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Testbericht

Stefan Grundhoff, 21. September 2014
Auch wenn es sich paradox anhört und das 24-Stunden-Rennen bereits Geschichte ist: die Le Mans Serie der WEC geht erst jetzt in die heiße Phase. Wurde in Europa nur gekuschelt, geht in Übersee die Post ab. In Texas gab es erneut einen Audi-Doppelsieg.

Alles schaut im Juni nach Le Mans. Die legendäre Rennstrecke an der Sarthe und das alljährliche 24-Stunden-Rennen lassen selbst die Formel-1 zur drögen Nebensache werden. Audi siegte bei der 2014er-Auflage gleich doppelt, Toyota schaute in die Röhre und Porsche musste mit seinem neu entwickelten 919-Hybrid-Doppelpack Lehrgeld zahlen. Doch die spektakuläre Rennserie der World Endurance Championship (WEC) ging in den USA nach den drei Europarennen in Spa, Silverstone und Le Mans und einer überlangen Sommerpause in die heiße Phase. Nachdem Audi den großen Toyota-Vorsprung vom Saisonbeginn mit der doppelten Wertung des 24-Stunden-Rennens von Le Mans nahezu ausgleichen konnte, sah es auf dem kurvigem 5,5-Kilometerkurs in Austin / Texas lange Zeit ganz anders aus. Nachdem sintflutartige Regenfälle und zahllose Ausrutscher das Sechs-Stunden-Rennen zwischenzeitlich zum Abbruch brachten, lag der Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer 14 und der Fahrerbesetzung Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani bis knapp eine Stunde vor Rennende in Führung, um letztlich von den immer stärker werdenden Audi R18 e-tron und sogar einem der beiden Toyota TS 040 Hybrid noch abgefangen zu werden. So wiederholte Audi seinen Doppelsieg aus Le Mans. Bitter: als Sieger und Platzierte um 23 Uhr nach 157 Rennrunden über die Ziellinie fuhren, bekamen das auf dem Circuit oft he Americas, der bis zu 150.000 Zuschauern Platz bietet, nur ein paar hundert Zuschauer mit.

Die USA bleiben auch im Lone-Star-State Texas ein Motorsportland, das sich fast ausschließlich für Indycar und Nascar begeistern kann. Nur ein paar tausend Zuschauer verfolgten am Wochenende vor Ort des Sechs-Stunden-Rennen rund 20 Minuten südöstlich der texanischen Hauptstadt Austin. Dort, wo die Steaks groß wie Teller und die Viehherden ebenso unüberschaubar wie die Zahl der Ölpumpen sind, gingen die Texaner scheinbar lieber zum Angeln, Bullenreiten in San Antonio oder entspannten von dem heimischen Fernseher bei American Football. Die verpassten einen spektakulären Rennevent mit zahlreichen Führungswechseln, Überholmanövern und Wetterkapriolen zwischen schwüler Hitze und Sturzbächen.

Nach ihrem Erfolg bei den 24 Stunden von Le Mans setzten sich Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer auf dem Audi R18 e-tron auch beim vierten Saisonrennen durch. Lucas di Grassi, Loïc Duval und Tom Kristensen sicherten den Ingolstädter Doppelsieg vor dem Toyota TS 040 mit der Startnummer 8 mit dem Trio Buemi / Davidson / Lapierre. "Wir sind sehr glücklich, denn der Sieg war perfekt - ganz im Gegensatz zu unserem Qualifying. Das Rennen begann etwas wild mit dem Regenschauer in der Anfangsphase. Aber das Team von Audi hat den besten Überblick bewahrt und richtig agiert", so Sieger Marcel Fässler.

Die beiden vielversprechend gestarteten Porsche 919 Hybrid landeten vor dem zweiten Toyota TS 040 auf den Rängen vier und fünf. "Der Rennausgang ist natürlich enttäuschend. Bei dem heißen und trockenen Wetter der Anfangsphase konnten wir das Tempo der Spitze nicht mitgehen, waren im Regen hingegen erstaunlich stark", erläutert Teamchef Andreas Seidl, "beim Neustart wählten wir unterschiedliche Strategien für die beiden Autos, um die Risiken zu verteilen. Die Nummer 14 mit profillosen Reifen ins Rennen zu schicken, hat später die Führung ermöglicht. Am Ende brachte uns ein Leistungsverlust im Antriebsstrang um einen Podestplatz." Gerade bei hohen Geschwindigkeiten scheint der aufgeladene Vierzylinder mit gerade einmal zwei Litern Hubraum des Porsche 919 Hybrid gegenüber den Sechszylinder-Dieseln des Audi oder dem Achtzylinder-Benzinern von Toyota nennenswerte Nachteile zu haben.

Die WEC-Serie, in der Audi, Toyota und Porsche mit ihren hybriden Hightech-Geschossen um Ruhm, Sieg und Innovationen kämpfen, reist weiter. Nach dem Langstreckenrennen auf dem japanischen Fuji-Kurs Mitte Oktober, finden im November drei weitere Rennen in Shanghai, Bahrain und Sao Paulo statt. Chancen für Audi, seine Führung in Hersteller- und Fahrerwertung auszubauen, während insbesondere Porsche seine Wunden lecken kann und Toyota große Erwartungen hegt. Neben den Plätzen vier und fünf in der LMP1-Klasse lief es bei den Sportwagen für Porsche nicht viel besser. Die beiden 911 RSR lagen lange in Austin als Doppelpack in Führung, ehe es letztlich nur zu den Plätzen zwei und vier reichte. Der Sieg in der GTE-Pro-Klasse ging an Aston Martin mit Dan Turner und Stefan Mücke vor der Porsche-Fahrerbesetzung Patrick Pilet und Frédéric Makowiecki. Patrick Pilet: "Auf nasser Strecke lag unser Auto sehr gut. Wir konnten in Führung gehen und uns sogar ein Stück weit absetzen. Als es dann wieder abtrocknete, hatten wir gegen den Aston Martin aber keine Chance." Auf Platz drei: der Ferrari 458 Italia in der Fahrerbesetzung Bruni / Vilander.

In der 800.000-Einwohnerstadt am Colorado River, überragt vom spektakulären Capitol Hill, gab es vor dem Rennen kaum Hinweise auf einen der Saisonhöhepunkte. Erst drei Meilen vor der Strecke, gab es vor Tankstellen, an denen die Gallone Benzin gerade einmal drei Dollar kostet, ein erstes Hinweisschild auf die Circuit of the Americas; doch nichts zum Sechs-Stunden-Rennen selbst. Kein Wunder, dass dann die Zuschauer schwänzen. Die Rennstrecke von Austin selbst ist in ihrer dritten Saison einer der regionalen Hotspots geworden. Das hügelige Areal mit dem spektakulären Aussichtsturm beheimatet nicht nur zahlreiche Rennserie wie im Herbst unter anderem die Formel-1, sondern ist ganzjährig Anziehungspunkt für zahlreiche Konzerte. Der Hörgenuss an diesem Wochenende waren jedoch weder Rockröhren oder Countrysternchen, sondern bullig bollernde Langstreckenboliden, die sich nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit sechs Stunden bis aufs letzte bekämpften. Dass am Ende mit den Diesel-Hybriden von Audi die beiden leisesten Boliden im Feld der 30 Fahrzeuge gewannen, ist mehr als eine Randnotiz. In die Frühnachrichten hat es das WEC-Rennen auch nicht geschafft. Hier drehte sich alles um einen Dammbruch im Westen von Austin und den verheerenden Hurrican Hugo, der vor 25 Jahren über die Region fegte. So gefährlich ging es auf dem Circuit of the Americas dann doch nicht zu.
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Quelle: Autoplenum, 2014-09-21

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