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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 28. September 2012

Eben noch konnte man in der Boxengasse vor lauter Motorenlärm kaum sein eigenes Wort verstehen. Doch jetzt, wo Walter Röhrl auf die Strecke geht, hört man nur noch das leise Surren der Elektromotoren – zumindest am Anfang. Denn was der ehemalige Rallye-Weltmeister da gerade auf die Nordschleife scheucht, ist ein Prototyp des Porsche 918 Spyder, mit dem Porsche vor zwei Jahren beim Genfer Salon die Schnellfahrer geschockt hat. Zwei Elektromotoren von 129 und 116 PS, ein V8-Benziner mit 580 PS und ein Lithium-Ionen-Akku für die Steckdose machen den Tiefflieger aus Weissach zum wahrscheinlich grünsten Sportwagen der Welt und zugleich zum schnellsten Öko-Auto der Republik.

Damals nur eine Designstudie, wollten die Schwaben zeigen, dass man mit Strom durchaus sportlich fahren und dass auch ein Sportwagen sparen kann. Und weil sie es damit wirklich ernst meinen, läuft seit Monaten die Serienentwicklung. Wenn das Puzzle beisammen ist, die Produktion der Karbonkarosse steht und das Zusammenspiel der drei Motoren reibungslos klappt, dann sollen im November die ersten von insgesamt 918 Autos ausgeliefert werden. Zu einem Preis, der ähnlich spektakulär ist, wie das Auto selbst: 768.026 Euro machen den 918 Spyder nämlich zum teuersten Neuwagen aus deutscher Produktion.

Gab es bislang nur das Messemodell aus Genf und eine Art fahrbaren Käfig, den die Entwickler „Rolling Chassis“ nennen, sind jetzt die ersten komplett aufgebauten Prototypen fertig.  Zwar werden dort manche Teile noch mit Klebeband zusammengehalten, im Innenraum prangen dutzende Messinstrumente und das Navigationssystem auf der hohen Mittelkonsole ist nur ein Fake. Aber der Antrieb läuft mittlerweile so rund, dass sich die Entwickler langsam in die Eifel trauen. Ein Jahr vor dem Produktionsbeginn waren sie deshalb jetzt zur Jungfernfahrt auf der Nordschleife des Nürburgrings und haben sich dabei ausnahmsweise über die Schulter schauen lassen.

Dabei müssen sie zwei Eigenschaften vereinen, die widersprüchlicher kaum sein könnten: Denn auf der Nordschleife soll der 918 Spyder schneller sein als sein konventionell motorisierter Vorgänger Carrera GT. Und auf der Landstraße soll er mit einem Verbrauch von drei Litern sparsamer sein als jeder VW Golf. Dabei hilft ihm neben dem großen Akku für die ersten 25, 30 Kilometer natürlich auch der Normzyklus, der erst dann den Einsatz des Verbrenners verlangt, wenn die Batterien leer sind. Außerdem arbeitet der Benziner nebenbei noch als Generator und füllt so während der Fahrt mit seiner überschüssigen Leistung gleich wieder den Stromtank.

Doch spätestens auf der Nordschleife gibt es keine Ausreden. Dort zählen nur Leistung, Kurvendynamik und de Stoppuhr, die nach der ersten scharfen Runde imposante 7:14 Minuten zeigt. „Mit der nötigen Vorbereitung und ein bisschen Feinschliff können wir da sogar noch ein paar Sekunden gut machen“, sind die Entwickler überzeugt.

Die Runde durch die Grüne Hölle fahren Röhrl und die Entwickler alleine. Doch draußen auf der Landstraße lassen die Schwaben zum ersten Mal Gäste an Bord: Zwar nur als Passagiere, aber dafür hautnah kann ich so erfahren, wie unterschiedlich die fünf Fahrprogramme sind, die Porsche programmiert hat. Ruhig aber rasant fährt der 918 bis Tempo 150 rein elektrisch. Man erlebt den Hybridmodus mit dem effizientesten Zusammenspiel der beiden Motoren, in dem er den Normverbrauch von drei Litern schafft. Man freut sich am fast schon brutalen Brüllen Röhren des 4,6 Liter großen Rennmotors im Rücken, der so wunderbar vorlaut in die Strom-Stille platzt. Und vor allem staunt man, mit welcher Urgewalt der 918 einen Satz nach vorne macht, wenn die beiden E-Motoren und der Verbrenner gemeinsam zur Sache gehen. Zusammen 780 Nm katapultieren die 1,7 Tonnen leichte Karbonflunder dann in weniger als drei Sekunden auf Tempo 100 und pressen einen so tief in die Sitze, dass der eben noch verdammt knappe Hosenträger-Gurt plötzlich wieder ziemlich viel Spiel hat. Wenn es irgendwo auf dem Ring eine ausreichend lange Gerade gäbe, könnte das bis 325 km/h so weiter gehen.

Und anders als bei Elektrosportwagen wie dem Tesla oder dem Audi e-Tron muss man dabei nicht nach der Reichweite schauen. Klar ist der Akku nach knapp 30 Kilometern irgendwann leer, und auf der Nordschleife fühle sich das Auto danach plötzlich an, als ob es stehe, klagt Röhrl. Aber statt den 918 dann vier Stunden an die Steckdose oder zwei Stunden am Schnelllader zu hängen, kann man einfach weiter fahren. Denn der V8 hat so viel Power, dass er die Batterie auch unterwegs in fünf Minuten wieder voll macht.

Walter Röhrl hält sonst nicht so viel vom Elektroauto. „Das ist was für die Stadt, aber da will ich mit einem Wagen wie dem 918 ja nicht fahren“, hat er vor seiner Ringrunde noch zu Protokoll gegeben. Doch als er 20,3 Kilometer später wieder in die Box rollt, ist er tatsächlich ein bisschen elektrisiert. Was ihn dabei noch mehr begeistert als der schier endlosen Schub des Batterie-Boosters, ist die unglaubliche Stabilität des 918. Allradantrieb, aktive Aerodynamik und das perfekte Zusammenspiel der drei Motoren machen den Ritt über die Nordschleife selbst bei einer Zeit unter 7:30 Minuten zu einer Spazierfahrt. Das mache dem 918 Spyder so schnell kein anderes Auto nach, lobt der PS-Profi: „Da muss man den Hintern sonst schon ordentlich zusammenkneifen.“

Ein Jahr noch, dann will Porsche mit dem 918 Spyder die Welt der Sportwagen revolutionieren. Bis dahin haben die Ingenieure zwar noch viel Feinschliff zu erledigen, doch der Prototyp macht schon so eine gute Figur, dass er in einer Fabelzeit von 7:14 Minuten um die Nordschleife kommt.

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Fazit
Ein Jahr noch, dann will Porsche mit dem 918 Spyder die Welt der Sportwagen revolutionieren. Bis dahin haben die Ingenieure zwar noch viel Feinschliff zu erledigen, doch der Prototyp macht schon so eine gute Figur, dass er in einer Fabelzeit von 7:14 Minuten um die Nordschleife kommt.

Quelle: Autoplenum, 2012-09-28

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