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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 27. März 2020
Die digitalen Rückspiegel sind auf dem Vormarsch. Doch was bringen die Kameras, die die klassischen Außen- und Rückspiegel zunehmend ersetzen?

Der VW XL1 war eines der ersten Autos, das ohne Rück- und Außenspiegel auskam. Gut, wird jetzt der eine oder andere sagen, bei der schlechten Sicht nach hinten ist das auch gut so. Tatsächlich war ein Hauptgrund für das Verwenden der Kameras anstelle der traditionellen Glasflächen, die bessere Aerodynamik und die damit verbundene Verbrauchsreduzierung. Schließlich sollte der VW XL 1 mit nur einem Liter Diesel auf 100 Kilometer auskommen.

Damals empfand man die Monitore in den Türen noch als technische Spielerei, doch das hat sich geändert. Cadillac läutetet mit dem CT6 2016 die digitale Revolution bei der Sicht nach hinten ein, denn der Rückspiegel war digital. Das Bild kam von einer HD-Kamera, die über der Heckscheibe montiert war und erweiterte das Sichtfeld des Fahrers im Vergleich zu einem konventionellen Spiegel um den Faktor vier. \"Das Sichtfeld ist am ehesten mit einem Cabrio zu vergleichen, dessen Verdeck unten ist\", erklärte damals Chefentwickler Travis Hester. Durch den breiteren Sichtwinkel und ohne störende Hindernisse, wie C-Säulen oder Kopfstützen sollen auch Objekte, die sich im toten Winkel befinden, besser zu erkennen sein. Mittlerweile nutzen mehrere Autos, wie der Audi e-tron, der Jaguar XE, Lexus ES 300h, der Honda e oder LKW wie der Mercedes Actros die künstlichen Augen für den Blick nach hinten, nicht nur als Rück-, sondern auch als Außenspiegel.

Damit sich die Autofahrer nicht großartig umgewöhnen müssen, sind die Monitore ähnlich groß, wie ein traditioneller Spiegel. Ein altbekannter Vorteil dieser Technik bringt im Zeitalter der Elektromobilität mehr Reichweite: Im Vergleich zu den konventionellen Spiegeln sind die aerodynamisch geformten Kameras weit windschlüpfriger. Selbst bei einem Dieseldickschiff, wie den Actros soll der Verbrauch um bis zu 1,5 Prozent sinken. Dazu kommt, dass die breiten Spiegel an den A-Säulen nicht mehr den Blick nach vorne behindern und durch die Kameras sind auch Radfahrer und Menschen, die sich seitlich des Fahrzeugs befinden, leichter zu erkennen. Auch der Blick frontal nach vorne wird durch die Technik geschärft: Beim neuen Range Rover Evoque verschwindet virtuell der ganze Vorderwagen.

Studien haben gezeigt, dass sich eine große Mehrheit der Teilnehmer für die digitalen Spiegel und deren Vorteile ausspricht sobald, sie sich an die Technik gewöhnt haben, allerdings kommt etwa jeder Zehnte mit den neuen Spiegeln nicht klar. Trotz all dieser Vorteile sind die Vorbehalte gegen die Kameras groß. Was ist, wenn die Linse verschmutzt sich beschlägt? Die Kameras sind in der Regel beheizbar, geschützt untergebracht, mit einem Wasser und schmutzabweisenden Beschichtung versehen und der Cadillac CT6 hatte sogar eine kleine Waschanlage verbaut, die die Linse bei Bedarf reinigte. Beim Honda e haben die Techniker eine spezielle Rinne in das Gehäuse integriert, damit das Wasser sofort abläuft und sich nicht vor der Linse staut. Und wenn mal das Glas verschmutzt ist, was viel seltener vorkommt, als das bei den analogen Spiegeln der Fall ist, muss man diese wie in alten Tagen auch reinigen.

Vor allem nachts oder bei schlechter Sicht bieten die Kameras Vorteile: Die Software hellt im Zusammenspiel mit der Linse das Bild noch auf. Auch die bisweilen in das Bild integrierten Distanzlinien helfen beim Rangieren und dem Abschätzen von Abständen. Zwar muss man sich an den digitalen Schulterblick gewöhnen, aber dann kann man die Geschwindigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer gut einschätzen. Jeder kennt das Phänomen, dass man bei grellem Sonnenlicht die Details auf dem Display des Smartphones nur noch schwer erkennt. Auch dieser Einschränkung tragen die Bildschirme Rechnung, und erhöhen bei Bedarf die Helligkeit sowie den Kontrast. Bei manchen Systemen kann man sogar per Schieberegler nachhelfen. Auch wenn die Technik dem menschlichen Auge nachhilft oder sogar überlegen ist, sollte man keine Wunderdinge erwarten. Wenn die Sonne tief steht und direkt auf den analogen Spiegel scheint, ist die Sicht nach hinten sehr eingeschränkt.

Falsch eingestellte Spiegel und die damit verbundenen Gefahren gehören bei den Kameras der Vergangenheit an. Der Monitor sitzt immer an der gleichen Stelle und das projizierte Bild bleibt ebenfalls unverändert. Brillenträger brauchen sich bei einer \"Mirror Cam\" nicht groß umstellen, wer mit einer Sehhilfe gut sieht, tut das auch, wenn das Bild von einer Kamera kommt. Ähnliches gilt für Sonnenbrillen, aber auch hier empfiehlt es sich, sich an den Gewohnheiten zu orientieren und die Sonnenbrille dann abzunehmen, wenn es nötig ist. Ein weiteres großes Plus der digitalen Augen ist, dass die Information sofort in den Rückspiegel oder in den unmittelbaren Sichtbereich des Fahrers gelangt. Damit werden zum Beispiel Fußgänger und Fahrradfahrer, die sich im toten Winkel befinden, sofort sichtbar. Das hilft übrigens auch beim Verlassen des Fahrzeugs.
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Quelle: Autoplenum, 2020-03-27

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