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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 5. Februar 2013
Der neue Volvo-Chef Hakan Samuelsson will die schwedische Marke bis zum Ende des Jahrzehnts wieder nachhaltig in die Gewinnzone führen. Dafür gibt es eine Korrektur des Strategie.

Die Aufbruchsstimmung in Göteborg ist einer gewissen Ernüchterung gewichen. Nachdem Volvo 2011 noch einen satten Zuwachs von knapp 25 Prozent vermelden konnte, gingen im letzten Jahr die Verkäufe zurück: Im Kernland Europa schrumpfte der Absatz um knapp zehn Prozent auf 227.027 Einheiten und weltweit um 6,1 Prozent auf 422.000 verkaufte Fahrzeuge. Das sind 53.000 weniger, als geplant. Auch in Deutschland betrug das Minus 3,4 Prozent, reichte für 32.750 Neuzulassungen und so für einen Marktanteil von 1,1 Prozent. Zum Vergleich: Die VW verkaufte auf dem Heimatmarkt 672.921 Autos.

Die Schweden haben vergleichsweise bescheidene Ziele. Bis 2020 sollen weltweit 800.000 Autos verkauft werden, 200.000 davon in China. Im letzten Jahr verkauften die Schweden im Reich der Mitte gerade Mal 42.000 Autos. Die ersten Schritte sind gemacht: Im Sommer wird in China die erste Fabrik eröffnet und im nächsten Jahr soll die zweite dazukommen.

Doch zunächst ist es das Ziel des neuen Volvo-Chefs Hakan Samuelsson, keinen Verlust zu schreiben. Eine neue Produktstrategie soll langfristig wieder Wachstum generieren. Grundsätzlich wollen sich die Schweden verstärkt auf ihre Kernwerte konzentrieren. \"Familientauglichkeit und Praktikabilität stehen wieder etwas mehr im Vordergrund\", verrät der Volvo-Deutschlandchef Bernhard Bauer. Dabei wird natürlich die dritte Kernkompetenz die Sicherheit nicht vernachlässigt.

Ganz wichtig wird dabei der Nachfolger des Flaggschiffs XC 90, der Anfang 2015 erscheint. Der große SUV wird rund fünf Meter lang sein und basiert auf der neuen SPA-Architektur ( Scalable Product Architecture). Auch der Nachfolger des C70 soll ein großer Kombi werden, der das jetztige Modell deutlich übetrifft. \"Wir wollen uns in Zukunft nicht mehr verzetteln\", verdeutlicht Bernhard Bauer die veränderte Stoßrichtung. Neben der \"großen\" Plattform ist eine kleinere geplant, auf der dann auch der XC40 aufbauen wird. Noch steht nicht fest, ob Volvo einen internationalen Partner für die Architektur heranzieht, oder sie zusammen mit der chinesischen Mutter Geely realisiert. Eine Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Dass die Bande zu Geely so oder so enger geknüpft werden, um Skaleneffekte zu erreichen, ist sehr wahrscheinlich. Zur Unterstützung hat Geely den ehemaligen Tata-CEO und Opel-Chef Carl-Peter Forster als Nicht-Geschäftsführenden Direktor verpflichtet.

Doch die Reduktion auf das Wesentliche betrifft auch den Motor. Künftig sollen alle Aggregate, auf einem Vierzylinder-Zwei-Liter-Block aufbauen, der einen variablen Hubraum haben wird. Für die PS-stärkeren Modelle, wird es einen Elektro-Motor an der Hinterachse geben. Einen Ausblick gibt der V60-Diesel-Hybrid mit 285 PS.

Um diese ehrgeizigen Pläne in die Tat umzusetzen, will Samuelsson in den nächsten Jahren laut dem \"Handelsblatt\" rund 8,5 Milliarden Euro investieren. Der erste Schritt ist bereits gemacht. Ende des letzten Jahres hat der schwedische Autobauer eine Finanzspritze von 922 Millionen Euro von der China Bank of Development erhalten. Damit sollen laufende Kredite abgezahlt werden und somit der finanzielle Spielraum erhöht werden, der durch die Zinslast der bestehenden Verpflichtungen zunehmend eingeengt war. Ein Teil des Kapitals soll vor allem in die Ausbildung der Verkäufer und das Händlernetz fließen.
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Quelle: Autoplenum, 2013-02-05

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