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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 6. März 2014

Und wenn er dafür ein Bild braucht, dann beschreibt er den Leoparden auf dem Sprung: Muskulös, schnell, elegant und gaanz, gaanz lang gestreckt. Kein Wunder, dass er dieses Prinzip als erstens bei einem Coupé von über fünf Metern angewandt hat, das als Shinari mit allerlei Designpreisen dekoriert wurde.

Das ist jetzt über drei Jahre her und war die Initialzündung für Modelle wie den Mazda6, den Mazda3 und den CX5. Die haben die Japaner zwar von Ruf der Langweiler befreit und sie bei Styling in die erste Liga der Importmarken katapultiert. Doch Ryo Yanagisawa hat er damit eine schwere Bürde auferlegt. Denn Yanagisawa ist einer seiner Projektleiter und verantwortlich für das Styling des neuen Mazda2, der künftig ebenfalls Kodo sprechen soll. „Dabei gibt es kaum ein undankbareres Fahrzeug für diesen Stil als einen Kleinwagen“, klagt der Kreative: Alles ist auf Länge ausgelegt, alles wirkt gestreckt, und er muss mit gerade mal vier Metern auskommen, stöhnt Yanagisawa.

Aber keine Sorge. Man muss dieser Tage auf dem Genfer Salon nur seine Studie Hazumi anschauen, dann weiß man: Yanagisawa hat seine Aufgabe mit Bravour gelöst. „Wir haben einfach ein bisschen weiter gedacht, unsere Perspektive verändert und so einen Ausweg gefunden“, sagt der Designer, während sich die Mine des kleinen Mannes merklich aufhellt: „Statt den Leoparden im Flug zu erwischen, haben wir den Moment vor dem Absprung festgehalten: Einen Moment von höchster Konzentration, Anspannung und Energie.“ Und vor allem einen Moment, in dem auch ein großes Raubtier für einen Augenblick klein und kompakt wirkt.

Der Hazumi duckt sich auf dem Messestand deshalb besonders tief auf den fiktiven Asphalt, ein paar neue Falze an der Flanke wirken wie Sehnen an einem durchtrainierten Körper und das knackige Heck ist ein einziger Muskel, in jeder Sekunde zum Sprung bereit. So wird der Kleinwagen zum Kondensat von Kodo und stempelt Bestseller wie Corsa & Co zu lustlosen Langweilern.

Auch innen spielt Yanagisawa mit dem Vokabular der neuen Designsprache und rückt deshalb den Fahrer wieder in den Mittelpunkt des Geschehens: Eine durchgehende Linie, die aus der Türtafel aufsteigt, über das Cockpit verläuft und dann im Mitteltunnel abtaucht, markiert für Yanagisawa diesen Ansatz. Denn sie nimmt den Fahrer förmlich gefangen und schließt ihn am Lenkrad ein. Der Sozius dagegen schaut auf ganz wenige, horizontale Linien, die vor allem Weite signalisieren sollen. Vorn hat man diese Weite tatsächlich. Doch hinten geht es trotz 2,59 Metern Radstand vergleichsweise knapp zu – selbst wenn die schalenförmigen Einzelsitze schlank und rank sind und einem ein lichtes Raumgefühl vorgaukeln wollen. Aber vier Meter bleiben vier Meter, da helfen auch die dünnsten Polster und die schlankesten Konsolen nichts – selbst wenn aus ihnen sogar ein Multi-Media-Pad für die Hinterbänkler heraus wächst.

Über das Design sprechen die Japaner schon sehr detailliert, verraten detailliert alle Abmessungen und können zu jeder Linie minutenlang erzählen. Doch wenn es um die Technik geht, dann werden sie wieder ganz still. Klar, das Head-up-Display wird kommen, weil man es schließlich auch schon im Dreier kaufen kann. Und auch das Multi-Media-System mit Online-Verbindung ist fest eingeplant. Doch ob und wie weit sie das Gewicht noch senken werden (den Mazda3 haben die Entwickler beim Generationswechsel immerhin um mehr als zwei Zentner erleichtert), und was sich bei den Assistenzsystemen oder dem Fahrwerk tut – darüber lassen sie sich kaum etwas entlocken. Einzig ihren neuen Skyactiv-Diesel mit nur noch 1,5 Litern Hubraum zerren sich schon ein wenig ans Licht. Wie nah er dem Schätzwert von 110 PS kommt, wollen sie dabei zwar noch nicht verraten. Doch dass er im Serienauto mit 3,4 Litern zufrieden sein soll, ist doch schon mal eine Ansage.

Wer mehr wissen will, der muss die Ingenieure löchern oder einfach noch ein bisschen warten, bis aus dem Hazumi der nächste Mazda2 wird. Yanagisawa jedenfalls kümmert sich nur um das Blech und nicht um das, was darunter ist. Viel zu tun hat er damit jetzt allerdings nicht mehr: Denn auch wenn der Hazumi wie jede Studie ein wenig überzeichnet ist, damit der Kleine im Messetrubel überhaupt auffällt, wird sich daran nicht mehr viel ändern: „Ein paar Details verschwinden, aber der Geist des Leoparden beim Sprung bleibt erhalten.“ Außer Felgen, Spiegeln oder Türgriffen, die auf dem Altar der Kostenkiller geopfert werden, soll sich bis zur Serie nicht mehr viel ändern, verspricht Yanagisawa. Und er muss es wissen. Schließlich ist der neue Mazda2 längst fertig. Denn selbst wenn er bei uns erst Anfang 2015 kommt, steht er in Japan schon diesen Sommer bei den Händlern.

Sein Chef Ikeo Maeda hatte es noch leicht. Der konnte seine Designsprache Kodo an einem großen, eleganten Sportcoupé einführen. Doch Mazda-Projektleiter Ryo Yanagisawa hatte die undankbare Aufgabe, diese Linie auf einen Kleinwagen von nur vier Metern zu übertragen – und hat sie beim Hazumi mit Bravour gelöst.

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Fazit
Sein Chef Ikeo Maeda hatte es noch leicht. Der konnte seine Designsprache Kodo an einem großen, eleganten Sportcoupé einführen. Doch Mazda-Projektleiter Ryo Yanagisawa hatte die undankbare Aufgabe, diese Linie auf einen Kleinwagen von nur vier Metern zu übertragen – und hat sie beim Hazumi mit Bravour gelöst.

Quelle: Autoplenum, 2014-03-06

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