch eine neue Generation der Modelle V70 und S80, die wahrscheinlich unter einer Nomenklatura zusammengefasst werden (evtl. V90, S90). Auch ein Coupé wird es wahrscheinlich geben. Ein von Volvo gewährter kurzer Blick auf den Schattenriss des künftigen Fahrzeugs zeigt ein großzügiges Coupé mit hinreißender Formgebung.

Auch wenn Volvo seine ambitionierten Ziele erreicht und sein weltweites Volumen bis 2020 auf 800.000 Fahrzeuge fast verdoppelt (2012: 422.000 Einheiten), bleibt die Marke im weltweiten Maßstab und auch im Vergleich zu anderen Edelmarken wie BMW oder Mercedes relativ klein. Damit können die Schweden auch nicht im gleichen Umfang über günstigen Einkauf Skaleneffekte verwirklichen, wie die deutschen Konkurrenten oder der hier nochmals viel deutlicher bevorteilte VW-Konzern.

Volvo muss daher vor allem auf intelligente Lösungen setzen. So plant das Unternehmen, künftig nur noch einen Vierzylinder-Motor als Basis zu produzieren, einmal als Diesel und einmal als Benziner. Da alle Aggregate über den gleichen Hubraum (2,0 Liter) verfügen, können so in der Produktion beispielsweise die gleichen Werkzeuge verwendet werden.

Bei der Leistung hingegen setzt Volvo auf eine große Bandbreite, Benziner könnten zwischen 140 und 280 PS haben, Diesel zwischen 120 und 230 PS. Aber auch das wäre noch nicht das Ende der Fahnenstange. In Verbindung mit Elektromotoren, die bis zu 110 PS leisten, könnten zum Beispiel bei Plug-in-Hybriden Gesamtleistungen von bis zu 400 PS und Drehmomente von bis zu 600 Newtonmeter verwirklicht werden. Alle Verbrennungsmotoren werden turbounterstützt. Auch bei den Getrieben will Volvo durch Vereinfachung Kosten sparen. Künftig wird es nur noch je eine Sechsgang-Handschaltung für Benzin- und Dieselmotoren geben, dazu kommt noch eine Achtgang-Automatik.

Während Volvo Motoren mit mehr Zylindern für die Zukunft ausschließt, könnte es für die Kompaktbaureihe auf gleicher Basis Dreizylinder geben, die allerdings Teil eines Mildhybridsystems wären, das die für eine Premiummarke wichtige Potenz sicherstellen würde.

Die neuen Vierzylindermotoren kämen auch für die kompakte V40-Baureihe in Frage. Für die in ca. sechs Jahren zu erwartende Nachfolgegeneration des erst im letzten Jahr vorgestellten V40 hatten sich die Schweden zunächst nach einem Partner umgesehen, mit dem man sich die Plattform teilen könnte. Auch der aktuelle V40 steht auf einer überarbeiteten Plattform des Ford Focus.

Da die Ehe mit Ford allerdings mittlerweile geschieden ist, wollte man auch keine punktuelle Zusammenarbeit mehr. Und da man in Sachen Kompaktplattform auch mit anderen Partnern offensichtlich nicht weitergekommen ist, entschied sich Volvo für eine interne Lösung. Gemeinsam mit dem Geely-Konzern, zu dem die Marke Volvo seit 2010 gehört, will man in Göteborg eigens ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum bauen, in dem 200 Ingenieure die neue Kompaktplattform entwickeln werden. Hier wird es für den schwedischen Hersteller relativ hochpreisiger Fahrzeuge entscheidend sein, die eigenen Qualitätsansprüche durchzusetzen und gegenüber dem Mutterhaus keine Kompromisse einzugehen, die das insgesamt immer noch sehr positive Image der Marke gefährden könnten.

Dabei allein kann es Volvo allerdings nicht bewenden lassen, darüber ist sich auch Hakan Samuelson, der Vorstandvorsitzende von Volvo Cars, im Klaren. „Wir waren bisher im Design häufig zu langweilig. Volvo wird sich künftig durch klares skandinavisches Design und clevere Funktionen vom Wettbewerb unterscheiden“, verspricht der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Lkw-Herstellers MAN, der seit Herbst 2012 die Geschicke von Volvo leitet. Wichtigstes neues Modell werde der XC40 sein, ein Kompakt-SUV auf Basis des V40 und in der Tradition des erfolgreichsten Volvo-Modells XC60. Wann der neue Hoffnungsträger allerdings auf den Markt kommen wird, dazu macht Volvo noch keine Angaben, man darf allerdings auch hier das Jahr 2014 vermuten.

Volvo will seinen Absatz bis 2020 verdoppeln – und bliebe im Weltmaßstab auch dann noch einer der kleinen Hersteller. Umso wichtiger, die künftige Produktion intelligent anzulegen, damit die Kosten im Griff behalten werden. Dafür haben sich die Schweden einiges einfallen lassen.

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Fazit
Volvo will seinen Absatz bis 2020 verdoppeln – und bliebe im Weltmaßstab auch dann noch einer der kleinen Hersteller. Umso wichtiger, die künftige Produktion intelligent anzulegen, damit die Kosten im Griff behalten werden. Dafür haben sich die Schweden einiges einfallen lassen.

Quelle: Autoplenum, 2013-02-20

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