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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 13. August 2020
Sieben Jahre hat der BMW i3 schon auf dem Buckel. Mit dem Mini SE steht nun der Nachfolger parat. Zeit für einen Vergleich und die Frage, ob der Elektromobilveteran schon seinen Hut nehmen und dem jungen Wilden das Feld überlassen muss?

Der BMW i3 erlebt gerade seinen zweiten Frühling. Das Elektromobil verkauft derzeit in Deutschland ziemlich gut. Allerdings hat der Elektromobil-Pionier schon sieben Jahre auf dem Buckel, das ist gerade bei modernen Autos eine Ewigkeit. Dennoch haben wir den BMW i3 mit seinem Nachfolger dem Mini Cooper SE verglichen. Eigentlich ein ungleiches Duell, möchte man meinen. Doch der alte Kämpe gibt sich nicht kampflos geschlagen.

Design: Unterschiedlicher könnten die beiden Protagonisten gar nicht sein. Auf der einen Seite der kantig-nüchterne BMW i3, dessen Aussehen zumindest polarisiert. Dem Mini Cooper SE mit seinen Kulleraugen und der runden klassischen Form fliegen die Herzen der weiblichen Fans zu. Auch wenn Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, geht diese Runde klar an den Mini Cooper SE

Innenraum: Wer in den Mini Cooper SE einsteigt und in die Sessel sinkt, sitzt tiefer und sportlicher als im BMW i3. Der verströmt mit seinen Stoffapplikationen und ebensolchen Sitzbezügen deutlich mehr Lounge- als Turnhallen-Ambiente. Die hochbauende Karosserie und die kantige Form gereichen dem \"Oldie\" hier zum Vorteil, da das Platzgefühl deutlich luftiger ist als im Mini. Allerdings fehlt es den Sitzen des BMW i3 an Seitenhalt, aber das kommt nur bei schnellen Kurven zum Tragen. Beim Kofferraum ist der Wettbewerb schnell entschieden. Das Mini Gepäckabteil schluckt zwischen 211 bis 731 Liter, beim BMW i3 sind es 260 bis 1.100 Liter. Dazu kommt noch die eben beschriebene Quader-Karosserieform, die beim Beladen hilft. Ganz klare Sache: Der BMW i3 gleicht aus.

Infotainment: Riesen Pizza in der Mitte gegen klassisches Display auf dem Armaturenbrett. Auch beim Infotainment treffen zwei Antipoden aufeinander. Dabei kämpft der BMW i3 aber mit deutlich stumpferen Waffen, als sein aufmüpfiger britischer Konzernbruder. Schließlich ist das Infotainmentkonzept des i3 schon sieben Jahre auf dem Markt und das merkt man an Details - etwa an dem kleinen Cockpit-Bildschirm vor dem Fahrer und dessen Grafik. Dennoch bemüht sich BMW die Unterhaltungselektronik aktuell zu halten und kriegt das auch ziemlich gut hin. Der BMW i3 wirkt auch heute noch nicht wirklich alt. Ein Kompliment, das zeigt, wie wegweisend dieses Auto 2013 war. Dennoch holt sich der Mini hauchdünn den Sieg. Das Infotainment ist einfach aktueller und das merkt man an manchen Stellen - sei es an der Schnelligkeit der Rechenleistung oder an den Menüs. Dennoch ist die Verspieltheit, die beim Mini immer wieder durchkommt, nicht jedermanns Sache.

Fahren: Hier lassen wir zunächst einmal die Fakten sprechen: Der BMW i3 hat 125 kW / 170 PS und ein Drehmoment von 250 Newtonmetern. Damit ist der i3 bis zu 150 km/h schnell und braucht 7,3 Sekunden, bis die 100 km/h geknackt sind. Die Mini-Quartettspieler werden jetzt innerlich jubeln und von einer klaren Sache sprechen. Weit gefehlt: Der Mini Cooper SE kommt zwar mit 135 kW / 184 PS und 270 Newtonmetern um die Ecke, hat aber sonst die identischen Fahrleistungen, wie der BMW i3. Kein Ruhmesblatt für ein Auto, das so viel neuer ist und sich die Dynamik auf die Fahnen geschrieben hat. Die Stärke des Minis liegt im Spaßfahren, vulgo: Dem Kurvenräubern, und da zeigt der Junge dem Alten die Rücklichter. Ein Grund für die Agilität ist die schnell agierende \"Aktornahe Radschlupfbegrenzung\" (ARB), die der Mini Cooper hat, der BMW i3 nicht. Allerdings wurde dieses System 2018 mit dem BMW i3s eingeführt. Aber auch der muss dem Mini den Vortritt lassen.

Reichweite: Mit dem mittlerweile 42,2 Kilowattstunden großen Akkupaket (schafft der BMW i3 im WLTP-Zyklus zwischen 270 und 310 km. Laut BMW soll das in der Realität immerhin noch für 260 Kilometer ohne Nachladen gut sein. Der Mini kommt mit einer 32,6 Kilowattstundenbatterie aus, aber im EU-Zyklus zwischen 235 und 270 Kilometer weit. Auch da werden die Mini-Fans ziemlich schmallippig werden. Auch wenn die Reichweite des flotten Briten für Stadtpendler mit Lademöglichkeit mehr als ausreichend ist. Aber hier hat dann doch der BMW i3 die Nase vorne.

Laden:An der normalen Haushaltssteckdose lädt der BMW i3 mit einer Ladeleistung von 2,4 kW in 15 Stunden auf 80 Prozent der Kapazität. Beim Anschluss an eine Wallbox ist dreiphasiges Stromtanken mit einer Leistung von 11 kW möglich. Die Ladezeit verkürzt sich so auf knapp über drei Stunden. Mit einer Gleichstrom-Schnellladestation erstarkt das Akkupaket in etwa 42 Minuten auf 80 Prozent. Der Mini Cooper SE braucht laut den Experten von \"The Mobility House\" etwa 14 Stunden, ehe die Batteriezellen über eine Haushaltssteckdose wieder gefüllt sind. Mit 11 kW an einer Wechselstrom-Tankstelle sind die Akkus dreiphasig innerhalb 2,5 Stunden zu 80 Prozent voll, bis es 100 Prozent sind, dauert es eine Stunde länger. Klemmt man den Mini an einen 50 kW-Gleichstromlader, vergehen nur 35 Minuten bis die Stromspeicher zu 80 Prozent vollgetankt sind, für die restlichen 20 Prozent wächst die Gesamtzeit auf 1,4 Stunden. Hier liefern sich die beiden Konkurrenzen ein totes Rennen.

Fazit: Der BMW i3 kostet aktuell mindestens 38.016,81 Euro (16 Prozent MwSt.). Das ist eine Stange Geld für ein Elektroauto, das bereits sieben Jahre auf dem Markt ist. Allerdings hat der alte Kämpe nach wie vor allem in der Stadt seine Daseinsberechtigung. Beim Platz und der Praktikabilität zeigt der BMW i3 dem Mini Cooper SE seine Grenzen auf. Der Elektroveteran spielt in der Stadt seine Stärken aus, wenn man den Nachwuchs zur Schule bringen oder viele Einkäufe einladen muss. Der Mini Cooper SE punktet mit dem Lifestyle-Faktor, dem moderneren Infotainment und natürlich der Agilität. Der Basispreis von 31.680,67 Euro spricht ebenfalls für den Briten, allerdings ist diese Ausstattung eher karg. Dennoch hat der Mini Cooper SE unterm Strich in diesem Konzern-Duell die Nase vorne, aber knapper als man vermuten mag.
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Quelle: Autoplenum, 2020-08-13

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