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Testbericht

Stefan Grundhoff, 9. Januar 2014
Selten hat Detroit so viel Aufmerksamkeit bekommen wie dieses Jahr. Erst kam die große Kälte und wilde Schneestürme - jetzt fällt die Automobilwelt in Motortown ein.

So sehr sich der Genfer Salon auch ärgert und die Los Angeles Autoshow nach oben klettert: an der North American International Autoshow - kurz NAIAS - kommt keiner vorbei. Man wollte die wichtigste Autoshow der USA verschieben, aus Detroit verbannen oder schlicht durch die Los Angeles Autoshow ersetzen. Doch auch 107 Jahre nach ihrer Erstauflage ist die NAIAS die bedeutendste jährliche Autoshow. Andere Messe sind größer - finden jedoch nur im Zweijahresrhythmus statt. Da kann man sich mit eisigem Schmuddelwetter, brennenden Mülltonnen und einer heruntergekommenen US-Metropole schon ein paar Tage anfreunden. Auch in diesem Jahr läutet die Detroit Autoshow das automobile Jahr 2014 ein. Die Neuheiten sind gewohnt zahlreich und der unangefochtene Superstar kommt bei der diesjährigen Auflage wieder einmal aus dem eigenen Land.

Auf der NAIAS wird feierlich der neue Ford F-150 enthüllt; seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto der USA und oftmals gleichsam der ganzen Welt. Pro Jahr verkauft der Autohersteller mit dem blauen Oval aus Dearborn, nur 20 Minuten vor den Toren von Detroit gelegen, rund eine Million Fahrzeuge seines über 60 Jahre alten Bestsellers F-150. Der Pick-Up erlebt auf der Motorshow in den gewohnt lieblos eingerichteten Messehallen des Cobo Centers seine viel umjubelte Weltpremiere. Die Bedeutung einer Neuauflage ist größer als die eines neuen VW Golf oder einer Mercedes S-Klasse. Die neue Generation bietet moderne, effizientere Motoren, ein neues Design und eine Innenausstattung, die sich immer mehr dem Limousinenkomfort annähert. Auf verzichten muss man im neuen Ford F-150 nichts - und dazu gibt es Allradantrieb, Leistung satt und eine mächtige Ladefläche. In seinem Schatten dürften sich noch jungen Konkurrenten GMC Sierra und Chevrolet Silverado ebenso schwer tun wie eine Klasse darunter der Chevrolet Colorado. Ebenfalls alles Lieblinge auf dem US-Markt.

Doch auch aus deutschen Landen werden einige der Messesternchen eingeflogen. Erstmals ist in Detroit die neue Mercedes C-Klasse zu sehen. Der Neuling, erstmals in Tuscaloosa / USA produziert, orientiert sich optisch und technisch an der großen S-Klasse und setzt nicht nur den noch jungen Mercedes CLA, sondern auch die größere C-Klasse unter Druck. Das Motorenangebot ist nur zum Marktstart dünn. Mittelfristig gibt es jedoch Vier-, Sechs- und Achtzylinder, dazu AMG-Sportversionen, Allradantrieb und jeden nur erdenklichen Komfort inkl. bekannter Assistenzsysteme. Wem das nicht reicht: Daimler zeigt mit dem S 600 auch das neue Zwölfzylinder-Aushängeschild mit 530 PS und grenzenlosem Luxus. Etwas rustikaler, aber mit mächtig Dampf ist der Mercedes GLA 45 AMG unterwegs, der die Konkurrenz mit 360 PS und 250 km/h mächtig unter Druck setzt.

Ebenso sportlich treten BMW und Lexus an der kanadischen Grenze an. Beide Hersteller lassen mit dem M3 / M4 sowie dem RC F ihre Sportversionen von der Leine. Während das Powerdoppel aus München mit aufgeladenem Dreiliter-Reihensechszylinder und 431 PS überraschend zurückhaltend auf Kundenfang geht, bollert der Lexus RC F mit einem fünf Liter großen Achtzylinder mit 450 PS los. Porsche legt zur Überraschung vieler Fans das Spartenmodell 911 Targa wieder auf. Das Dachelement des Allradlers wird sich zukünftig jedoch elektrische versenken lassen. Nicht weniger sportlich präsentiert sich der US-Sportler Corvette in seiner nachgeschärften Variante der Z06.

Hyundai stellt in Detroit die nächste Generation des eleganten Genesis vor. Sie soll in den USA und später auch in der restlichen Welt die europäische und amerikanische Oberklasse angreifen. Eine Klasse darunter ist der neue Chrysler 200 unterwegs, der die Italo-Amerikaner in der Mittelklasse wieder in die Erfolgsspur zurückführen soll. In der gleichen Liga, nur deutlich sportlicher, donnert der neue Subaru WRX STi durch die Köpfe der Messebesucher. Rallye-Gene inklusive.

In Sachen Zukunftsstudien steht die Detroit Autoshow zumeist hinter der europäischen Schöngeist-Messe in Genf, die Anfang März startet. Trotzdem gibt es in Motorcity einige sehenswerte Visionen und Konzeptfahrzeuge zu bestaunen. Mini hat gerade erst seine neue Generation vorgestellt, da dürfen die Mini-Jünger bereits von der John Cooper Works Sportversion träumen, die als seriennahes Konzeptmodell in Detroit steht. Kia beeindruckt mit der sehenswerten Studie des GT4 Stinger Concept. Der bietet einen coolen Look, 315 PS und Hinterradantrieb - bitte bauen! Das dürfte beim Infiniti Q50 Eau Rouge bereits beschlossene Sache sein. Die Sportversion des Premiummodells soll gegen M-, AMG- und RS-Modelle antreten. Nur ein Traum bleibt der Volvo Concept XC Coupé, der allein einen Designausblick auf den neuen Oberklasse-SUV XC90 geben soll, der Ende 2014 seine Premiere feiert.
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Quelle: Autoplenum, 2014-01-09

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